VW Sharan (ab 1995)

Gebrauchtwagen VW Sharan Gebrauchtwagen VW Sharan

VW Sharan (ab 1995)

— 25.02.2002

Der steckt voller Probleme

VW hat ein ernstes Qualitätsproblem: Deutschlands Parade-Van, in Portugal gebaut, wird schon im jungen Alter zum Pflegefall.

Erfahrungen und Qualität

"Eigentlich fahren Sie ja einen Ford, da muß man eben Abstriche machen bei der Qualität", sagte ein Berliner VW-Händler zu Sharan-Fahrer Matthias Schmitz, als dieser beim zwanzigsten Werkstatt-Termin um endgültige Beseitigung der Mängel bat. Diese füllten mittlerweile drei Seiten. Dicht beschrieben.

Eine Frechheit, die sich nicht wenige Sharan-Kunden bieten lassen müssen. Falsch zudem. Denn in Wahrheit hat VW die Konstruktionshoheit bei der Gemeinschaftsproduktion mit Ford in Portugal. Und mit der Beseitigung der typischen Macken sollten VW-Werkstätten mittlerweile vertraut sein. Schließlich hatten sie über drei Jahre Zeit, alles über spinnende Zentralverriegelungen, selbsttätig öffnende Fenster oder rubbelnde Bremsen zu lernen.

Drinnen bietet der Sharan die schlechteste Qualität aller VW, erkennbar an lockeren Türverkleidungen, labilen Sitzverstellern, herabfallenden Sonnenblenden. Wirkliche Besserung trat erst im Sommer 97 ein, mit Anlauf des 98er Modelljahres. Ein Kapitel für sich sind rubbelnde Bremsen. Das hohe Gewicht des Volks-Van (leer 1800 Kilo) verschleißt Scheiben und Klötze im Zeitraffer, begünstigt von Fertigungstoleranzen: Hinten gab es eine Zeitlang unrunde Scheiben, außerdem eine Serie eiernder Radnaben.

Technik und Innenraum

Angesichts dieser Schauergeschichten verwundert etwas, daß die Mechanik ziemlich solide ist: VW-Motor und Ford-Getriebe geben so gut wie nie Anlaß zur Sorge. Lediglich die beiden TDI leiden unter raschem Zahnriemenverschleiß. Einhalten der Wartungsintervalle ist zwingend nötig. Die beiden Direkteinspritzer verstärken ein weiteres Manko des Sharan – die schwache Heizung. Schon vorne wird es nur zögerlich warm, in der zweiten und dritten Sitzreihe ist bei Frost dicke Winterkleidung angesagt.

Bei voller Bestuhlung für sieben Personen treten auch Lücken im Mini-Van-Konzept zutage: Der Kofferraum faßt dann gerade einen Kulturbeutel pro Nase, außerdem gelingt der Einstieg in die dritte Reihe nur gelenkigen Menschen. Einmal Platz genommen, verwöhnt der Sharan mit ausgezeichnetem Komfort. Die Geräuschkulisse ist dezent, dazu egalisiert die Federung nahezu sämtliche Bodenunebenheiten.

Der gute Eindruck bleibt auch bei forscher Fahrt: Der Sharan liegt, wie es sich für einen VW gehört, und bewahrt seine Gutmütigkeit auch in allzu optimistisch angegangenen Biegungen. Diese Nähe zum normalen Pkw macht den Sharan vermutlich so beliebt. Die Verwendung von Klapp- anstelle von Schiebetüren ist zwar im Alltag mit seinen engen Parklücken ein Nachteil, verlangt aber andererseits keine Umgewöhnung.

Gewöhnen müssen sich Sharan-Kunden allenfalls an das Preisniveau – selbst der 95er Jahrgang ist fast nie unter 30.000 Mark zu kriegen. Sparen läßt sich trotzdem: Wer auf das VW-Emblem verzichtet, erhält mit Ford Galaxy und Seat Alhambra das gleiche Auto und spart je nach Baujahr bis zu 5000 Mark. Nur die Qualitätsprobleme erspart er sich nicht. Die sind bis zum Sommer 97 identisch.

Historie, Schwächen, Kosten

Modellgeschichte 6/95 Modelleinführung der fünftürigen Großraumlimousine. Motoren mit 115 und 174 PS, serienmäßig ABS sowie Fahrer- und Beifahrer-Airbag 10/95 Einführung Sharan TDI mit 90 PS 8/96 Klimaanlage serienmäßig für alle Modelle 10/96 Einführung 110-PS-TDI und Allradversion syncro 7/97 Anlauf des Modelljahres 98, wesentlich verbesserte Qualität, neu benannte Zusatzausstattungen: Comfortline, Trendline und Highline 12/97 Einführung Sharan 1.8 T mit 150 PS.

Schwachstellen • Verarbeitungsmängel ziehen sich durch die ersten Baujahre. Dazu gehört neben abfallenden Plastikteilen auch der sparsame Umgang mit Konservierungsmitteln, erkennbar an heftigem Flugrost an Unterbau und Fahrwerk • Elektrikprobleme betreffen vor allem Komfortteile wie Zentralverriegelung und Fensterheber, die mitunter ein reges Eigenleben führen • Öl- und Wasserverlust kennen wir von anderen VW. Da der Sharan die gleichen Motoren besitzt, taucht dieses Übel auch hier auf • Zahnriemen reißen bei den TDI-Motoren (besonders 110 PS). Unbedingt den fälligen Wechsel nach 60.000 km beachten

Reparaturkosten Preise inklusive Lohn und Mehrwertsteuer, ausgeführt in einer Vertragswerkstatt, am Beispiel eines VW Sharan 2.0, 85 kW/115 PS, Bj. 96. Das VW-Austauschsystem hält die Preise niedrig. Ausnahme: die teure Auspuffanlage.

Fazit und Urteil

Fazit Das Auto ist eine Enttäuschung. An die unübersichtliche Nase oder die teilweise unlogische Bedienung der von Ford übernommenen Radios kann man sich noch gewöhnen, doch die miserable Verarbeitung raubt einem den letzten Nerv und den Glauben an VW-Qualität.

AUTO BILD-Urteil: Bedingt empfehlenswert

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