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Video: Kia Sorento vs. Audi Q5, BMW X3 (2015)

Kia beweist Größe

Hat da wer den Trend verpennt? Während auf dem automobilen Laufsteg schlanke Modelle gefragt sind, setzt Kia auf große Größen. Die dritte Auflage des Sorento legt um 9,5 Zentimeter zu, streckt sich jetzt auf 4,78 Meter. Ein echtes Fullsize-SUV also, das sich bei unveränderten 1,89 Meter Breite und 1,69 Meter Höhe nicht übersehen lässt – auch wenn der Vorgänger sogar noch fünf Zentimeter höher aufragte. Besitzt der Koreaner damit tatsächlich genug Format, um den deutschen Edel-Kraxlern Audi Q5 und BMW X3 die Schau zu stehlen?
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Der gewachsene Sorento entpuppt sich als Raumriese

Kia Sorento
So groß, wie er aussieht: Der Längenzuwachs des neuen Sorento kommt den Passagieren zugute.
Ganz ehrlich, die zusätzlichen Zentimeter stehen dem Sorento richtig gut, verleihen ihm etwas Stattliches. Sowie – viel wichtiger – ein unschlagbar großzügiges Raumangebot. Vorn sitzen wir genauso entspannt wie im gemütlichen Audi, der immer noch ordentliche BMW ärgert große Piloten mit seiner mächtigen Mittelkonsole und der geringsten Innenbreite. Meckern kann der Fahrer im Kia nur über die zu dünn gepolsterten Lehnen, den im Fußraum nicht bis in die letzte Ecke verlegten Teppich und die schlechte Rücksicht. Audi und BMW zeigen sich hier feiner verarbeitet und beim Blick zurück nicht ganz so verbaut. Im Fond beweist der Kia dann große soziale Kompetenz. Dank enormer Breite und der besten Kniefreiheit kommen sich hier selbst drei Gäste nicht ins Gehege. Für 900 Euro gibt es ab der Ausstattung Spirit sogar noch zwei weitere Plätze im Kofferraum. Selbst wenn die dritte Sitzreihe an Bord ist, nimmt der Sorento noch am meisten Gepäck mit. Klug: Der Wechsel vom Mannschaftsbus zum Umzugswagen geschieht mit wenigen Handgriffen vom Kofferraum aus.
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Im Audi geht es am schnellsten auf Tempo 100

Audi Q5
Sprintsieger: Der Audi Q5 ist am schnellsten auf Tempo 100 und überzeugt mit seiner Automatik.
Ja, auch dieser Sorento erreicht nicht die hohe Agilität von Q5 und X3. Und nein, das stört nicht wirklich. Denn schlecht macht der Kia seine Sache nicht. Schon nach wenigen Metern ahnt der Fahrer, dass das Korea-SUV eher zum Reisen als zum Rasen gemacht ist. Der im Grunde sanftmütige und leise 2,2-Liter-Diesel wird erst bei höherem Tempo knurrig, bringt zusammen mit Fahrwerk- und Windgeräuschen einige Unruhe ins Auto. Allerdings stehen seine 200 PS auch gut im Futter. Trotz annähernd zwei Tonnen Leergewicht bringen üppige 441 Nm Drehmoment (X3/Q5: 400 Nm) den Sorento flott in Fahrt. Der Turbodiesel gehört jedoch nicht zu den spritzigen Drehorgeln, eher zu den bulligen Arbeitstieren. Bis Tempo 100 reichen ihm ordentliche 9,4 Sekunden – besser als das Werksversprechen (9,6 s) und nur unwesentlich langsamer als Audi (8,7 S) und BMW (8,8 s). Und das, obwohl die Sechsstufenautomatik des Kia eher der Gattung "gemütlich" angehört. Entspanntes Cruisen belohnt sie mit fein verschliffenen Gangwechseln, hektische Heizer lässt sie gern mal etwas warten und ruft sie mit leichten Schaltrucken zur Ordnung.
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Audi und BMW begegnen jedem Fahrertyp mit annähernd perfekter Schaltstrategie, belohnen zudem mit günstigeren Verbräuchen – gegenüber dem Koreaner begnügen sich die beiden Deutschen pro 100 Kilometer mit rund einem Liter weniger. Obwohl der Kia für Lenkung und Antrieb verschiedene Fahrmodi zur Wahl stellt (Eco, Normal, Sport), bleibt er seiner Grundeinstellung stets treu: "Nur net hetze."

