Viel Jeep Wrangler, ein bisschen Grenadier, eine gehörige Portion Defender und noch ein Hauch G-Klasse: Natürlich denkt man beim BAW 212 erst einmal an einen Klon aus dem Copyshop – und tut dem Charakterdarsteller aus China damit hoffnungslos unrecht. Denn erstens ist er keine schnöde Kopie und kein Best-of seiner westlichen Vorbilder, sondern ein Dauerbrenner, der als Peking Jeep schon 60 Jahre Tradition hat.
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Und zweitens tut er nicht nur so, als wäre er für alle Widrigkeiten gewappnet. Sondern genau wie der Wrangler, der Grenadier, der Defender und die G-Klasse ist er tatsächlich ein Geländewagen aus altem Schrot und Korn und fährt auf Starrachsen, die unter einen Leiterrahmen geschraubt wurden.
Der BAW 212 sieht aus wie ein Mix aus Wrangler, Defender und G-Klasse – hat aber eine eigene Geschichte und mittlerweile 60 Jahre Tradition.
Bild: T. Geiger
War er damit bislang zwar millionenfach, aber lokal stark limitiert in Militärgrün und in Zivil zwischen dem Himalaya und der chinesischen Küste unterwegs, sieht man ihn seit diesem Jahr immer öfter auch in Deutschland.
Denn Großimporteur Indimo, der mittlerweile allein in Deutschland rund 250 Händler mit Tausenden Fahrzeugen aus Fernost beliefert, holt neben den immer gleichen SUV, schnörkellosen Limousinen, praktischen Vans und günstigen Nutzfahrzeugen jetzt auch den Charakterdarsteller aus China. Und wird von der Nachfrage derart überrannt, dass er Neukunden mittlerweile um ein halbes Jahr Geduld bitten muss.

Diesel, Leiterrahmen und zwei Sperren

Zu Preisen ab 41.850 Euro gibt er den Discount-Defender und macht dabei auf knorrigen Kumpel. Wo aller Welt mittlerweile auf Elektroantriebe oder zumindest mehr oder minder stark elektrifizierte Benziner setzt, knurrt hier unter der hohen Haube tatsächlich noch ein Diesel mit zwei Litern Hubraum, 166 PS und 410 Nm, der seine Kraft mittels einer überraschend modernen Acht-Gang-Automatik erst mal an die Hinterachse schickt. Doch wenn es ernst wird, schaltet der Fahrer erst den Allrad, dann die Untersetzung und zur Not auch noch zwei Differenzialsperren dazu. Dann wird der 212er zum Macher im Matsch, der sich vor nichts und niemandem fürchtet.
Diesel statt Elektrotrend: Unter der Haube arbeitet ein 166 PS starker Zweiliter-Diesel mit Achtgang-Automatik.
Bild: T. Geiger
So souverän er über Stock und Stein fährt, so sperrig fühlt sich das Auto allerdings auf der Straße an. Die Starrachsen und die grobstolligen Reifen lassen dich spüren, dass du fährst, und du schwebst nicht wie in so vielen China-SUV völlig entkoppelt und lautlos wie in einem elektrischen Raumschiff über die Landstraße.
Dass bei 160 km/h schon wieder Schluss ist, stört hier deshalb sicher keinen. Viel mehr möchte man vor allem der Lenkung auch nicht zumuten, so sperrig gibt sich der 4,70 Meter lange Viertürer.

Außen Oldtimer, innen Hightech

Dafür überrascht der BAW mit eigenwilligen Details. Denn nur, weil er außen aussieht wie ein fabrikneuer Oldtimer, dem jemand LED-Scheinwerfer ins Gesicht geschraubt hat, ist er innen noch lange nichts für Nostalgiker. Ja, die Schalter sind spürbar grobschlächtig und die Haltegriffe so stabil, dass sie ihren Namen zu Recht tragen.
Außen wirkt der BAW wie ein fabrikneuer Oldtimer, innen überrascht er mit digitalen Instrumenten und großem Touchscreen.
Bild: T. Geiger
Aber weil die Chinesen ihren Dauerbrenner vor drei Jahren erst komplett modernisiert haben, schaut man auf digitale Instrumente, hat einen Touchscreen mit allen wichtigen Apps auf der Mittelkonsole, findet überall USB-Anschlüsse und sitzt auf Sesseln mit Massagefunktion und Klimatisierung.

Mit Seilwinde serienmäßig ins Abenteuer

Die coolsten Extras findet man aber draußen: Weil sie es ernst meinen mit der Abenteuerlust, sind nicht nur alle Autos für Deutschland serienmäßig mit einer Seilwinde ausgestattet, sondern haben auch einen Suchscheinwerfer auf der Motorhaube. Zwar besteht bei diesem Design kaum die Gefahr, irgendwo übersehen zu werden. Doch damit rückt sich der BAW 212 zur Not auch selbst ins Rampenlicht. Und zwar zu Recht.

Fazit

Zum Angeben ist der 212er zwar nichts, weil ihm genau wie dem Lada Niva Ruhm und Renommee seiner westlichen Widersacher fehlen. Aber dafür taugt er tatsächlich für den Dreck. Er kann dort wahrscheinlich auch nicht mehr als Defender, Grenadier, Wrangler oder die G-Klasse, ist aber so günstig, dass er sich fürs Abenteuer nicht zu schade ist. Denn mal ganz ehrlich: Mit den anderen Dreckskerlen für mehr als das Doppelte traut man sich doch ohnehin nur auf den Boulevard.