Für viele ist sie die beste Rennstrecke der Welt – die Nordschleife des Nürburgrings. Seit Jahrzehnten stellen hier Rennprofis ihr Können unter Beweis, Amateure testen ihre Grenzen. Was sie alle vereint: die Kunst, ein Auto mit dem eigenen fahrerischen Können über einen Rennkurs zu bewegen. Doch mittlerweile können Autos auch völlig ohne Fahrer eine Rundenzeit aufstellen. Für mich ist das völlig sinnfrei!
Der Reiz besteht doch darin, selbst am Steuer zu sitzen, jede Kurve zu treffen, jeden Bremspunkt zu erwischen und die Fähigkeiten von Mensch und Maschine miteinander zu verbinden. Ein autonomes Auto kann zwar eine Rundenzeit aufstellen, doch die Leistung dahinter gehört nicht mehr dem Fahrer, sondern einem Algorithmus.

Erst Xiaomi, jetzt Mercedes

Im Juni 2026 hatte Xiaomi mit dem YU7 GT eine erste Rundenzeit ohne Fahrer auf der Nordschleife gesetzt. Jetzt wurde ein Mercedes-AMG GT 63 dabei erwischt, wie er autonome Testfahrten in der Eifel absolviert. Ein Auto, das offensichtlich für diejenigen entwickelt wurde, die am liebsten selbst am Steuer sitzen.
Xiaomi YU7 GT
Der 1004 PS starke Xiaomi YU7 GT absolvierte im Juni 2026 als erstes Auto überhaupt eine Runde auf der Nordschleife komplett ohne Fahrer am Steuer.
Bild: Xiaomi
Vielleicht wollen die Stuttgarter einfach nur den Rundenrekord für autonomes Fahren brechen, den Xiaomi mit dem YU7 GT aufgestellt hatte. Der liegt bei 10:29,483 Minuten. Doch wo sind wir bitte angekommen, wenn Hersteller sich darin duellieren, wer das schnellste autonome Auto hat?
Sind Orte wie der Nürburgring nicht gerade dazu da, um dort seine Freude am Autofahren auszuleben? Nur hier kann man die Grenzen seines Autos austesten, nur hier kann man permanent ohne Tempolimit fahren. All das, was im öffentlichen Straßenverkehr (zu Recht) verboten ist, lässt sich auf einer Rennstrecke ausleben.

Autonomes Fahren ist im Straßenverkehr hilfreich

Dabei möchte ich das autonome Fahren gar nicht per se verteufeln. Auf der Autobahn oder im Stau gebe ich gerne die Kontrolle an die Technik des Wagens ab. Mittlerweile sind die Systeme so ausgeklügelt, dass man dem Autopiloten meist getrost vertrauen kann. Wenn ich eine Strecke von mehreren Hundert Kilometern vor mir habe, greife ich gerne auf das teilautonome Fahren zurück.
Mercedes CLA
In Deutschland ist derzeit autonomes Fahren bis Level 3 erlaubt. In China testet Mercedes bereits Autos auf Level 4.
Bild: Mercedes-Benz AG
Trotzdem habe ich am liebsten selbst die Kontrolle über das Auto, erst recht auf der Rennstrecke. Hier kann ich meine fahrerischen Fähigkeiten testen, die Grenzen des Autos erleben und mich sogar mit anderen messen.

Noch ist der Mensch schneller

Immerhin entscheiden wir das Duell "Mensch gegen Maschine" in dieser Disziplin aktuell noch für uns. Mit Vincent Radermecker am Steuer umrundete der YU7 GT die Nordschleife in 7:22,755 Minuten – also mehr als drei Minuten schneller als der fahrerlose Xiaomi.
Zahlen, die beruhigen. Zumindest im Motorsport scheint der Mensch der robotergesteuerten Technik noch überlegen. In anderen Sportarten ist das schon nicht mehr der Fall. Erst kürzlich brach ein Roboter in China die Rekordzeit von Sprint-Superstar Usain Bolt über 100 Meter. Erstaunlich, aber bei Weitem nicht so mitreißend wie der Moment, als Bolt 2009 im Berliner Olympiastadion einen neuen Fabelwert über 100 Meter aufstellte.
Ähnlich wird sich das auch bei mir verhalten, sollte irgendwann einmal ein Auto ohne menschlichen Fahrer am Steuer einen neuen Rundenrekord auf der Nordschleife aufstellen. Denn so sehr Autos Maschinen sein mögen – Emotionen können sie trotzdem erzeugen. Doch die entstehen eben nur, wenn man selbst fährt.