Den meisten Komfort gibt es im BMW X3

BMW X3
Gut für die lange Reise: Der BMW ist dynamisch, verwöhnt aber auch mit dem meisten Komfort.
Auf hügeligen Landstraßen fühlt sich der Sorento am wohlsten, gleicht die leichten Schwünge gekonnt aus und lässt seinen Fahrer in Ruhe. Wird die Fahrbahn schlechter, gerät die Kia-Karosserie allerdings in Unruhe und wird zum Teil unfein erschüttert. Selbst auf seinen 20 Zoll großen Gummiwalzen (2170 Euro) rollt der Audi souveräner ab, der ausgewogene und fein ansprechende BMW erweist sich als Komfort-König. Auch die schnelle Kurvenhatz liegt dem Sorento nicht im Dämpferöl. Zwar unterbindet das ESP zuverlässig alle Risiken, die Lenkung arbeitet aber zu indirekt, und zu früh geht es stur geradeaus. Deutlich dynamischer schmettern Q5 und X3 ums Eck – und müssen dem Kia dennoch Respekt zollen. Beim Bremsen zeigt der Koreaner nämlich bisher unbekannte Bissigkeit, steht aus 100 km/h über einen Meter eher als die beiden Bayern.

Beim Preis schüttelt der Koreaner die Konkurrenz ab

Audi Q3 BMW X3 Kia Sorento
Der Kia bietet mit guter Ausstattung und sieben Jahren Garantie deutlich mehr als Audi und BMW.
Nur auf den ersten Blick scheinen alle drei SUV mit Preisen um 50.000 Euro ähnlich teuer. Der Kia fährt dann nämlich schon bis unters Dach mit Nettigkeiten vollgestopft vor, Audi und BMW bringen deutlich weniger Ausstattung mit. Auch bei der Garantie liegt zwischen Korea und Bayern mehr als eine Kleinigkeit. Während der Sorento mit sieben Jahren Garantie inklusive Wartung als sorgenfrei gelten darf, sichern Audi und BMW ihre SUVs gerade einmal für die ersten zwei Jahre gegen unerwartete Mängel ab. Da kommt der Kunde schon mal ins Grübeln. Und wir sind ja noch nicht am Ende. Auch bei den Versicherern genießt der Kia großes Vertrauen, mit den Regionalklassen 18 und 21 für Haftpflicht und Vollkasko unterbietet er den Q5 (19/21) knapp, den X3 (21/24) deutlich. Beim Geld spricht also vieles für den Sorento, allerdings nicht alles. Unter anderem bescheinigen die Spezialisten von Eurotax Schwacke dem großen SUV einen deutlich schlechteren Wiederverkaufswert im Alter. Dennoch holt sich der Kia mühelos den Sieg im Kostenkapitel. Und liegt damit in Schlagdistanz zu Audi und BMW. Respekt! Diesen Trend mögen wir.

Fazit

Ein Test, zwei Überraschungen: Erstens liegt diesmal BMW vor Audi, weil der Ingolstädter mit 20-Zoll-Bereifung mehr verbraucht und die Münchner beim City-Stopp nachgebessert haben. Zum Zweiten rangiert der neue Sorento auf Platz drei tatsächlich in Schlagweite. Hätte Kia ihm einen modernen Internetzugang und mehr Assistenten spendiert, wäre die Sensation womöglich perfekt gewesen.