Ausgleich für EU-Flottengrenzwerte
Müssen Verbrennerhersteller eine Milliarde an E-Auto-Bauer zahlen?

Bild: dpa
2025 ist das Jahr, in dem die CO2-Vorgaben für die Autoindustrie drastisch anziehen. Klar, es geht um die viel diskutierten Flottengrenzwerte. Das Problem: Nur wenige Hersteller haben in Sachen Klimagas-Ausstoß eine weiße Weste, denn immer noch sind Verbrenner der Renner. Fein raus sind die Hersteller, die allein E-Autos produzieren. Alle anderen müssen sich darauf vorbereiten, den erwarteten zu hohen CO2-Ausstoß ihrer Flotte innerhalb der EU finanziell auszugleichen.
Sie bilden daher Allianzen, denn im Pool dürfen die Autobauer mit E-Auto-Herstellern zusammenarbeiten. Mehrere Hersteller haben solch einen Pool gebildet, das geht aus einem kürzlich veröffentlichten EU-Dokument hervor. Wobei zusammenarbeiten bedeutet, dass die Verbrenner-Hersteller diejenigen von Autos mit Null-Emission für das Bilden von Pools bezahlen. Das kostet. Nur: wie viel? Bekannt wurde zuletzt, dass sich Mercedes, Stellantis (u. a. Citroën, Fiat, Opel, Peugeot), aber auch Ford, Mazda und Subaru auf die Zahlung von bis zu einer Milliarde Euro einstellen, berichtete Bloomberg. Eine Milliarde Euro!
Typ-2-Ladekabel im Vergleich
Die Frist für das Bilden von Pools ist Anfang Februar 2025 ausgelaufen. Ergebnis? Offen. Nur klar ist, wer profitiert. Es sind die Hersteller, die nur Elektroautos produzieren. Allen voran einer, der wegen seines exzentrischen Firmenchefs Elon Musk nicht aus den Schlagzeilen kommt: Tesla. Denn das Unternehmen kann dank seines E-Auto-Portfolios jede Menge Zertifikate auf den Markt werfen.
Klimazertifikate machten Tesla profitabel
Es ist ein lukratives Geschäft für den US-Hersteller: Als Tesla 2020 erstmals einen Unternehmensgewinn auswies, stammte der Profit nicht aus dem Autoverkauf, sondern aus dem Verkauf von Klimazertifikaten. CNN bezifferte die Einnahmen aus solchen Papieren zwischen 2015 und 2020 auf rund 3,5 Milliarden Euro. Allein 2024 soll das Unternehmen mit Firmensitz in Austin, Texas, mehr als zwei Milliarden Dollar dadurch eingenommen haben.

Tesla verdient nicht allein Geld mit E-Autos, sondern auch mit dem Verkauf von Klimazertifikaten.
Bild: D. Byrne / AUTO BILD
Das Pooling mag zwar teuer ausfallen, doch noch viel teurer wären die Strafzahlungen an die EU. Die könnten sich – ohne Ausgleich – auf bis zu 15 Milliarden Euro belaufen, schätzt das Portal "Automotiveworld". Da ist nachvollziehbar, dass die Autohersteller Strafzahlungen auf alle Fälle vermeiden wollen. Die belaufen sich im Einzelnen auf 95 Euro für jedes Gramm CO2, das über dem Flottengrenzwert von 93,6 g/km liegt. Die Summe wird multipliziert mit der Anzahl an Autos, die in der EU verkauft werden. Das läppert sich.
Mercedes strebt Pool mit Volvo, Polestar und Smart an
Wobei Mercedes im Gespräch ist, eine Zusammenarbeit mit Volvo, Polestar und Smart einzugehen, was 300 Millionen Euro kosten würde. Neben Tesla könnte ein anderer E-Auto-Hersteller massiv vom Pooling profitieren: der chinesische Autokonzern BYD, berichtet das Portal "Carboncredits".

Im 3. Quartal lag der Anteil vollelektrischer Mercedes-Fahrzeuge nur bei 12 Prozent vom Gesamtabsatz. Mit dem Verkauf vieler Verbrenner in 2025 drohen Strafzahlungen.
Bild: Daimler AG
Andere Hersteller mit größerem E-Auto-Anteil können die Quote intern absenken, wie BMW mit seinem starken E-Auto-Anteil oder Toyota durch die vielen Hybride und Plug-in-Hybride.
Gleichzeitig beschreiten die europäischen Hersteller einen anderen Weg: Sie gehen gegen die EU-Flottenregeln vor und drängen auf ein Abschwächen oder Verschieben der EU-Flottenwerte. So oder so: Die Hersteller von Elektroautos dürften von den EU-CO2-Flottenregeln profitieren.
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