Mit ihrer engen Streckenführung, der enormen Vielseitigkeit und extremen Höhenunterschieden gilt die Nürburgring-Nordschleife als Mekka des internationalen Rennsports. Nicht umsonst ist der Rundkurs in der Eifel auch als "Grüne Hölle" bekannt. Material und Fahrer werden in 73 Kurven und auf den dazwischenliegenden Geraden Höchstleistungen abverlangt – normalerweise.
Bei der aktuellen Rekordfahrt hat nur das Auto gelitten, kein Fahrer war an Bord: Das erste autonome Fahrzeug hat eine offiziell gemessene Runde auf der Nordschleife absolviert. Weil es das erste Fahrzeug ohne Fahrer war, holte es sich zugleich den ersten Rundenrekord für autonome Fahrzeuge.

Xiaomi YU7 GT mit 1004 PS Systemleistung

Der YU7 GT vom mittlerweile auch Autos bauenden Technikriesen Xiaomi absolvierte den 20,8 Kilometer langen Rundkurs mit fliegendem Start – wie bei allen offiziellen Rekordfahrten – in 10:29,483 Minuten.
Das chinesische E-SUV, aktuell noch nicht auf dem deutschen Markt erhältlich, verfügt inklusive Track-Paket über eine Systemleistung von 738 kW (1004 PS) und erreichte bei der fahrerlosen Rekordrunde Höchstgeschwindigkeiten von rund 210 km/h auf den langen Geraden. Orientiert hat sich das Fahrzeug ausschließlich mithilfe von hochauflösendem Kartenmaterial, Kameras, Radar- und Lidarsensoren.

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Seit 2018 werden die Rekordzeiten auf dem Nürburgring notariell begleitet, der TÜV Rheinland prüft zudem den Serienzustand der Rekordjäger – nun auch für autonome Fahrzeuge. Und was ist die Zeit wert? Auf den ersten Blick wirkt die Runde nicht sonderlich schnell.
Zum Vergleich: Den Rekord für elektrische Serienfahrzeuge mit menschlichem Fahrer hält aktuell ein Taycan Turbo GT mit Manthey-Kit. Im April 2026 umkreiste der Porsche die Nordschleife in 6:55,533 Minuten. Gelenkt vom Profifahrer Vincent Radermecker absolvierte ebenfalls im April 2026 ein baugleicher Xiaomi YU7 GT mit Track-Paket die Runde in 7:22,755 Minuten.

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Um eine vergleichbare Rundenzeit zum autonomen Rekord zu finden, müssen wir weit in die Vergangenheit zurückblicken: In den 2000er-Jahren zeigte die Stoppuhr nach einer Runde der inzwischen verstorbenen Nürburgring-Legende Sabine Schmitz 10:23 Minuten an. Die professionelle Rennfahrerin und Lokalmatadorin fuhr diese Zeit im Rahmen der britischen TV-Serie Top Gear – allerdings in einem Ford Transit mit rund 130 PS. Noch deutlich länger dauerte die bislang langsamste Nordschleifenfahrt in einem Minicar.
Doch die 10-Minuten-Runde schmälert die Leistung des selbstfahrenden Xiaomi keineswegs. Der autonome Rennsport steckt noch in den Kinderschuhen. Autonome Fahrzeuge werden von den Herstellern in erster Linie auf Sicherheit getrimmt, schnelle Rundenzeiten sind im echten Straßenverkehr kein Kriterium für selbstfahrende Autos.

Fazit

von Raphael Schuderer
Die Rekordfahrt zeigt: Es ist möglich! Und es bleibt wohl nur eine Frage der Zeit, bis autonome Fahrzeuge die Rekorde der menschlichen Fahrer brechen. Einen Vorteil haben sie schon jetzt: Sie sparen sich das Gewicht des Fahrers, im Normalfall mindestens 65 Kilogramm. Und im Rennsport ist geringes Fahrzeuggewicht die halbe Miete! Ein Verzicht auf den Fahrer könnte also in Zukunft schnellere Rundenzeiten ermöglichen.