50 Jahre Retromobile: Diese Klassiker sorgten in Paris für Aufsehen
Seltene Ikonen und schräge Studien auf Pariser Oldtimershow

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Zum 50. Jubiläum zeigt die Retromobile Paris, wie lebendig die Oldtimer-Szene ist – mit seltenen Klassikern, kuriosen Einzelstücken und Preisen zwischen 2500 Euro und mehreren Millionen.
Bild: Bernd Schweikard
Klirrende Champagnergläser, extravagante Outfits, ebenso extravagante Autos – während der Fashion Week in Paris völlig normal. Am Wochenende vom 29. Januar bis 1. Februar 2026 passte dieses Bild auch für Oldtimerfans perfekt. Denn die Grande Dame der Oldtimermessen, die Retromobile Paris, feierte ihr 50. Jubiläum.
Und zur großen Party, die diesmal in anderen Messehallen stattfand als gewohnt, kamen sie alle: Autonerds, Fans, Sammler – und sogar die Industrie feierte ein Comeback. VW, Mercedes, BMW, Mazda, Renault und Stellantis reisten an, letztere gleich mit vier Marken an die Seine. Oldtimermessen wieder im Aufwind? In Frankreich lautet die Antwort klar: Oui.
Französische Ikonen und schräge Studien
Zwischen bunten Youngtimern und ehrwürdigen Oldtimer-Karosserien machte sich AUTO BILD in vier Hallen auf die Suche nach echter Extravaganz. Heimrecht hatte dabei natürlich eine DS. Genauer: die DS 21 Présidentielle von 1968. De Gaulles neue Staatslimousine hatte eine wichtige Aufgabe zu erfüllen: Sie musste größer sein als das Dienstfahrzeug des damaligen US-Präsidenten Lyndon B. Johnson. Karossier Henri Chapron streckte die DS auf 6,53 Meter Länge und 2,13 Meter Breite. Elegant? Eher nicht. Extravagant? Absolut.
Gleich nebenan sorgte die Styling-Studie Citroën Karin für offene Münder. Ein echtes Homecoming, denn 1980 stand sie erstmals auf dem Pariser Autosalon.

Über eine halbe Million Kilometer stehen auf dem digitalen Tacho des Opel Monza GSE.
Bild: Bernd Schweikard
Opel zeigte neben dem neuen Mokka GSE ein Kultmobil der 80er: den Monza GSE. Über eine halbe Million Kilometer stehen auf seinem digitalen Tacho. Damit dürfte er das Standfahrzeug der Retromobile 2026 mit der höchsten Laufleistung sein. Kein Wunder – der Besitzer fährt ihn bis heute im Alltag.
Kuriose Preise und seltene Sondermodelle
Halle 4: die spannende Gebrauchtwagenhalle mit Autos bis 30.000 Euro. Französischer Luxus der 80er – etwa ein Renault 25 V6 Turbo Baccara für 25.000 Euro. Einen Gang weiter rieben wir uns die Augen. Was bitte? Ein Peugeot 106 mit 175.000 Kilometern für 12.000 Euro? Und ein Renault Twingo von 1995 mit 46.000 Kilometern für 28.500 Euro? Klingt verrückt, hat aber Gründe.
Der 106 ist das seltene Sondermodell "Le Mans", aufgelegt 1994 zum Dreifach-Sieg des Peugeot 905 im Jahr 1993. Nur 1000 Stück, davon sollen gerade einmal rund 50 nach Deutschland gekommen sein. Der Twingo ist noch exklusiver. In Paris steht Nummer 8 von nur 50 gebauten Lecoq-Modellen. Premiere feierte die Twingo-Luxus-Version 1995 ausgerechnet hier auf der Retromobile. Damals ausgestellt neben einem Bugatti. Daher die Zweifarbenlackierung und die Bugatti-BBS-Felgen, die an den EB110 erinnern.
Ultimate-Supercar-Garage-Areal
Retro trifft auch im erstmals eingerichteten Ultimate-Supercar-Garage-Areal auf die Zukunft. Mit dem Bertone Runabout gab es gleich eine Weltpremiere zu sehen. Der ursprünglich von Marcello Gandini gezeichnete Sportwagen aus dem Jahr 1969 wurde neu interpretiert. AUTO BILD berichtete bereits.

Prototyp Nummer 4 des Evo, optisch eine Hommage an den Mercedes-Benz 190 Evo II.
Bild: Bernd Schweikard
Der coolste Youngtimer als Neuwagen stand bei HWA. Prototyp Nummer 4 des Evo, optisch eine Hommage an den Mercedes-Benz 190 Evo II. 515 PS stark, Auslieferung ab April. Wie AUTO BILD erfuhr, können Ungeduldige oder Sammler mit Sinn für Exklusivität sogar einen der acht gebauten Prototypen kaufen. Günstig wird das nicht: Der reguläre HWA Evo startet bei 814.000 Euro plus Mehrwertsteuer. Der Prototyp liegt darüber.
Von Millionenklassikern bis zum 2500-Euro-Fund
Im großen Club-Areal ging es ums Herz. Etwa beim Citroën 2CV "Spot" in frischem Orange. Der Legende nach war der Spot von 1976 das erste offizielle Sondermodell der Ente. Italienischer Charme mit deutlich weniger Lackglanz kam vom seltenen Fiat 125 Samantha von 1967. Von Vignale karossiert, für 14.000 Euro zu haben. Gratis dazu: eine Menge Arbeit.

Das Sommerauto schlechthin: das Ferrari 365 GTC/4 Felber Beach Car.
Bild: Bernd Schweikard
Das Sommerauto schlechthin: das Ferrari 365 GTC/4 Felber Beach Car. Ein Einzelstück. Von Michelotti für einen Scheich gebaut und 1976 als Showcar auf dem Genfer Autosalon gezeigt.
Wer einen Klassiker fahren will, aber mit alter Technik fremdelt und auf Nummer sicher gehen möchte, kann sich einen Citroën SM mit modernem Maserati-Gran-Turismo-Motor bestellen, statt des originalen Merak-Aggregats. Ob erlaubt oder Sakrileg, muss jeder selbst entscheiden.
Für ganz andere Sicherheit sorgt ein Autobianchi A112 Abarth von 1981 für stolze 30.000 Euro. Nur 11.000 Kilometer, dazu gepanzert. Hinter zentimeterdickem Glas sollen einst angeblich Mafia-Mitglieder sicher durch Palermo gerast sein.

Ein echter Klassiker: der Citroën SM.
Bild: Bernd Schweikard
Bleibt die Frage: Was war das teuerste Auto der Messe? Schwer zu sagen. Zu viele Preisschilder jenseits der Millionengrenze. Ob fünf, zehn oder zwanzig Millionen – fast egal. Das günstigste Auto entdeckte AUTO BILD am Hallenrand. Für schmale 2500 Euro stand dort ein ziemlich abgeliebter Austin Metro Piccadilly. Auch das ist Extravaganz. Auf vier Rädern.
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