40 Jahre AUTO BILD: Fiat Croma gegen Opel Rekord und VW Passat
Dieser Fiat fordert Opel und VW heraus

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Zum 40‑jährigen Jubiläum von AUTO BILD öffnen wir unser Archiv und zeigen diesen historischen Vergleichstest erneut: Fiat, Opel und VW treten darin in der Mittelklasse gegeneinander an.
Bild: AUTO BILD
Zum 40. Geburtstag von AUTO BILD öffnen wir unser Archiv.
Der folgende Artikel erscheint heute exakt so, wie er damals gedruckt wurde – unverändert, ohne Ergänzungen und ohne Einordnung aus heutiger Sicht. Ein Stück Zeitgeschichte, das wir zum Jubiläum noch einmal genauso zeigen, wie unsere Leserinnen und Leser es einst erlebt haben.
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Dieser Fiat fordert Opel und VW heraus
Es tut sich was in der gehobenen Mittelklasse. Die Italiener und Franzosen wollen wieder mitmischen. Renault stellt auf dem Genfer Autosalon seinen neuen Renault 21 vor. Fiat hat den Nachfolger des 132/Argenta in Italien schon gestartet, der neue Croma kommt im April nach Deutschland. AUTO-BILD-Tester Peter J. Glodschey vergleicht die Neuerscheinungen mit den deutschen Platzhaltern in der Zweiliter-Klasse, mit dem Opel Rekord und dem VW Passat, die beide schon in die Jahre gekommen sind.
Der Fiat Croma ist ein Auto mit vielen Vätern. Um Kosten in der Entwicklung und bei der Produktion zu sparen, hatten sich drei Firmengruppen zusammengetan: Fiat/Lancia, Saab und Alfa Romeo. Von einem Grundmuster werden vier verschiedene Autos gebaut: der Lancia Thema, der Saab 9000, der Fiat Croma und etwas später der Alfa 164. Jeder Typ hat Teile aus den anderen Modellen, jede Marke pflanzt ihren Motor in die immer aufs Neue veränderte Gemeinschaftskarosserie.

Ein in der Höhe verstellbares Lenkrad gehört beim Croma genauso zur Serienausstattung wie die Servolenkung. Gute, übersichtliche und blendfreie Rundinstrumente.
Bild: Original Fotos: J. Fricke / D. Hourticolon
Foto-Aufbesserung: AutoBild / Jennifer Ehlers
Der Mittelklasse-Fiat hat eine starke Ähnlichkeit mit dem schwedischen Saab. Sein Rückgrat, die Bodengruppe, ist drei Zentimeter kürzer als beim Schweden. Dennoch bietet der Croma einen mehr als ausreichenden Innenraum für Fahrer und Passagiere. Beim Zweiliter-Einspritzer haben die Turiner mit Ausstattung und technischer Feinheit nicht gespart.
Nun mit Frontantrieb
Mit dem Croma ist eine weitere Automarke auch in der oberen Klasse vom Heck- auf den Frontantrieb umgeschwenkt. Von den populären Automarken bleiben damit nur noch Ford, Opel, BMW und Mercedes beim konventionellen Antrieb. Die Turiner Techniker haben ihre Aufgabe gut gelöst: Auch beim Fahren im Grenzbereich verschreckt der Fiat seinen Fahrer nicht durch ungewohnte Reaktionen. In zu schnell angegangenen Kurven bremst sich der Italiener über die Vorderräder ab, und nimmt man in solch einer Situation den Fuß abrupt vom Gas, dann bleibt der Wagen sauber in der Spur und drängt nicht mit dem Heck in Richtung Leitplanke.
Wolfsburger Vorbild
Das Schieben über die Vorderräder (der Wagen drängt in Richtung auf den Kurvenaußenrand), das ältere Frontantriebswagen und ein paar Japaner noch kennen, gibt es beim Croma ebenfalls nicht. Das Croma-Fahrwerk bügelt Unebenheiten auf der Straße gut aus. Freilich: An die Ausgewogenheit des großen Wolfsburgers kommt der Italiener nicht heran. Der Passat, obwohl in seinen äußeren Formen nicht überall beliebt, setzt beim Fahrkomfort immer noch Maßstäbe. In der Abstimmung von Federung und Stoßdämpfern nähern sich die Wolfsburger dem Vorbild Mercedes. In der Ausstattung zeigt sich der Passat als ein nüchternes Gebrauchsauto.
Der Opel Rekord ist etwas bieder und lieblos gemacht. Der Fiat Croma hingegen will sich als Luxusauto profilieren. Da gibt es vorne und hinten serienmäßig umklappbare Mittelarmlehnen, elektrische Fensterheber, Zentralverriegelung für Türen und Heckklappe sowie einen kleinen Bildschirm am Armaturenbrett für eventuelle Fehlersuche. Die Rücksitzbank lässt sich geteilt umklappen, und der Gepäckraum kann sowohl von innen wie auch von außen beladen werden.
Der Rekord mit seinem Heckantrieb ist auch im Vergleich zu den frontangetriebenen Konkurrenten kein technisch zurückgebliebenes Auto. Unter den Vertretern dieser Bauart zählt er zweifellos zu den angenehmsten Exemplaren. Das Technikerteam von Rüsselsheim hat der Mittelklasse-Opel ein sehr ausgeglichenes Fahrwerk mitgegeben. Die Motoren der drei Testkandidaten haben ganz unterschiedliche Charaktere. Für den Croma verwendet Fiat den inzwischen berühmten Zweiliter-Einspritzmotor mit zwei obenliegenden Nockenwellen, der seinen Lebenslauf vor fast 20 Jahren im Fiat 125 begann. Sein Geräuschpegel ist gesenkt – Modellpflege zahlt sich aus, auch im Motorenbau.
Rekord hält mit
Ähnliches gilt auch für Opel: Denn der Rekord-Motor, der einmal mit 1900 cm³ Hubraum begann, ist inzwischen auf stattliche 2200 cm³ angewachsen. Kombiniert mit der Bosch-Benzineinspritzung und aerodynamischen Verbesserungen am Vorderwagen kann der Mittelklasse-Klassiker aus Rüsselsheim noch gut mithalten. Ende dieses Jahres wird er runderneuert.
VW greift auch beim Passat in das große Regal der Konzernbauteile. Mit dem Fünfzylindermotor, der bei Audi entwickelt wurde, steigt der große Wolfsburger in eine Leistungsklasse auf, die vor allem auf der Autobahn manche Fahrer überrascht. Sie vergessen, dass die Modellpalette beim Passat inzwischen vom sparsamen, knapp motorisierten Gebrauchswagen bis zum kraftvollen, luxuriösen Autobahnrenner reicht.
Der Dreier-Test von AUTO BILD beweist: Frischer Wind kommt in die ausgewachsene Mittelklasse. Die Platzhalter auf dem deutschen Markt brauchen sich nicht zu verstecken. Ihre Zuverlässigkeit haben sie längst bewiesen. Die Südländer hatten es in dieser Klasse nie leicht, jetzt haben sie sich die Voraussetzungen geschaffen für mehr Qualität und mehr Erfolg. Bei den kleinen Modellen haben sie ja längst bewiesen, was sie tatsächlich können.
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Der 40. Geburtstag ist all denen gewidmet, die AUTO BILD über all die Jahre begleitet haben. Ihnen, unseren Leserinnen und Lesern. Für Ihre Treue bedanken wir uns. Dazu schlagen wir die Brücke zwischen gestern und heute und schenken Ihnen die erste Ausgabe als Download.
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