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Kreditgeschäft mit dem eigenen Auto? Vorsicht vor dem Pfandhaus!

Das Auto versetzen, um schnell Bargeld zu haben – damit locken Leihhäuser wie Pfando. Doch der Preis dafür ist viel zu hoch!
Bild: Sven Krieger / AUTO BILD
Ein schlimmes Wort mit 18 Buchstaben? Liquiditätsengpass. Bedeutet: kurzfristig nicht genug Geld in der Tasche zu haben. Das ist ein Massenphänomen. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes war schon 2021 knapp ein Drittel der Deutschen nicht in der Lage, spontan 1150 Euro oder mehr aus ihrem Budget zu stemmen. Das gilt in aktuellen Krisenzeiten sogar noch mehr. Für Firmen wie für Privatpersonen.
Wer bei seiner Bank nicht schnell einen Kredit bekommt, aber einen Wagen besitzt, kann den zu einem Autopfandhaus bringen. Marktführer Pfando macht gerade wieder verstärkt Werbung für sein Angebot. Im TV-Spot mit Fußball-Ikone Lothar Matthäus wird versprochen: "Nach nur 60 Minuten bekommst du dein Bargeld." Verlockend. (Alles wird teurer – Sprit, Versicherung, Ersatzteile. Und was ist, wenn man die Leasingrate nicht mehr bezahlen kann? Hier finden Sie Tipps!)
Und erfolgreich. Die 2010 gegründete Firma hat nach eigenen Angaben etwa 25.000 Kunden. In bundesweit 25 Filialen versorgen rund 80 Mitarbeiter Menschen mit schnellem Geld, die sich finanziell in eine Sackgasse manövriert haben.
Der Clou, so Pfando, ist das Sale-and-rent-back-Prinzip. Also Auto verpfänden, Barscheck abgreifen und Auto "einfach weiterfahren". Einfach? Nicht so ganz. Denn wie der Begriff "sale" schon sagt, verkauft der klamme Kunde zunächst sein Auto an Pfando. Und mietet es teuer zurück.

Letzte Ausfahrt Autopfandhaus? Unser Testkunde im Gespräch mit dem Mitarbeiter.
Bild: Hauke Schrieber / AUTO BILD
AUTO BILD macht den Test. Bei der Pfando-Filiale in Hamburg-Stellingen fahren wir mit einem zehn Jahre alten VW Golf Variant vor. Gut 150.000 Kilometer gelaufen, ein paar kleine Kratzer, aber Innenraum und 122-PS-Motor noch gut in Schuss. Wert laut Schwacke-Liste: 6300 Euro. Der Pfando-Mitarbeiter sucht in einem Gebrauchtwagen-Portal ein vergleichbares Modell – und bietet uns dann die Hälfte an. (Gebrauchtwagen-Preise: Die Schwacke-Liste und ihre Alternativen)
Diese 50-Prozent-Regel gilt für die meisten Autopfandhäuser. "Sie kriegen so 2500 bis 3000 Euro", sagt der nette Pfando-Mann. Das exakte Pfand-Darlehen würde die Zentrale in Berlin nach seiner Begutachtung des Autos nennen. Es würde ein Kaufvertrag geschlossen, wir müssen Fahrzeugbrief und Zweitschlüssel abgeben.
462 Euro Monatsmiete bei 3000 Euro Kredit
Was wir zahlen müssten, um unseren Golf "einfach weiterzufahren", weiß er aber jetzt schon ganz genau. Bei einem Kredit von 2500 Euro wären das 387,50 Euro im Monat; bei 3000 Euro beliefe sich die Monatsmiete auf 462 Euro. Dazu kommen 99 Euro Bearbeitungsgebühr.
Nach sechs Monaten hätten wir also schon fast die Summe gezahlt, die wir als Kredit bekommen haben. Plus Rückkauf. Und wenn das Auto nicht ausgelöst werden kann, wird es versteigert. Der Kunde erhält den Mehrerlös.
Wir lehnen die Pfando-Offerte ab und holen ein zweites Angebot ein. In Tötensen südlich von Hamburg sitzt im kleinen Autohaus "Rosengarten Automobile" die Außenstelle der Berliner Firma MaxxPfand. Der Chef guckt sich unseren Golf kurz von innen und außen an und bietet ebenfalls 3000 Euro. Bar oder Scheck. Bis wir den Golf wieder auslösen können, bleibt er "an einem Verwahrort in der Nähe". Für drei Euro Standgebühr am Tag.

Bei MaxxPfand in Tötensen südlich von Hamburg. Nach flüchtiger Begutachtung folgt das Angebot: 3000 Euro.
Bild: Hauke Schrieber / AUTO BILD
Und die Zinsen? Mit den Gebühren 4,5 Prozent. "Im Monat", sagt der Mann mit erhobenem Zeigefinger, damit es ja keine Missverständnisse gibt. Macht monatlich 135 Euro. Der Mann sagt ehrlich: "Ja, es gibt günstigere Wege, an Geld zu kommen." Aber der hier sei eben recht problemlos. Keine Schufa und so.
Pfando & Co – echte Angebote oder Wucher?
Das Landgericht München hat Klägern gegen den Branchenprimus bereits recht gegeben – und die Kaufverträge für nichtig erklärt (Az. 7 U 8401/21). Pfando zog vor das Oberlandesgericht. Dort liegt das Verfahren jetzt. Bis das Urteil rechtskräftig ist, kann mit der finanziellen Not der Menschen weiter ein Geschäft gemacht werden. Kunden, Juristen und auch der ADAC warnen vor Autopfandhäusern.
Wobei es aber auch zufriedene Kunden gibt. Vielleicht gefiel denen Pfandos Treuesystem. In der App können Bonuspunkte gesammelt werden, die man irgendwann sogar gegen Fernseher eintauschen kann.
Das rät der Experte
"Grundsätzlich sollte man sich sehr genau überlegen, ob man sein Auto an ein Autopfandhaus verpfändet", so Alexander Schnaars vom ADAC. Denn: "Das Risiko versteckter Kosten ist groß. Man sollte sich vorher genau über die Vertragsbedingungen informieren und sich darüber im Klaren sein, welche Kosten man aufbringen muss, um das Auto wieder auszulösen."
Sein Rat: "Günstiger und sicherer ist es, sein Fahrzeug zu verkaufen und sich gegebenenfalls ein günstigeres Fahrzeug zuzulegen oder auf Carsharing-Modelle umzusteigen."
Kommentar
Natürlich erkennt jeder, der in der Schule einigermaßen in Mathe aufgepasst hat, sehr schnell, dass sich das Verpfänden des eigenen Autos nicht wirklich rechnet. Dazu muss man nicht einmal das Kleingedruckte lesen (was man natürlich immer tun sollte). Und doch machen es Tausende. Weil in der Not der Verstand aussetzt. Das Geschäftsmodell von Pfando ist es, finanzielle Krisen anderer auszunutzen. Ehrlicher war da der Mann von MaxxPfand. Ich hatte sogar das Gefühl, er wollte gar nicht wirklich, dass wir diesen Vertrag unterschreiben. Vielleicht das schlechte Gewissen.
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