Lange nichts gehört von Audi. Viel Neues kam in den letzten Jahren nicht aus Ingolstadt. Doch 2024 ging es Schlag auf Schlag. Der A4-Nachfolger A5 und der A6 e-tron sind neu am Start – und jetzt auch der Q6 e-tron, ein E-SUV.
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Das muss im ersten Vergleich mit dem ähnlich gelagerten Mercedes EQE SUV gleich mal zeigen, was es kann. Wer schlägt besser den Bogen zwischen Luxus und Leistung, Reichweite und Alltagstauglichkeit?

Deutliche Unterschiede beim Design

Das Design des neuen Q6 ist schon mal gelungen. Mit aufrechter Front, flachem Aufbau und leicht eingezogenem Heck, alles nicht ohne Eleganz. Der neun Zentimeter längere Mercedes wirkt mit seinem glattflächigen, rundlichen Design wuchtiger als der Audi, größer.
Audi Q6 e-tron quattro Mercedes EQE 500 4Matic SUV
Aufrechte Front, flacher Aufbau: Audi setzt beim Q6 e-tron auf klare Linien. Der rundliche, neun Zentimeter längere EQE wirkt wuchtiger.
Bild: Tom Salt / AUTO BILD
Mehr Platz als der Q6 bietet er vorn allerdings nicht, aber klar, es ist luftig hier. Auffälligstes Element im EQE-Cockpit ist der insgesamt 1,41 Meter breite Hyperscreen (Serie bei AMG Line Premium Plus), in dem drei Bildschirme zusammengefasst sind: Fahrer-Display, zentraler Touchscreen und Beifahrer-Display. Alle in funkelnder, brillanter Optik. Der Funktionsumfang des Multimedia ist riesig, doch die Menüs sind ordentlich sortiert, und die schlaue MBUX-Sprachbedienung ist eine Hilfe.
Trotz der sehr teuren Ausstattung kosten die Multikontursitze noch mal 2737 Euro Aufpreis. Sie sind allerdings durchaus zu empfehlen, vielfach verstellbar, schön ausgeformt, bequem.

Viel Platz und Sportsitze im Audi

Im Audi sind die Sportsitze Serie, und die brauchen sich vor den teuren Benz-Sesseln nicht zu verstecken, mit viel Seitenhalt, strammer Polsterung und einer merklich höheren Lehne mit besserer Unterstützung im Schulterbereich.
Audi Q6 e-tron quattro
Vorn ist der Q6 größer als der EQE. Cockpit leicht verschachtelt. Panoramadisplay mit Kombiinstrument und Zentral-Touchscreen.
Bild: Tom Salt / AUTO BILD
Vorn bietet der Q6 mehr Raum als der Benz, unter anderem spürbar mehr Kopffreiheit, was auch am Panorama-Glasdach des Test-EQE liegt. Im Fond sieht es anders aus, im Audi geht es nicht wirklich üppig zu, im Benz luftiger, mit mehr Platz für lange Beine. Zudem sitzt man im Mercedes höher, damit angenehmer, bequemer.

Kombiinstrument gibt Rätsel auf

Zum Panoramadisplay im Q6 gehören Kombiinstrument und Touchscreen, das Beifahrerdisplay gibt es im Tech-pro-Paket für 8500 Euro. Bei der Grafik hat sich Audi zurückgehalten – alles schlichter als bei Mercedes. Dabei mit sehr vielen Funktionen und logischen Menüs. Auch die Sprachführung ist komplett auf Zack.
So richtig verstanden haben wir nur das Kombiinstrument nicht – das ist kaum konfigurierbar, und der Tacho hat dann die Gestalt zweier identischer, spangenförmiger Anzeigen links und rechts, die beide das gleiche Tempo anzeigen. Seltsam. Wie wäre es mit klaren, klassischen Rundinstrumenten?

