Cupra Tavascan VZ 4Drive: Test
Cupra lässt es krachen: Der Tavascan gefällt mit Optik und Leistung
Cupra Tavascan VZ im ersten Test
Bild: Cupra
Mit Spannung erwartet – und auf Anhieb Anlass für Diskussionen: der neue Cupra Tavascan. Das zweite Elektromodell des Sportablegers von Seat macht ganz schön die Welle, allein schon optisch.
Ein bisschen sieht das schicke Elektro-SUV nämlich aus wie ein Showcar, das sich in den Verkaufsraum verirrt hat. Ist ja auch nicht schlimm, wir meinen das durchaus positiv. Fragen uns aber, was die liebe Verwandtschaft dazu sagt.
Technisch ein Bruder des VW ID.5
Denn technisch handelt es sich beim Tavascan um einen braven MEB-Zögling, vergleichbar etwa mit VW ID.5 oder Skoda Enyaq Coupé – nur eben attraktiver als der Wolfsburger und als Topmodell VZ wie im Test dann doch 2520 Euro günstiger als sein tschechischer RS-Bruder. Da knistert's nicht nur im Konzern, sondern auch auf der Straße. Unser Test klärt, ob alle Sicherungen halten.

Form und Format: Der Cupra Tavascan steht auf der MEB-Plattform, gibt sich betont sportlich, punktet aber auch beim Platzangebot.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Wie schön, dass der äußere Eindruck manchmal auch täuscht. So studienhaft designt und coupéhaft geschwungen wie der Tavascan dasteht, möchte man automatisch ausrufen: Schön, aber was ist mit dem Platzangebot? Können wir Ihnen sagen: alles bestens. Vorn kommen auch Zwei-Meter-Menschen gut zurecht, dahinter sitzen die meisten Gäste ebenfalls ordentlich – nur das optionale Glasdach (im Paket ab 1925 Euro) raubt ein wenig Luft überm Scheitel.
Fahrzeugdaten
Modell | Cupra Tavascan VZ 4Drive |
|---|---|
Motor Bauart vorn | Asynchronelektromotor |
Motor Bauart hinten | Synchronelektromotor |
Spitzenleistung gesamt | 250 kW (340 PS) |
Dauerleistung | 77 kW (105 PS) |
Systemdrehmoment | 545 Nm |
Vmax | 180 km/h |
Getriebe | Einganggetriebe |
Antrieb | Allradantrieb |
Bremsen vorn/hinten | Scheiben/Trommel |
Testwagenbereifung | 255/40 R21 XL T |
Reifentyp | Continental SportContact 7 |
Radgröße | 9 x 21'' |
Reichweite* | 512 km |
Verbrauch* | 16,6 kWh/100 km |
Batteriekapazität (netto) | 77 kWh |
Ladeleistung (AC/DC) | 11/135 kW |
Ladeanschluss | hinten rechts |
Ladezeit (10–80 %, DC-Laden) | 28 Minuten |
Vorbeifahrgeräusch | k. A. |
Anhängelast gebr./ungebr. | 1200/750 kg |
Stützlast | 75 kg |
Kofferraumvolumen | 540 l–k.A. |
Länge/Breite/Höhe | 4644/1861–2108**/1597 mm |
Radstand | 2766 mm |
Grundpreis | 60.780 Euro |
Testwagenpreis (wird gewertet) | 64.205 Euro |
Die vorderen Schalensitze bieten guten Komfort, ärgern große Piloten aber mit der nicht höhenverstellbaren Kopfstütze. Auch hinten lässt sich durchaus entspannt reisen, die Beinhöhe von 345 Millimetern (Abstand Sitzfläche zu Fahrzeugboden) sollte Durchschnitts-Europäern eine gemütliche Sitzposition bieten.
Slider-Bedienung immer noch nicht gut
Wenig zu meckern gibt es auch
bei der Verarbeitung. Das Interieur
wirkt solide montiert, die Materialien sorgfältig ausgewählt. Bei
der Bedienung gibt es den typischen Konzern-Cocktail: wenig
echte Knöpfe, viel touchen auf
dem großen und detailreichen 15-Zoll-Monitor. Die Slider am unteren Bildschirmrand, mit denen Temperatur und Lautstärke regelbar sind, mögen wir dabei immer noch so wenig wie die sensiblen Touchfelder im Lenkrad – es gibt einfach funktionalere Lösungen mit besserer Rückmeldung.

