VW ID.3 Interview Ralf Brandstätter

AUTO BILD Interview mit VW-Chef Brandstätter: ID.3, Golf 8, ID.4, Probleme, Software, IAA

VW-Chef kündigt im Interview kleines E-Auto bis 20.000 Euro an

Was plant VW für die IAA 2021? Wie geht der Konzern mit enttäuschten ID.3 Kunden um? AUTO BILD hat den VW-Chef interviewt und bohrt nach.
62.500 ID.3 hat VW 2020 verkauft, 136.300 Golf 8. Warum bei vielen Kunden die Software erst jetzt oder erst bald fehlerlos funktioniert, warum so viele richtig sauer waren – darüber spricht AUTO BILD mit VW-Chef Ralf Brandstätter. Der 52-jährige führt seit 1. Juli 2020 die Marke VW. Seine Karriere begann er als Betriebsschlosser-Lehrling im Werk und kennt den Laden.

AUTO BILD: Herr Brandstätter, viele Käufer waren wütend, hatten das Gefühl, ein unfertiges Auto gekauft zu haben. Die Autos fuhren, aber Bildschirme zeigten Fehlermeldungen, blieben gleich ganz aus, und manche Autos mussten rechts ran. Was war denn da los?

Brandstätter (holt tief Luft): Ich muss ausholen. Wie man gute Autos baut, das wissen wir: perfekt abgestimmte Motoren, Getriebe und agile Fahrwerke, eine hochwertige Verarbeitung und sehr viel Liebe zum Detail. Das wissen und schätzen auch unsere Kunden. Vor fünf Jahren haben wir uns entschieden, mehr zu tun. Wir müssen und wollen emissionsfrei werden, das heißt, wir bauen E-Autos – und wir wollen das, was an Digitalisierung heute möglich ist, für viele Menschen erlebbar machen. Kurze Gegenfrage: Kennen Sie aus anderen Autos schon Augmented Reality?

AUTO BILD: Ja, aus der neuen Mercedes S-Klasse, zugegeben das obere Ende der Nahrungskette.

Ralf Brandstätter (52) führt seit dem 1. Juli 2020 die Marke VW.

©Volkswagen AG

Brandstätter: Genau das meine ich. Wir wollen, dass es auch in Autos unter 30.000 Euro zu haben ist. VW hat immer versucht, Technik aus höheren Klassen für alle erfahrbar zu machen. Das gehört zu unserer DNA. Aber ja: Wir wollten sehr viel auf einmal und mussten auch nachholen. Wir haben Neuland betreten. Wir gehen den mutigen, aber eben auch schwereren Weg. Wir haben die neueste Generation Automobile auf einem weißen Blatt Papier grundlegend neu entwickelt. Das bedeutete für uns eine steile Lernkurve, insbesondere beim digitalen Kundenerlebnis. Die haben wir jetzt hinter uns. Die größte Herausforderung war die neue Softwarearchitektur. Dafür mussten wir massiv Kompetenz aufbauen. Diese Systemumstellung war nicht einfach, aber wir haben auch das jetzt gelernt. Für die Zukunft sind wir gut aufgestellt. Digitalisierung und Vernetzung werden das Autofahren um Welten sicherer und komfortabler machen. Volkswagen wird zu den Wegbereitern gehören.

AUTO BILD: Ja, aber dennoch: Jetzt kommen die Updates, viele Kunden haben ihr Negativerlebnis jedoch schon "hochgeladen".

Brandstätter: Die Teams und ich haben die Autos in allen Entwicklungsstadien ja sehr früh intensiv getestet, wir haben Fehler selbst erfahren, Lösungen diskutiert und auf den Weg gebracht. Was meinen Sie, was ich nach einem Wochenende in unseren Fahrzeugen manchmal an Erfahrungen mitbringe. Wir haben die Kundenerfahrungen nachvollzogen. Und glauben Sie mir, deren Unmut hat mich erreicht, genau wie Sie in Ihren Leserbriefen.

AUTO BILD: Und wie war die Reaktion? Viele Händler konnten den Kunden auch nicht weiterhelfen. Es muss doch richtig gekracht haben!

Brandstätter: Deshalb gibt es jetzt das Update für den Golf, deshalb haben wir das Tempo erhöht, deshalb bekommt auch jeder Käufer eines ID-Fahrzeugs sein Update, bald auch "over the air". Wie beim Smartphone wird sein Auto sich selbst aktualisieren. Softwareupdates werden jetzt also ganz selbstverständlich. Der Kunde bekommt regelmäßig neue Funktionen auf sein Fahrzeug gespielt. Und natürlich lassen sich so auch Probleme beheben. Wichtig ist: Wir wollen schnell sein – fail fast, fix fast. Fehler sind erlaubt, aber sie müssen zügig korrigiert werden. Natürlich ohne auch nur einen Kompromiss beim Thema Sicherheit.

AUTO BILD: Gibt es eigentlich etwas, das Sie am ID.3 selbst stört?

Brandstätter: Ich fahre ihn auch privat gerade. Es ist ein fantastisches Auto geworden, innovativ, agil, hochfunktional, und es bietet unglaublich viel Platz. Wir wollen den Innenraum jetzt mit neuen Materialien noch ein Stück wertiger machen. Die neuen Sportsitze gibt es schon jetzt mit weichem Velours-Stoff.

AUTO BILD: Nach vorne geblickt, was kommt zur IAA?

Brandstätter: Zunächst mal: Wir wollen und hoffen sehr, dass die Autoshow stattfindet. Es gelingt aber nur, wenn wir auch die Sicherheit haben, dass es trotz Corona ein großartiges und risikofreies Live-Ereignis für alle sein kann.

AUTO BILD: Was bringen Sie mit?

Brandstätter: Sie wissen, der ID.4 kommt jetzt, das Coupé ID.5 danach, die Allrad-GTX-Modelle. 2022 kommt der ID.Buzz, 2023 der neue Passat und der neue Tiguan. Zur IAA kann ich Ihnen ja nicht alles verraten. Aber so viel geht: Unser Messe-Star könnte eine Vision für ein Elektroauto sein, das es so noch nicht gibt. Um die 20.000 Euro, kompakt, mit Features, die Sie in der Klasse nicht erwarten.

Fotos: Volkswagen AG

Stichworte:

Kompaktklasse

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