VW Passat V (1996-2005)

Gebrauchtwagen VW Passat Gebrauchtwagen VW Passat

VW Passat V (1996-2005)

— 25.02.2002

Seine schwache Seite

Früher stand der Passat für Solidität und wenig Reparaturen. Heute muss er oft in die Werkstatt, weil Fahrwerk, Bremsen und Motor zicken.

Fahrwerk und Verarbeitung

Vor vier Jahren, bei der Einführung des neuen Passat, haben wir alle gestaunt: So ein schnittiges Auto, so gediegen verarbeitet, und erst der Fahrkomfort – ein Gedicht. Und dann so eine Enttäuschung. Es beginnt mit den Spurstangenköpfen. Beim Modelljahrgang 98 können sie vorzeitig verschleißen, im Extremfall sogar aushaken. VW reagiert schnell. 1999 wird ein Rückruf eingeleitet – der allerdings wegen eines Computerfehlers in der zentralen Ersatzteildisposition schleppend verläuft und bis heute nicht abgeschlossen ist. Blamabel.

Doch damit nicht genug. Wie beim Audi A4 kann die Bremse bei Streusalz schlecht zupacken – betroffene Kunden bekommen neue Beläge. Auch die Führungsgelenke der Vorderachse sorgen für wackelige Passat-Beine. Folge: Poltern. Deshalb bei der Probefahrt: Radio aus, Ohren auf. Eventuell dringen noch andere Misstöne in die Gehörwindungen.

Etwa Knirschen und Zirpen der edel wirkenden Kunststoffe innen. Weil der Passat im Innenraum so gut gegen Fahrgeräusche abgedämmt wird, drängen sich knisternde und knackende Töne leichter in den Vordergrund. Probleme mit den Getrieben scheinen dagegen ausgestanden, auch die Antriebswellen, die beim Vorgänger oft für Ärger sorgten, haben ausgeklackert. Dafür wackelten anfangs die Vordersitze, bis 97 geänderte Gleitschienen das Mobiliar besser verankerten.

Motor und Technik

Großzügig ist das Raumangebot, auch wenn die Traummaße des Vorgängers wegen der nun längs eingebauten Motoren nicht mehr erreicht werden. Trotzdem: Der Platz reicht völlig, auch in der ungeliebteren, deswegen preisgünstigeren Stufenheckversion. Und natürlich erst recht beim teuren Variant. Für den entscheiden sich rund 70 Prozent – was wirklich nicht erstaunt.

Dramatischer aber sind die Motorschäden, die vor allem die Diesel ereilen. Die TDI-Motoren leisten als Vierzylinder zwischen 90 und 115 PS, als V6 gar 150. Und sie alle eint eine Schwäche: Sie verschleißen den Zahnriemen für den Nockenwellenantrieb viel zu schnell. Werden die Wartungsintervalle nicht sklavisch eingehalten, ist ein Motorplatzer programmiert. Deshalb reduzierte VW das Wechselintervall für das lebenswichtige Gummiband auf nur 60.000 Kilometer. Kosten: jedes Mal rund 500 Mark. Zu den Turbos – dazu zählen auch die TDI – bliebe noch anzumerken, dass sie oft eine ordentliche Portion Öl schlucken. Bis zu 0,8 Liter pro 1000 Kilometer sind – bei diesen Kandidaten – normal. Wer nicht nachfüllt, riskiert ebenfalls Motorschäden.

Diese gilt es in die Kostenbilanz einzukalkulieren wie die beim TDI teurere Steuer und Versicherung. Für viele wird sich deshalb ein Benziner eher rentieren. Hier sind der 1,6-Liter und der 1,8-T erste Wahl. Die 100 PS des Kleinen reichen völlig aus, die 150 PS des Turbo machen den Passat fast zum Sportwagen. Der 1.8er mit 125 PS dagegen ist zu zäh, der VR5 zu durstig und der 2,8-Liter kein Volkswagen mehr. Doch solide sind sie alle. Wenn nicht Wasserverlust durch lecke Pumpen oder Schläuche eine Überhitzung verursacht.

Historie, Schwächen, Kosten

Modellgeschichte 10/96 Markteinführung der komplett neu entwickelten fünften Passat-Generation (3B), Motoren von 90 bis 150 PS 6/97 Einführung Passat Variant und 2,3-l-V5, 150 PS 10/97 Allradversion syncro und 2,8-l-V6, 193 PS 3/98 weiße Blinker, ESP beim V6 gegen Aufpreis 10/98 Einführung TDI Pumpe-Düse, 115 PS 1/99 V6 TDI, 150 PS, serienmäßig mit Fünfgangautomatik 9/99 ESP serienmäßig, V6 TDI auch mit Sechsgangschaltung 1/00 Einführung Sondermodell Edition 9/00 großes Facelift: Klarglasscheinwerfer vorn, Linsen-Rücklichter 3/05 Einführung der sechsten Generation auf dem Genfer Salon

Schwachstellen • Zahnriemen ist laut VW ein ausgereiftes Bauteil, führt aber in der Praxis besonders beim TDI immer wieder zu Motorschäden – weshalb das Wechselintervall dort kategorisch auf 60.000 Kilometer verkürzt wurde • Vorderachse verdankt ihre guten Fahreigenschaften einer Vielzahl von Kugelgelenken, die sich inzwischen als verschleißfreudig erweisen. Die Spurstangenköpfe werden kostenlos erneuert, VW schreibt alle Kunden direkt an

Reparaturkosten Preise inklusive Lohn und Mehrwertsteuer am Beispiel Passat 1.6, 74 kW/100 PS, Baujahr 97. Volksnähe zeigt VW bei den Ersatzteilkosten, einzig der AT-Alumotor wird sehr teuer. Überraschend günstig: der Endschalldämpfer des 1,6-Liters.

Fazit und Modellempfehlung

Fazit "Der aktuelle Passat meistert die Hauptuntersuchung in der Regel problemlos. Bei höheren Laufleistungen können jedoch die Spurstangenköpfe defekt sein - eine Rückrufaktion von VW ist bereits angelaufen. Außerdem zeigt sich dabei oft gleichzeitig Spiel in den Traggelenken der Vorderachse, was zu Poltergeräuschen führt. In seltenen Fällen müssen wir auch unzureichende oder einseitige Bremswirkung der hinteren Scheibenbremsen beanstanden." Werner Lyrmann, Gutachter TÜV Rheinland/Berlin-Brandenburg

Modellempfehlung Passat Variant 1.9 TDI (66 kW/90 PS)

Steuer/Schadstoffklasse: 513 Mark im Jahr/Euro 3 Testverbrauch: Werksangabe 5,6 Liter, gemessen 7,1 Liter (Diesel) Versicherung: Vollkasko (15/1000 Mark SB): 1316 Mark. Teilkasko (32/300 Mark SB): 545 Mark. Haftpflicht (18): 1813 Mark (Basis: HUK-Jahrestarife für Regionalklasse Berlin, 100 Prozent) Inspektion/Kosten: 15.000 Kilometer, etwa 350 bis 800 Mark Wertverlust: Dreijährige verlieren rund 45 Prozent vom Neupreis (Händlerverkaufspreis), danach jährlich um 2000 Mark Verlust.

Diesen Beitrag empfehlen

Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.