Es gibt seltene Autos – und dann gibt es Autos, von denen selbst absolute Kenner noch nie etwas gehört haben. Zu diesen Exoten gehört der "A:Level The Big". Auf Basis eines Mercedes CL 600 der Baureihe C 140 sollte Anfang der 2000er-Jahre der schnellste Mercedes aller Zeiten entstehen. Am Ende scheiterte das Projekt, obwohl das Auto schon ausführlichen Tests unterzogen wurde. Das ist die Geschichte hinter dem A-Level The Big!
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Zu diesem ganz besonderen Projekt gibt es nur sehr wenig Informationen. In diesem Text beziehe ich mich in erster Linie auf Fakten und Infos aus einem Artikel des Magazins "drive2.ru" aus dem Jahr 2015, in dem der Autor Aleksandr Moskvin (angeblich an der Umsetzung des The Big beteiligt) von der Entstehungsgeschichte des einzigartigen Projekts berichtet.

Spezialauftrag eines russischen Stuntmans

Ende der 90er-/Anfang der 2000er-Jahre erhielt die Moskauer Firma A:Level (vormals Autolak) einen Spezialauftrag vom russischen Schauspieler und Stuntman Alexander Inshakov – selbst ein großer Autofan und Besitzer eines Lamborghini LM002. Inshakov trat mit dem Wunsch an A:Level heran, den schnellsten Mercedes aller Zeiten zu bauen. Ganz nebenbei sollte das Einzelstück auch alle anderen zu der Zeit erhältlichen Supersportwagen in puncto Performance in den Schatten stellen.

A:Level baute auch das Wolga V12 Coupé

A:Level war ein russisches Design-Atelier, das zu dieser Zeit Aufsehen mit dem Wolga V12 Coupé erregte: ein Wolga auf Basis des BMW E31 mit dem Antrieb aus dem 850 CSi. Auch der The Big sollte ein Komplettumbau werden. Als Ausgangspunkt wurde das Mercedes S-Klasse Coupé (später CL genannt) der Baureihe C 140 gewählt.
THE BIG by A: Level
Die Karosserie des C 140 wurde komplett zerlegt. Großteile bestanden aus Carbon.
Begonnen wurde mit einem Design-Mock-up auf Basis einer gebrauchten C 140-Karosserie. Der Clou: Fahrer- und Beifahrerseite zeigten unterschiedliche Designs, um dem Auftraggeber größtmögliche Entscheidungsfreiheit zu bieten. Inshakov entschied sich für die kompromisslosere Variante des Designers Vladimir Pirozhkov, der unter anderem auch für Citroën und Toyota arbeitete.

Design ist ein Mix aus Evo II und Koenig Specials

Mit dem großen feststehenden Heckflügel und den deutlich verbreiterten Seitenteilen erinnert der The Big vermutlich nicht zufällig an den heute legendären Mercedes 190 E 2.5-16 Evolution II, wobei der Breitbau-Look auch leichte Koenig-Specials-Vibes versprüht. An der Front sind vor allem die runden Aussparungen im unteren Teil der Schürze sowie die Scheinwerfer-Aufsätze markant. Der große Schlitz in der Motorhaube wird zur Kühlung benötigt, die Endrohre sind in die Heckschürze mit XXL-Diffusor eingelassen.
Als das Design so weit feststand, wurde der The Big getaufte CL in einem Windtunnel erprobt. Der Geschichte zufolge waren die Verantwortlichen von A:Level mit den Ergebnissen zufrieden, dass die Karosserie- und Anbauteile finalisiert werden konnten. Das geschah bei der deutschen Firma Light Weight, die sich schon früh auf die Verarbeitung von Carbon spezialisiert hatte. Anschließend wurde das Projektfahrzeug zurück nach Moskau transportiert, um sich um den Innenraum und den Motor zu kümmern.

6,7-Liter-V12 mit 850 PS?

