Aion UT: Konkurrenz für den VW ID.2
Ist dieser Chinese ein Vorbild für Volkswagen?
Bild: GAC Motors
Kommt hier der nächste China-Kracher, und vielleicht sogar einer, der wirklich mal zündet? Während VW uns mit dem ID.2 erst noch beweisen muss, dass sie in Wolfsburg auch elektrische Volkswagen bauen können, hat der bei uns bislang noch weitgehend unbekannte China-Gigant GAC so ein Auto mit dem Aion UT schon im Programm – und will dem nun bald den Weg nach Westen weisen.
Für seine Rolle als unerschrockener Eroberer mit Glupschaugen, Pausbacken und Pummel-Po fast schon zu freundlich gezeichnet, muss man den Aion UT bei einer Länge von 4,27 Metern streng genommen eher mit dem VW ID.3 vergleichen, schließlich ist er nur ein paar Zentimeter kürzer.
Und innen ist er sogar das spürbar geräumigere Fahrzeug, weil er mit 2,75 Metern zwei Zentimeter mehr Radstand bietet und die chinesischen Innenarchitekten offenbar den besseren Job gemacht haben. Doch mit einem Zielpreis von "deutlich unter 30.000 Euro" für einen voll ausgestatteten Kompakten mit alltagstauglicher Reichweite fährt er – wie etwa der BYD Dolphin – in genau das Segment, das VW mit dem ID.2 erst noch erobern will.
Der Aion UT soll 430 Kilometer Reichweite schaffen
Und wie so viele Chinesen bietet er dabei reichlich Auto fürs Geld: Nicht nur, weil es viel Bewegungsfreiheit auf allen Plätzen gibt und obendrein mit 440 Litern auch noch den größeren Kofferraum (ID.3: 385 Liter). Sondern auch, weil in dem Skateboard-Boden ein 60-kWh-Akku steckt, der – zumindest im China-Zyklus – solide 430 Kilometer Reichweite ermöglicht und obendrein mit bis zu 180 kW laden kann. Okay, an der Wallbox ist schon bei 11 kW Schluss, aber an der DC-Säule stiehlt der UT damit den ID-Modellen die Schau.

"Deutlich unter 30.000 Euro" soll der Aion UT voll ausgestattet kosten.
Bild: GAC Motors
Und auch beim Fahren macht der Fernost-Import seine Sache ganz ordentlich. Er ist mit 180 km/h sogar gleichauf mit vielen Verbrennern in dieser Klasse. Und selbst wenn die China-Versionen noch arg weich und wolkig über die aalglatt asphaltierten Highways rund um die Heimatstadt Guangzhou rollen, hat der eine solide Basis und ein hinreichend aufwendiges Fahrwerk, als dass man ihn nicht auch für Europa ertüchtigen könnte.
Mit dem schartigen Asphalt und den tiefen Schlaglöchern auf der Teststrecke jedenfalls kommt er so gut zurecht, dass ihm auch vor Paderborn oder Bitterfeld nicht bange sein muss. Wenn bis dahin nur bitte auch gleich noch jemand die pingeligen Assistenten etwas großzügiger programmieren könnte, damit das leidige Fiepen, Piepsen und Bummeln nicht ganz so wild auf den Fahrer einprasselt.
GAC kopiert bei Tesla und VW
Dabei ist ansonsten auch das Anzeige- und Bedienkonzept ganz gut gelungen, weil sich GAC das beste von Tesla und von VW abgeschaut hat. Wie bei den Amerikanern gibt es am Lenkrad statt leidiger Sensortasten griffige Kugelwalzen für die Eingabe der Kommandos, wie bei VW gibt es dahinter noch ein knapp neun Zoll großes Display, und wie bei beiden prangt vor der Mittelkonsole der unvermeidbare Touchscreen, der hier stolze 14,7 Zoll misst.

Auch das Anzeige- und Bedienkonzept im Aion UT ist gut gelungen.
Bild: GAC Motors
Klar haben wir in den letzten Jahren viele vermeintliche China-Kracher gesehen, die das Zeug hatten, die etablierte Marktordnung kräftig durcheinanderzuwirbeln, und die sich am Ende dann doch als Blindgänger erwiesen haben. Und natürlich ist ein Erfolg des Aion AU auch nicht ausgemacht – zumal die Chinesen noch nicht verraten wollen, wie und über wen denn ihre Autos bei uns verkauft werden sollen.
Doch je länger sie sich Zeit lassen und je gründlicher sie den Start vorbereiten, desto größer sind ihre Chancen. Vielleicht ist es deshalb gar nicht schlecht, dass sich der Aion UT erst in gut einem Jahr auf den Weg nach Westen machen soll. Dann ist die Lunte zwar ein bisschen länger, aber dafür könnte der China-Kracher deshalb am Ende vielleicht tatsächlich zünden.
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