Es ist Autosalon in Tokio – und kaum einer geht hin. Zumindest nicht von den deutschen Herstellern. Denn AMG oder Porsche sucht man vergebens beim schrillen Fest der japanischen Petrolheads, Audi ebenso.
Umso höher ist es Volkswagen anzurechnen, dass sie sich – ganz anders als noch vor drei Monaten bei der konventionellen Motorshow – neben BMW als einzige deutsche Marke in die Höhle der Löwen getraut haben. Zumal sie nur ein paar Wochen nach der Premiere auf der IAA in München auch noch ihr ID.GTI-Konzept mitgebracht haben, das den Japanern Lust machen soll auf das erste elektrische Kapitel einer mittlerweile genau 50 Jahre alten Erfolgsgeschichte.
Nissan Aura Nismo RS
Der neue Nissan Aura Nismo RS auf dem Autosalon in Tokio.
Bild: Thomas Geiger / AUTO BILD
Nur: Auf dieser benzintriefenden, hubraumstarken Messe interessiert sich nun wirklich kaum jemand für ein Elektroauto – selbst wenn es das auch in Japan magische Kürzel GTI trägt. Entsprechend höflich, aber verhalten, fällt das Interesse der Messegäste aus. Während die Niedersachsen noch stolz erzählen von einem elektrischen Fliegengewicht um die 1500 Kilo, von 226 PS und Beschleunigungswerten auf Porsche-Niveau, pilgern die Petrolheads längst weiter zu Nissan – und lassen sich dort zeigen, wie es wirklich geht.

Aura: Der wahre GTI steht bei Nissan

Während die Japaner in der Allianz mit Renault bei uns irgendwie den Drive verloren haben, uns mit Remakes von R5 und Mégane langweilen und nach dem Ende des GT-R nicht einmal den neuen Z gönnen, stellen sie hier den wahren GTI ins Rampenlicht: Vorhang auf, Bühne frei für den Aura Nismo RS.
Nissan Aura Nismo RS
Insgesamt erzeugt das Antriebspaket das Nissan Aura Nismo RS 340 PS
Bild: Nissan
Aura? Noch nie gehört? Das kann schon sein. Gesehen haben wir ihn trotzdem alle – zumindest fast. Schließlich ist der Aura die asiatische Ausgabe des Note, der bei uns noch bis 2020 verkauft wurde. Nur dass er hier schon in der Basisversion kein Spießerimage hat, sondern als knackiger Kompakter selbstbewusst gegen Importschlager wie den Golf antritt.

Breiter, tiefer, böser

Und nun durfte sich auch noch die Nismo-Truppe austoben und dem Star der Show eine ordentliche Portion Hochleistungs-Gene verpassen. Obwohl schon der normale Aura Nismo alles andere als langweilig aussieht, bläst das RS-Modell die Backen mächtig auf und wächst um satte 14 Zentimeter in die Breite. Außerdem duckt sich das Kraftpaket zwei Zentimeter tiefer auf den Asphalt und reckt den Spießern auf der – in Japan natürlich – linken Spur einen fetten Flügel entgegen.
Nissan Aura Nismo RS
Der brachiale Diffusor unterstreicht den sportlichen Look des Aura Nismo RS
Bild: Nissan
Auch der Antrieb kann sich sehen lassen. Für die in Japan ebenso verbotene wie verpönte Raserei, die deshalb vor allem nachts im Stil von Tokyo Drift auf Brücken und in den Tunneln der Stadtautobahn zelebriert wird, gibt es den e-Force-Antrieb aus X-Trail & Co: je eine E-Maschine pro Achse, zusammen immerhin 340 PS.

Elektrischer Antrieb mit Verbrenner-Herz

Genau wie der Wolfsburger ID.GTI fährt der Aura streng genommen elektrisch – und analog zur Studie aus Niedersachsen unterbricht auch beim Nissan kein Endrohr den mächtigen Diffusor. Doch weil der Strom nicht aus einem Akku kommt, sondern an Bord von einem 1,5-Liter-Turbo erzeugt wird, knurrt beim Tritt aufs Pedal trotzdem ein Motor – und treibt den Puls der Petrolheads nach oben.
Zwar ist der Aura Nismo RS bislang nur eine Studie, doch Markenchef Yutaka Sanada lässt keinen Zweifel an der Ernsthaftigkeit der japanischen Absichten. Der kleine Heißsporn soll weiterentwickelt werden – für den Einsatz auf der Rennstrecke und als Image-Rakete im Handel. Um Nissan wieder zu einer lebendigen und begehrenswerten Marke zu machen, fühle sich das Team verpflichtet, neue "Herzschlag-Modelle" auf den Markt zu bringen und die Geduld der Kunden dabei nicht über Gebühr zu strapazieren.
"Und der Aura Nismo RS ist der erste in dieser Reihe", ruft Sanada den Besuchern entgegen. Bleibt nur zu hoffen, dass dieser Ruf bis nach Europa schallt – und dort den gebührenden Widerhall findet.