Hätte vor ein paar Monaten jemand behauptet, Baden-Württemberg würde bald von einem Grünen regiert – jeder hätte nur müde gelächelt. Hätte vor 30 Jahren jemand orakelt, die Oberklasse würde mal von einem Audi angeführt – alle hätten sich gebogen vor Lachen. Besonders laut hätten die Stuttgarter und die Münchener gewiehert. Tja, alles Geschichte. Audi ist längst auf Augenhöhe mit Mercedes und BMW. Das gilt besonders für den neuen A6. Im ersten Fahr-Vergleich ohne Messdatenermittlung (A6 3.0 TDI gegen BMW 530d) konnte der Ingolstädter den Klassen-Maßstab aus München sogar überflügeln. Das Fazit lautete: Der Audi geht mit Luxus, Leistung und Sportlichkeit in Führung.

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Video: Audi A6

Audi A6 im Vergleich

Aber jetzt werden alle Werte gemessen. Wir testen die drei Kandidaten aus gutem Hause – diesmal als Sechszylinder-Benziner. Zumindest bei den starken Motorisierungen gilt: Audi ist immer auch quattro. Entsprechend treffen die 300 PS des 3.0 TFSI grundsätzlich auf den Allradantrieb mit variabler Kraftverteilung. Gleichzeitig liefern die Ingolstädter die Limousine ab Werk mit Automatik aus. Die 51.600 Euro Grundpreis für den 3.0 TFSI S tronic sind somit fest gesetzt. Anders bei Mercedes und BMW. E-Klasse und 5er fahren per se mit Hinterradantrieb, der 535i an der Basis sogar nur mit Sechsgangschaltung. Wer mehr will, muss nachzahlen: Bei BMW summieren sich Grundpreis und xDrive inklusive Achtstufenautomatik auf 55.700 Euro, Mercedes verlangt für einen E 350 4Matic mit 7G-Tronic ab 54.829 Euro. Luftfedern und die Ausstattungslinie Avantgarde schlagen zusätzlich mit rund 6500 Euro zu Buche. Aber der Preisvorteil des A6 relativiert sich etwas beim Blick auf die Ausstattung. Mercedes hat dem Audi ein üppigeres Sicherheitspaket und einen Hauch mehr Luxus voraus.

Überblick: Alle News und Tests zur Mercedes E-Klasse

Video: Mercedes-Benz E Klasse

E-Klasse im Vergleich

Dabei dürfen E-Klasse-Fahrer im Falle eines Falles auf einen Knieairbag und den Müdigkeitswarner Attention Assist bauen, Kleinigkeiten wie der automatisch abblendende Innenspiegel sind ab Werk an Bord. Dennoch: Das günstigste Angebot in diesem Vergleich kommt immer noch aus Ingolstadt. Die drei Testkandidaten bieten im Grunde alles, was die Oberklasse ausmacht. Platz satt, reichlich Luxus und bequeme Sitze in beiden Reihen. Allerdings: Die E-Klasse lässt Passagieren rundum einige zusätzliche Zentimeter Raum. Auch geht ein Täschchen mehr Gepäck hin ein – so fasst der Kofferraum mindestens 540 Liter, Audi und BMW warten mit 530 und 520 Liter Fassungsvermögen auf. Überhaupt fühlt sich der Benz innen luftiger an, dank aufrechter Front- und breiter Heckscheibe lässt sich die E-Klasse zudem beim Rangieren besser abschätzen. Der 5er hat gemessen nur minimal weniger Platz, engt aber speziell die Passagiere im Fond gefühlt stärker ein.
Ein Audi glänzt ja gewöhnlich mit erstklassiger Verarbeitung – dieser hier nicht überall. Der eingefahrene Zentral-Bildschirm hängt leicht schief in seinem Schacht, die Aschenbecherblende schließt nicht perfekt, am Heck zeigen sich zwischen Stoßfänger und Heckdeckel ungewohnt große Fugen. Und bei hohem Tempo saugt der vorbeizischende Fahrtwind die Türdichtungen aus dem Falz, so dass es vernehmlich wimmert. In Anbetracht der fast 80.000 Euro, die der üppig ausgestattete Testwagen kostet, sind wir doch ein wenig erstaunt. Unterhalb von Tempo 230 gibt die A6-Karosserie allerdings keine fiesen Geräusche von sich. Höchstens hebt der Motor die Stimme. Im positiven Sinne. Ein Kompressor pumpt Extra-Luft in das ab 4000 Touren kernig sägende TFSI-Aggregat – entsprechend schwungvoll geht der V6 zur Sache.

Überblick: Alle News und Tests zum BMW 5er

Video: BMW 5er

5er BMW im Vergleich

Er zieht satt aus dem Keller, dreht danach gleichmäßig hoch. Gangwechsel erfolgen ruckfrei (klar, Doppelkupplung!), aber nicht immer ruck, zuck. So nimmt der A6 beim Kickdown aus der siebten Fahrstufe heraus verzögert und unharmonisch Fahrt auf. Beim Anfahren nervt gelegentlich ein ruppiges Einrücken der Kupplung. Souverän geht anders. Den (trotz 350 Nm Drehmoment) vergleichsweise durchzugsschwachen Mercedes lässt der Audi dennoch eiskalt stehen. Zumal die 7GTronic der E-Klasse patzt, nur unwillig im manuellen Modus läuft und hohe Gänge allenfalls beim sanften Beschleunigen hält – ein Tick zu viel Gas hat stets aufgeregtes Herunterschalten zur Folge. Den schwereren BMW kann der schnelle Audi dagegen kaum abschütteln. Dessen drehfreudigeren Reihensechser befeuert ein schnell ansprechender Twinscroll-Turbo – so stehen beim 535i beeindruckende 400 Nm Drehmoment schon ab 1200 Umdrehungen bereit. Dazu schaltet die Achtstufenautomatik perfekt, glänzt mit fein dosierbarem Wandler-Antritt. Besser geht es nicht.
Das gilt auch für die Federung. Der 5er schluckt nahezu alles, zittert nur gelegentlich über die Vorderachse nach, verwöhnt die Passagiere im Komfortmodus des adaptiven Fahrwerks mit sanftem Durchschwingen à la Luxussänfte. Der Mercedes taucht auf extrem schlechten Straßen ebenfalls weich und weit genug ein – allerdings neigt sich die Karosserie stärker. Der Lenkung der E-Klasse fehlt zudem Genauigkeit und Gefühl – der leise Komfortgleiter empfiehlt sich aber für Langstrecken. Der Audi stolpert dagegen über seine steife Bereifung. Querfugen ignoriert der A6, ständig prallen die 19-Zöller hörbar gegen unsichtbare Kanten. Und ernsthaft schlechte Straßen strapazieren die Fahrwerkabstimmung, dann zappelt die Limousine unwürdig über den Asphalt. Hier ist Audi eindeutig zu sportlich eingestellt. Mehr als BMW sogar. Die Zeiten ändern sich eben. Und das nicht nur in Baden-Württemberg.

Fazit

Der A6 gewinnt diesen Vergleich, weil er schneller, fahraktiver und sogar ein ganzes Stück günstiger ist als seine Mitbewerber. Der Verbrauch zeigt zudem, dass Audi (wie BMW) ein intelligentes Konzept auf die Räder gestellt hat. Aber der Sieg geht mit Charakterschwächen einher. So würdevoll und umsichtig wie der 5er kann der A6 nie auftreten. Und an die Sicherheitsreserven der E-Klasse wird er so kaum heranreichen. Dennoch: Die neue Ingolstädter Oberklasse hat sich sauber empfohlen.