Apple CarPlay Ultra nach einem Jahr gefloppt?
CarPlay Ultra ist längst da – aber (fast) niemand baut es ein

Nach einem Jahr droht Apple CarPlay Ultra zum Rohrkrepierer zu werden. Warum BMW, Mercedes und Co. die Software nicht übernehmen wollen.
Bild: Aston Martin
Als Apple im Mai 2025 CarPlay Ultra präsentierte, hatte man sich mit Aston Martin einen ersten, Prestige-trächtigen Partner gesichert. Die neue Software sollte vielseitig sein wie 007 – und eine Schwäche des herkömmlichen CarPlays ausmerzen.
Bis dahin mussten Nutzer stets zwischen CarPlay für Smartphone-Inhalte und der fahrzeugeigenen Bedienoberfläche wechseln. CarPlay Ultra sollte künftig auch Klimaanlage, Fahrmodi und weitere Fahrzeugfunktionen direkt steuern sowie sämtliche Displays kontrollieren können. Doch zum Selbstläufer wurde das System für Apple bislang nicht.

Apple Carplay Ultra kann auch das Kombiinstrument sowie – falls vorhanden – das Beifahrerdisplay bespielen.
Bild: Aston Martin
Welche Fahrzeuge die Software einmal unterstützen sollen, wollten die Koreaner AUTO BILD auf Nachfrage nicht verraten. Der Ioniq 3 galt unter Fans als möglicher Kandidat, wurde im April jedoch ohne Hinweis auf CarPlay Ultra vorgestellt.
Was sagen Autohersteller zu Apple CarPlay Ultra?
AUTO BILD hat bei einigen Fahrzeugherstellern nachgefragt, die als potenzielle Apple-Partner von Apple gehandelt wurden. Die fällt eindeutig aus: Die Kontrolle über die eigene Software wollen sie nicht an Apple abgeben.
Mercedes etwa erklärt, man wolle "Architekt seiner eigenen Software" bleiben, um Kunden ein nahtloses Markenerlebnis bieten zu können.
BMW argumentiert ähnlich. Gegenüber AUTO BILD teilte der Hersteller mit, man sehe derzeit keine Notwendigkeit für CarPlay Ultra. Die Zufriedenheit mit der bisherigen Integration von Apple CarPlay sei sehr hoch.
Porsche erklärt lediglich, dass CarPlay Ultra aktuell nicht Teil des Angebots sei – man setze weiterhin auf das klassische CarPlay.
Zukunft von CarPlay Ultra ist unklar
Dass CarPlay Ultra den Durchbruch noch schaffen wird, hält auch Stefan Bratzel, Direktor des Center of Automotive Management, eher für unwahrscheinlich. Bei Herstellern, deren eigene Software-Kompetenz begrenzt sei, könne die Software aus seiner Sicht zwar eine Nische finden. Für viele große Hersteller komme Apples Ansatz aber wohl zu spät, sagt der Branchenexperte zu AUTO BILD.
Interessant dabei: Apple scheint auch das klassische CarPlay inzwischen weiterzuentwickeln und einzelne Funktionen von CarPlay Ultra zu integrieren – allerdings abhängig vom jeweiligen Hersteller. Im Porsche 911 (992.2) lässt sich beispielsweise bereits Apples Navigations-App "Karten" im Kombiinstrument anzeigen. Eine Anfrage von AUTO BILD dazu ließ Apple unbeantwortet.
Hersteller fürchten Kontrollverlust
Bratzel sieht Apples Bedienarchitektur zugleich als Stärke und Schwäche. CarPlay Ultra biete zwar eine einfache und vertraute Bedienlogik, greife aber tief ins Cockpit ein – also genau in den Bereich, über den sich Hersteller heute zunehmend differenzieren.
Zudem würden Autobauer ein Stück Kontrolle über Fahrzeugdaten und strategische Unabhängigkeit abgeben. Auch mögliche Einnahmen aus eigenen Abo-Modellen könnten verloren gehen. Für viele Hersteller wiege das schwerer als der Komfortgewinn.

Prof. Dr. Stefan Bratzel ist Gründer und Leiter des Center of Automotive Management in Bergisch Gladbach.
Bild: auto-institut.de
Nicht zuletzt verweist Bratzel auf die lange Entwicklungszeit. Bereits im Juni 2022 hatte Apple erstmals angekündigt, das System auf den Markt bringen zu wollen. Seitdem hätten viele Hersteller ihre eigenen Software-Kompetenzen massiv ausgebaut und ihre Digitalstrategien weiterentwickelt.
Das anfängliche Interesse vieler Hersteller sei daher unter anderen Voraussetzungen entstanden und keine generelle Absage an Apple allein, so Bratzel weiter. Der Kampf um das digitale Cockpit läuft längst.
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