Um das Ziel "schnellster Mercedes aller Zeiten" zu erreichen, waren die 394 PS des serienmäßigen V12 (M 120) des CL 600 natürlich bei Weitem nicht genug. Daher wurden Vladimir Raikhlin und seine Firma "RED" (Raikhlin Engine Development) damit beauftragt, dem Motor nicht nur deutlich mehr Leistung zu verpassen, sondern ihn auch von Grund auf neu aufzubauen. Und Raikhlin machte keine halben Sachen: Er bohrte den 6,0 Liter großen V12 auf 6,7 Liter Hubraum auf und verpasste ihm zwei Turbolader.
THE BIG by A: Level
6,7 Liter Hubraum und zwei Turbolader: Der V12-Biturbo soll 850 PS geleistet haben. Einige Quellen sprechen sogar von bis zu 900 PS.
Zusammen mit weiteren umfassenden Maßnahmen soll der V12 am Ende 850 PS geleistet haben. Andere Quellen sprechen sogar von bis zu 900 PS, doch offiziell belegt wurde die Leistung nie. Gleichzeitig flog das Automatikgetriebe raus und wurde durch ein komplett überarbeitetes Schaltgetriebe aus dem Porsche 928 ersetzt. Auch Fahrwerk und Bremsen wurden an die Monsterleistung angepasst.
THE BIG by A: Level
The Big wurde ausführlich im Windkanal und auf verschiedenen Rennstrecken getestet. Hier am Steuer: Roland Asch.
Vom luxuriösen Interieur des C 140 blieb schlussendlich nicht mehr viel übrig. Aus Gründen der Gewichtsersparnis flog die Rücksitzbank ebenso raus wie die elektrisch einstellbaren Ledersitze. Stattdessen nahmen Fahrer und Beifahrer auf Recaro-Vollschalensitzen aus dem Porsche 911 (996) GT3 Platz. Das klobige Originallenkrad wurde gegen ein Raid-Silberpfeil-Sportlenkrad getauscht, anstelle der serienmäßigen Armaturen im Taxi-Look kam ein digitales Rennsport-Display zum Einsatz. Angeblich war das Interieur aber noch nicht final.

Am Ende reichte das Budget nicht aus

Wichtiger war zu diesem Zeitpunkt, dass die Performance des The Big stimmt. Dazu wurde das Auto aufwendig getestet. Am Steuer: Der ehemalige DTM-Pilot Roland Asch, der das Auto unter anderem auch auf der Nordschleife des Nürburgrings testete. Da es sich hierbei um ein Einzelstück handelte, wurde das Coupé immer wieder überarbeitet, erneut im Windkanal optimiert und auf verschiedenen Rennstrecken getestet. Leider erwies sich der hochgezüchtete 6,7-Liter-V12 als wenig standfest und bereitete immer wieder Probleme.
THE BIG by A: Level
Der Innenraum wurde leergeräumt und aufs Wesentliche reduziert. Statt komfortabler Ledersessel gab es Vollschalensitze aus dem Porsche 996 GT3.
Gerüchten zufolge wurde das Auto letztendlich aufgrund von Kompressionsverlust und Abrieb an den Zylinderwänden zur Überarbeitung nach Deutschland geschickt. Zu diesem Zeitpunkt war das von Auftraggeber Inshakov bereitgestellte Budget von angeblichen 500.000 US-Dollar allerdings längst aufgebraucht, sodass der Schauspieler kein weiteres Geld mehr in das Projekt investieren wollte und The Big unvollendet blieb.

Wird das Einzelstück neu aufgebaut?

Lange Zeit hieß es, der CL modere in einem Hinterhof irgendwo in Deutschland vor sich hin. Doch erst vor wenigen Wochen ist ein offenbar aktuelles Bild bei Instagram aufgetaucht, das den A:Level The Big – teilweise zerlegt – in einem Container zeigt. Laut Aleksandr Moskvin, der das Foto gepostet hat, handelt es sich hierbei um das erste Bild vom The Big seit ungefähr 15 Jahren; und die Frage, ob das Auto neu aufgebaut werde, hat Moskvin bejaht.
Wer weiß, vielleicht sehen wir diesen einzigartigen Mercedes CL eines Tages doch noch in finaler Form. Auch wenn der A:Level The Big dann vermutlich doch nicht der schnellste Mercedes aller Zeiten sein wird, so gehört er definitiv zu den seltensten Mercedes aller Zeiten!