Motoren lärmen, Sand wirbelt, Wasser spritzt. Wild entschlossen stürmt der BMW den Hügel rauf, stürzt sich der VW den Abhang runter, stiebt der Jeep durch Pfützen. Äh, Entschuldigung – falscher Film. Nicht, dass Grand Cherokee, Touareg und X5 im Gelände nichts taugen würden. Nur werden sie dort nicht eingesetzt. Die Großstadt ist ihr tägliches Revier. Die Frage ist jetzt: Wer beherrscht den geschliffenen Umgang im Alltag am besten?
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Fette Oberklasse-SUVs sind reinster Luxus

Video: X5 vs. Touareg und Grand Cherokee (2015)

SUV-Dreikampf

Der BMW, der bereits in der dritten Generation das Segment der edlen Oberklasse-SUV in Europa quasi erfunden hat? Oder der hemdsärmelige Jeep, der weltweit zu den meistverkauften Geländewagen überhaupt gehört? Oder doch der Touareg, den Volkswagen mit einem kleinen Facelift fein geschliffen hat? Ganz ehrlich: Wirklich brauchen wird diese SUVs niemand. In der Stadt mit einer Länge von gut 4,80 Metern und einer Breite von knapp 1,95 Metern viel zu unhandlich, auf Langstrecke einer Limousine in Sachen Komfort unterlegen – und abseits befestigter Straßen fahren ihnen echte Geländewagen um die Ohren. Boah, hört sich das fies an. Und ist auch nur eine Sichtweise – denn irgendwie bieten die großen SUV von allem etwas und passen durchaus in die Zeit. Die hohe Sitzposition etwa macht es dem Fahrer leicht, in der City nicht den Überblick zu verlieren. Auf langen Strecken verwöhnen die dicken Brummer zudem mit ihrem Federungskomfort und sind so gut gedämmt, dass selbst bei hohen Geschwindigkeiten fast Stille im Innenraum herrscht. Platz ohne Ende bieten zumindest VW und BMW, der Jeep ist eine halbe Nummer kleiner.

Der X5 gibt auch hier den markentypischen Dynamiker

BMW X5
Leichtfüßig huscht der X5 ums Eck, lässt sein Gewicht von immerhin 2,2 Tonnen schnell vergessen.
Bild: Christoph Boerries
Und dank serienmäßigem Allradantrieb wühlen sie sich auch dort durch, wo jedes normale Auto schnell an seine Grenzen kommt. Nicht zu vergessen ihre Qualitäten als Zugfahrzeuge – zwei Tonnen und mehr lassen BMW, VW und Jeep nicht mal zucken. So unterschiedlich ihr Design, so deutlich anders ist auch ihr Charakter. Beginnen wir mit dem BMW. Traditionell bieten die Bayern sportlich angehauchte Autos an, der X5 macht hier keine Ausnahme. Leichtfüßig huscht er ums Eck, lässt sein Leergewicht von immerhin 2,2 Tonnen schnell vergessen. Dazu passt der aufgeweckte Reihensechszylinder, der nicht nur die besten Fahrleistungen bietet, sondern mit seinem rauchigen Klang auch sexy wirkt. Aber der BMW kann auch anders. Im Komfortmodus bügelt er selbst grobe Unebenheiten fein aus, einzig die starken Aufbaubewegungen sind nichts für empfindliche Mägen. Zum hohen Komfort passt die gediegene Einrichtung des X5. Exakt verarbeitete, weiche Kunststoffe und gut duftendes Leder – das war bei Geländewagen von BMW nicht immer so.
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Mit seiner Luftfederung wird der Touareg zur Sänfte

VW Touareg
Ganz großer Gleiter: Sein sattes Fahrgefühl gibt dem VW Touareg eine edle Anmutung.
Bild: Christoph Boerries
Qualitativ kann der Volkswagen durchaus mithalten, auch wenn die verwendeten Kunststoffe eine Spur rustikaler sind. Ziemlich edel wirkt der Touareg trotzdem, auch wegen seines satten Fahrgefühls. Die Vordersitze sind so groß und bequem wie der Fernsehsessel zu Hause, die Luftfederung bügelt von kleinen Unebenheiten bis zu fiesen Schlaglöchern alles glatt. Herrlich, zumal auch der Touareg den Fahrer weder mit einem allzu aufdringlichen Motor noch Windgeräuschen nervt. Im VW fühlt man sich so behütet wie in einer Luxuslimousine – nur eben ein Stockwerk höher. Allerdings sollte man den Touareg nicht hetzen. Dynamik liegt ihm so gar nicht. In Kurven zerrt jedes einzelne Kilogramm – und das sind immerhin 2251 – an dem SUV und schiebt es Richtung Kurvenausgang. Und der Jeep? Ist irgendwie aus der Zeit gefallen. Im Innenraum kleiner, die Materialien machen einen nicht ganz so hochwertigen Eindruck wie bei den deutschen Konkurrenten. Macht aber nichts, dafür kann der Grand Cherokee mit einer Menge Charme punkten.
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Der Jeep gewinnt vor allem durch seinen rustikalen Charme

Jeep Grand Cherokee
Fahrender Anachronismus: Im Vergleich wirkt der Grand Cherokee irgendwie wie aus der Zeit gefallen.
Bild: Christoph Boerries
Das beginnt beim Motor: Waren die Diesel bei Jeep früher vor allem ungehobelt und laut, gefällt der neue Sechszylinder mit seinem etwas rauen, aber nicht aufdringlichen Laufgeräusch. Nur schnell mag der Jeep so gar nicht, schon knapp unter 4000 Umdrehungen geht dem Selbstzünder die Puste aus. Vielleicht auch besser so, denn das Fahrwerk federt zwar ausreichend komfortabel – präzise Kurvenfahrten gehören aber nicht zu seinem Repertoire. Die Lenkung verhärtet schnell, taugt auf Landstraßen eher als Peilhilfe. Alles nicht dramatisch, aber längst nicht so fein abgestimmt wie BMW und Volkswagen. Wer jetzt aber gedacht hätte, der Jeep sei das Sonderangebot in dieser Runde, wird enttäuscht. Alle drei sind teuer – richtig teuer. Mit einem Testwagenpreis von 67.600 Euro ist der Grand Cherokee zwar tatsächlich der Günstigste im Vergleich und mit Leder, Navi und großem Panoramadach serienmäßig top ausgestattet. Der VW ist rund tausend Euro teurer, aber deutlich magerer bestückt – und lässt auch beim Wiederverkauf Federn. Der BMW ist zwar noch mal rund 3500 Euro teurer als der Touareg, dank seiner vielseitigen Talente aber auch jeden Cent wert. Also ruhig mal Wasser spritzen und Sand wirbeln lassen. Ab ins Gelände, der kann das!
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Fazit

von

Stefan Voswinkel
Der Vorsprung von 26 Punkten auf den VW und 97 Punkten auf den Jeep zeigt, wie gut der X5 tatsächlich ist. Der dicke Bayer leistet sich keine Schwächen – lässt sich diese Qualitäten aber auch gut bezahlen. Der komfortable Touareg ist ein toller Begleiter im Alltag, bietet aber nicht die Dynamik des BMW und verliert so wichtige Punkte. Der rustikale Jeep ist vor allem was für Fans.