Licht und Schatten: Das Interieur ist solide montiert, die Materialien gefallen – im Gegensatz zur Bedienung über die Slider.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Für eine gewisse Versöhnung sorgt dann die aufmerksame Sprachassistenz. Über "Hallo, Cupra" lassen sich alle wichtigen Dinge regeln, Klima, Navi, Radio hören problemlos aufs Wort. "Mir ist kalt" geäußert, und schon wird die Klimaautomatik ein Grad höher gestellt, "Ich habe Hunger" zeigt eine Liste der Restaurants in der Nähe, "Spiele Deutschlandfunk Nova" lässt den Lieblingssender erklingen. Klar, heutzutage fast schon selbstverständlich, aber immer wieder schön. Und wem das nicht reicht, der kann zudem auf ChatGPT zurückgreifen.
Messwerte
Modell | Cupra Tavascan VZ 4Drive |
|---|---|
Beschleunigung | |
0–50 km/h | 2,2 s |
0–100 km/h | 5,4 s |
0–130 km/h | 8,4 s |
0–160 km/h | 12,7 s |
Zwischenspurt | |
60–100 km/h | 2,7 s |
80–120 km/h | 3,4 s |
Leergewicht/Zuladung | 2330/450 kg |
Gewichtsverteilung v./h. | 50/50 % |
Wendekreis links/rechts | 11,5/11,5 m |
Sitzhöhe | 635 mm |
Bremsweg | |
aus 100 km/h kalt | 33,7 m |
aus 100 km/h warm | 32,7 m |
Innengeräusch | |
bei 50 km/h | 54 dB(A) |
bei 100 km/h | 62 dB(A) |
bei 130 km/h | 67 dB(A) |
Verbrauch | |
Sparverbrauch | 17,8 kWh/100 km |
Testverbrauch Durchschnitt der 155-km-Testrunde (Abweichung zur WLT-Angabe) | 22,2 kWh/100 km (+ 34 %) |
Sportverbrauch | 27,6 kWh/100 km |
CO2 lokal | 0 g/km |
Reichweite (Testverbrauch) | 346 km |
Beim Thema Rücksicht ist aber auch die KI am Ende. Spitz zulaufende Fenster, flache Heckscheibe und monumentale C-Säulen machen den Schulterblick quasi wirkungslos. Nur gut, dass der Tavascan so viele Assistenten hat.
In Sachen Vmax ist der VZ etwas mau
Wenig überraschend hinterlässt das Topmodell VZ einen ziemlich dynamischen Eindruck. Je ein Elektromotor vorn und hinten reißen mit insgesamt 340 PS so energisch an den vier Rädern, dass schon nach 5,4 Sekunden die 100 im digitalen Tacho auftaucht, bis 160 km/h dauert es 12,7 Sekunden, und wenig später ist leider Schluss – mehr als Tempo 180 darf der Tavascan auch als VZ nicht.

Geht an sich sehr ordentlich: Das Tavascan-Topmodell ist in 5,4 Sekunden auf Tempo 100, schafft aber leider nur 180 km/h Spitze.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Dann also statt Tempo bolzen auf der Autobahn lieber schwungvoll die Kurve kratzen? Die ausgewogene Lenkung spielt da gut mit, in schnellen Wechselkurven merkt man dem Tavascan das hohe Gewicht (2330 kg) aber doch ein wenig an. Das adaptive Verstellfahrwerk bietet beim Federungskomfort dann eine ordentliche Spreizung zwischen straff und familientauglich kommod. Das sportlichere DCC steckt allerdings im "Adrenaline Pack" ab 1925 Euro. Zu dem gehören auch die 21-Zoll-Räder, die zwar toll aussehen, vor allem die Vorderachse auf miesen Streckenabschnitten aber ungebührlich poltern lassen.
Wertung
Modell | Cupra Tavascan VZ 4Drive |
|---|---|
Karosserie | Raumangebot insgesamt okay, Zuladung (450 kg) und Anhängelast (1200 kg) eher mäßig. |
3,5/5 Punkten | |
Antrieb | Sehr ordentliche Fahrleistungen (außer Vmax), Verbrauch im Rahmen, Ladeleistung mit 135 kW mau. |
4/5 Punkten | |
Fahrdynamik | Traktion und Bremsen tadellos, ausreichend direkte Lenkung, Wendekreis etwas groß (11,5 m). |
3/5 Punkten | |
Connected Car | Apple CarPlay/Android Auto kabellos, gute Sprachbedienung, Head-up-Display mit Augmented Reality. |
4,5/5 Punkten | |
Umwelt | Als E-Auto natürlich lokal emissionsfrei, Verbrauch angesichts der Leistung gut, hohes Gewicht. |
3,5/5 Punkten | |
Komfort | Einstieg und Sitze angenehm, Ausstattung umfangreich, Federung mit 21 Zoll teils ungeschmeidig. |
4,5/5 Punkten | |
Kosten | Hoher Grundpreis, Wiederverkaufsprognose nicht top, Kaskoklassen hoch, 5 Jahre Garantie. |
2,5/5 Punkten | |
AUTO BILD-Testnote | 2 |
Dass der technisch eng verwandte Skoda Enyaq RS Coupé (ab 63.300 Euro) noch teurer ist, kann bei einem Grundpreis von 60.780 Euro für den Tavascan VZ kaum trösten. Zumal eine sinnvolle Wärmepumpe bei den Tschechen Serie ist, bei Cupra aber extra kostet (1500 Euro im Paket, mit CO2-Klimaanlage).
Ladezeiten erfordern etwas Geduld
Der Lithium-Ionen-Akku fällt mit 77 kWh (nutzbar, brutto 82 kWh) dann auch nicht riesig aus, reicht bei moderaten 22,2 kWh/100 km im Testverbrauch für knapp 350 Kilometer nonstop. Wer dann zum Laden rausfährt, muss allerdings stark sein: Maximal 135 kW sind am Schnelllader drin, nur im Idealfall reicht eine knappe halbe Stunde für 10 bis 80 Prozent Akkufüllung. Dafür bieten die Spanier fünf Jahre Garantie (bis 150.000 km) – VW und Skoda nur je zwei!
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