Fahrzeugdaten

Fahrzeugdaten
Motor Bauart vorn/hinten 
Asynchron-/Synchron-E-Motor 
Synchron-E-Motoren 
Einbaulage 
je ein Motor vorn und hinten 
je ein Motor vorn und hinten 
Spitzenleistung gesamt 
285 kW (387 PS) 
300 kW (408 PS) 
Dauerleistung 
120 kW (163 PS) 
135 kW (184 PS) 
maximales Drehmoment 
275/580 Nm (vorn/hinten) 
858 Nm 
Vmax
210 km/h 
210 km/h 
Getriebe 
Einganggetriebe 
Einganggetriebe 
Antrieb 
Allradantrieb 
Allradantrieb 
Bremsen vorn/hinten 
Scheiben/Scheiben 
Scheiben/Scheiben 
Testwagenbereifung 
255/45-285/40 R 21 W 
265/40 R 21 H 
Reifentyp 
Pirelli P Zero 
Goodyear Eagle F1 Asymmetric 5 
Radgröße 
9-10 x 21" 
9,5 x 21" 
Reichweite* 
563 km 
531 km 
Verbrauch* 
18,9 kWh 
21,2 kWh 
Batteriekapazität nutzbar 
94,9 kWh 
96 kWh 
Ladeleistung AC/DC 
bis 11/270 kW 
bis 22/170 kW 
Ladezeit (10-80 %, DC-Ladung) 
21 Minuten 
32 Minuten 
Ladeanschluss 
hinten rechts und links 
hinten rechts 
Fach unter Frontklappe 
Option 
Vorbeifahrgeräusch 
68 dB(A) 
67 dB(A) 
Anhängelast gebr./ungebr. 
2400/750 kg 
1800/750 kg 
Stützlast 
100 kg 
100 kg 
Kofferraumvolumen 
526–1529 l + 64 l vorn 
520–1675 l 
Länge/Breite/Höhe 
4771/1939–2193**/1681 mm 
4863/1940–2141**/1685 mm 
Radstand 
2893 mm 
3030 mm 
Grundpreis
74.700 Euro
99.841 Euro
Testwagenpreis (wird gewertet)
91.210 Euro
125.099 Euro
Die hat der Porsche Macan zum Beispiel. Mit dem teilt sich der Audi die Technik (Premium Platform Electric mit 800 Volt). Aber es gibt Unterschiede zwischen dem Schwaben und dem Bayern: So setzt Audi vorn eine Asynchronmaschine (ASM) ein, Porsche auch an der Vorderachse einen permanentmagneterregten Synchron-Elektromotor (PSM) – einen solchen tragen beide an der Hinterachse.

Sprinten können beide ziemlich gut

Die Systemleistung liegt im Q6 e-tron quattro bei 387 PS. Den Standard-Sprint von 0 auf 100 erledigte der Q6 im Test in 5,7 Sekunden, läuft maximal 210 km/h. Und zwar mühelos. Das E-System reagiert feinfühlig, die Rekuperation arbeitet auf Wunsch kräftig, ist mit den Paddles am Lenkrad in drei Stufen verstellbar. Es gibt eine fast perfekt ausgelegte Automatikfunktion und einen One-Pedal-Modus bis zum Stillstand. Auch die Verzögerung funktioniert hervorragend, mit klar definiertem Druckpunkt. Ohne Zweifel einer der aktuell besten E-Antriebe.
Audi Q6 e-tron quattro Mercedes EQE 500 4Matic SUV
Dynamische Dickschiffe: Trotz ihres hohen Gewichts stürmen die beiden auf Tempo 100 – der Q6 in 6,7, der EQE in 6,0 Sekunden.
Bild: Tom Salt / AUTO BILD
Was ähnlich auch für den Mercedes gilt. Auch der EQE steht auf einer reinen Elektroplattform (EVA2, Electric Vehicle Architecture), arbeitet allerdings noch mit 400-Volt-Technik, vorn und hinten mit PSM-Motoren. Die Systemleistung liegt beim EQE 500 SUV bei 408 PS, der Benz stürmt in 5 Sekunden auf 100, rennt maximal 210 km/h, auch sehr souverän.

Messwerte

Messwerte
Beschleunigung
0–50 km/h
2,5 s 
1,9 s 
0–100 km/h 
5,7 s 
5,0 s 
0–130 km/h 
8,6 s 
8,0 s 
0–160 km/h 
12,7 s 
12,2 s 
0–200 km/h 
21,2 s 
20,6 s 
Zwischenspurt
60–100 km/h
2,6 s 
2,7 s 
80–120 km/h 
3,3 s 
3,4 s 
Leergewicht/Zuladung 
2459/481 kg 
2671/444 kg 
Gewichtsverteilung v./h. 
49/51 % 
49/51 % 
Wendekreis links/rechts 
12,0/12,1 m 
10,3/10,4 m 
Sitzhöhe 
690 mm 
715 mm 
Bremsweg
aus 100 km/h kalt
36,2 m 
34,8 m 
aus 100 km/h warm 
33,9 m 
34,0 m 
Innengeräusch
bei 50 km/h
56 dB(A) 
54 dB(A) 
bei 100 km/h 
63 dB(A) 
62 dB(A) 
bei 130 km/h
67 dB(A)
65 dB(A)
bei 160 km/h
71 dB(A)
70 dB(A)
Verbrauch
Sparverbrauch 
19,4 kWh/100 km 
21,2 kWh/100 km 
Testverbrauch Durchschnitt der 155-km-Testrunde
(Abweichung zur WLTP-Angabe)
27,2 kWh/100 km
(+44 %)
29,2 kWh/100 km
(+38 %)
Sportverbrauch 
37,3 kWh/100 km 
38,3 kWh/100 km 
CO2 (lokal) 
0 g/km 
0 g/km 
Reichweite 
370 km 
354 km 
Das Fahrpedal reagiert sensibel, die Rekuperation ist in drei Stufen in feinen Nuancen mit den Paddles am Lenkrad verstellbar, die Automatik-Funktion arbeitet ausgesprochen aufmerksam, und auch der One-Pedal-Modus funktioniert bestens bis zum Stillstand.

