Scheibenreparatur

Windschutzscheibe tauschen

— 01.10.2015

Neue Technik treibt Preise hoch

Die komplizierte Neueinstellung kamerabasierter Sicherheitssysteme macht den Tausch der Windschutzscheibe teurer. Die Extrakosten werden nicht immer von der Kfz-Versicherung übernommen.

Schnell ist es passiert: Vom vorausfahrenden Auto aufgewirbelt, knallt ein Stein gegen die Windschutzscheibe und sorgt dort für einen kleinen, aber gemeinen Schaden. Winziger Kiesel, große Wirkung: Ein Steinschlag im direkten Sichtfeld des Fahrers ist TÜV-relevant und darf nicht repariert werden – hier hilft nur noch der Austausch der alten Windschutzscheibe. Bei den meisten Fahrzeugbesitzern verursacht der Schaden zumindest keine Reparaturkosten, sie sind ausreichend versichert: "Die Teilkaskoversicherung übernimmt Schäden am eigenen Fahrzeug, die durch Glasbruch verursacht werden", sagt Hasso Suliak, Sprecher des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Ein Grund muss nicht genannt werden, da diese Schäden unabhängig von ihrer Ursache und Entstehung ersetzt werden.
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Das  Diagnosegerät unterstützt den Autoglasexperten

Bei modernen Fahrzeugen ist die Angelegenheit jedoch komplizierter, weil sie immer mehr Fahrerassistenzsysteme (FAS) an Bord haben. Vom Kleinwagen bis zur Oberklasse sind Autos heutzutage mit Hightech wie Spurhalteassistenten, Schilderkennung und anderen Sensoren ausgerüstet. Diese Systeme basieren auf Kameras hinter der Frontscheibe. Ein Scheibentausch bei neuen Fahrzeugen erfordert deshalb moderne Diagnosegeräte, geschultes Fachpersonal und größte Präzision. Vor allem die Kalibrierung der Kamera macht die Reparatur komplizierter, arbeitsintensiver und damit teurer. Im Jahr 2013 mussten die Versicherer 1,2 Milliarden Euro für Glasbruchschäden an Pkw aufwenden – Tendenz steigend. Laut GDV ist davon auszugehen, dass dies auch auf die immer höherwertigen Frontscheiben im Fahrzeugbau zurückzuführen ist.
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Versicherung zahlt nicht zwangsläufig die Kosten der Kalibrierung

Die Preise für deren Reparatur schwanken je nach Autohersteller, Fahrzeugklasse und Dienstleister. So nennt der Bundesverband Autoglaser (BVA) den Preis von 687 Euro für das Scheibenwechseln bei einem Golf VII ohne FAS. Beim selben Modell, ausgestattet mit neuer Assistenztechnik, kostet es 847 Euro. Beim BMW 3er (Baureihe F30) variieren die Kosten zwischen 714 und 750 Euro. "Der Preisunterschied ist beim Golf höher, da auch der Aufwand größer ist", erklärt Martin Klein, Vorstand im BVA. Carglass verlangt sogar rund 990 Euro für einen Scheibentausch beim Golf VII mit FAS. "In der Scheibe befindliche Sensoren oder andere Technik werden bei der Reparatur ebenfalls vom Versicherer erstattet, wenn sie sich nicht separat austauschen lassen, sondern untrennbar mit dem Glas verbunden sind", erläutert Suliak. Achtung! Das heißt nicht, dass die Versicherung zwangsläufig auch für die Kosten der Kalibrierung einer Kamera mit FAS aufkommt, wenn diese kein fester Bestandteil der Scheibe ist. "Die Kostenübernahme durch die Kfz-Versicherung hängt in diesem Fall individuell vom Versicherer und den jeweiligen vertraglichen Bedingungen ab", so Suliak. Daher kann die Rechnung zusätzlich zur Selbstbeteiligung noch um einige Hundert Euro höher ausfallen. Um böse Überraschungen zu vermeiden, sollten betroffene Autofahrer ihre Versicherung kontaktieren und das weitere Vorgehen besprechen. Zudem empfiehlt es sich, den Schaden per Foto zu dokumentieren.
Das geschieht beim Austausch der Windschutzscheibe
Da die Kamera direkt hinter der Scheibe sitzt, muss das Gerät nach dem Scheibentausch noch kalibriert werden. Um minimale Abweichungen des Kamerawinkels zu vermeiden, ist äußerste Genauigkeit erforderlich. Dafür kommt das Fahrzeug beim statischen Verfahren auf einen Prüfstand, ähnlich wie bei einer Achsvermessung. Dort wird die Kamera mittels Laser, Diagnosegerät und Messtafel justiert. Voraussetzung: Die Achsen müssen sich im Sollwert befinden. "Sollte sich die Achsgeometrie durch einen Bordsteinrempler verändert haben, übernimmt der Versicherer die Kosten hierfür nicht immer", warnt Martin Klein, Vorstand im BVA. Bei der sogenannten dynamischen Kalibrierung begibt sich der Monteur auf eine Einmessfahrt. Dabei liefert ihm das Diagnosegerät genaue Vorgaben über Geschwindigkeit und andere Parameter. Bei Autos ohne aktiven Lenkeingriff reicht oft die einfachere dynamische Kalibrierung aus.


Autor: Christian Bruns

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