Der EQE fährt überraschend handlich

Der Test-EQE war ausgestattet mit dem sündteuren AMG-Line-Premium-Plus-Paket für 19.278 Euro, unter anderem mit Hinterachslenkung, Hyperscreen und Vier-Zonen-Klima. Die Luftfederung (2083 Euro) und die 21-Zoll-LM-Räder (803 Euro) kosten allerdings trotzdem noch extra.
Mercedes EQE 500 4Matic SUV
Überraschend: Obwohl der EQE 200 Kilogramm schwerer ist als der Q6, macht ihn seine Allradlenkung erstaunlich handlich.
Bild: Tom Salt / AUTO BILD
Mit seinen 2,7 Tonnen ist der EQE noch mal 200 Kilogramm schwerer als der Q6 – und genau so fährt er sich. Schwer, wuchtig, auffällig leise und hochkomfortabel. Nein, nicht langsam, die E-Motoren liefern mehr Punch als im Audi, und die Allrad-Lenkung arbeitet durchaus zackig, was zu einem erstaunlich handlichen Fahrverhalten führt. Der EQE federt sanft und souverän, im Comfort-Modus für unseren Geschmack sogar zu schaukelig, wir empfehlen Sport. Also das, was Mercedes in diesem Auto darunter versteht.

Testreichweiten deutlich unter 400 Kilometer

Der mit 2,5 Tonnen bestimmt nicht leichtgewichtige Audi fühlt sich – im direkten Vergleich – tatsächlich leichtfüßiger an, agiler. Der Test-Q6 besaß das Tech-Pro-Paket für 8500 Euro, unter anderem mit Luftfederung, die 21-Zoll-Räder kosten 3590 Euro extra, eine Allradlenkung gibt es für den Q6 nicht. Auch der Audi federt sehr komfortabel, aber eine Spur verbindlicher, straffer als der Benz, mit weniger Karosseriebewegungen. Und sehr gut gefallen hat uns die sauber abgestimmte, sehr harmonische Lenkung.
Audi Q6 e-tron quattro Mercedes EQE 500 4Matic SUV
Reichweiten: Den Testverbrauch zugrunde gelegt, kommt der Audi 370 Kilometer weit, der Mercedes schafft 354 Kilometer.
Bild: Tom Salt / AUTO BILD
Die Batterie ist 94,9 kWh (netto) groß, im Test schaffte der Q6 e-tron quattro eine Reichweite von 370 Kilometern. Der EQE 500 SUV 4Matic kam auf 354 Kilometer, sein Akku ist 96 kWh (netto) groß.

Platzierung

Platzierung
Punkte*
600
573
Platz
1
2
Fazit
Fährt sich angenehm. 800-Volt-System, kann mit 270 kW laden. Teuer – aber viel günstiger als der Benz.
In der Eigenschaftswertung gleichauf mit dem Audi. Sehr hoher Komfort. Die Preise sind nur noch absurd.

Mercedes übertreibt es bei den Preisen

Den Benz gibt es ab 99.841 Euro, der bewertete Testwagen-Preis mit dem AMG-Line-Premium-Plus-Paket liegt bei sagenhaften 125.099 Euro. Den Q6 e-tron quattro liefert Audi ab 74.700 Euro, mit der Testausstattung steht der Q6 ab 91.210 Euro in der Liste. Ja, es gibt tatsächlich eine, zudem sorgfältig gemachte, Preisliste bei Audi. Und am Ende schlägt der Q6 besser den Bogen als der EQE – lange nichts gehört, das jetzt sind aber gute Nachrichten.

Fazit

Der Q6 e-tron sieht gut aus, ist modern eingerichtet, schafft gute Fahrleistungen und kann schnell laden. Die Reichweite – bei acht Grad – ist aktuell wohl Stand der Technik. Der EQE fährt auf Augenhöhe, kann aber nicht so zügig laden und kommt auch nicht ganz so weit. Bei den Preisen hat Mercedes eindeutig den Bezug zur Realität verloren.