Bentley Continental Flying Spur Speed vs. Maserati Quattroporte S
Zwei Lichtgestalten

Wo sie auftauchen, scheint die Welt für einen Augenblick stillzustehen. Bentley Continental Flying Spur Speed und Maserati Quattroporte S ziehen jeden in ihren Bann – auf ganz persönliche Art und Weise.
Wie schön, zu Zeiten der Weltkrise, der Sorge, der drohenden Armut, noch einmal in Bentley und Maserati sitzen zu dürfen. So etwa könnte es sich anfühlen, die letzte Zigarette vor der Hinrichtung zu rauchen. Und entsprechend neugierig wird man beäugt, mit diesem Blick, in dem der Verdacht lauert, einer der dubiosen Krisengewinnler zu sein. Von wegen Traumjob Tester. Seltsam fühlt man sich in einem Auto, das so weit entfernt von den eigenen Möglichkeiten ist. Und das nach Verrat an der Sozialgemeinschaft riecht. Es ist keine gute Zeit, sich mit einem 202.062 Euro (Bentley) oder 123.350 Euro (Maserati) teuren Automobil unters Volk zu mischen.
Sein Latino-Charme macht den Quattroporte S einzigartig
Fangen wir deshalb mit dem Preiswerteren an: Quattroporte heißt schlicht "vier Türen." Doch kombiniert mit dem Namen Maserati, wird daraus die Hochzeit von Sportsgeist mit Familiensinn und Mode mit Hightech. Heraus kommt ein duftend ledertapeziertes, heiser bellendes Engelsgesicht, einer der schnellsten Viertürer des Planeten und ein Charakterkopf von einem Auto. Denn allen Konkurrenten – auch dem Bentley – fehlt etwas Grundlegendes gegenüber dem Wagen mit dem Dreizack: der Latino-Charme. Das Theatralische. Der vom Edeldesigner Pininfarina hingegossene Quattroporte ist eine Art rollender Zirkus mit Raubtieren, die unter der Haube brüllen. Jetzt – in der Version S – stecken noch mehr Furien hinter dem Kühlergrill, der passenderweise wie ein Käfig aussieht und hinter dem vielleicht eine Tigertatze hervorlugen sollte. 430 PS sind dahinter nach dem Upgrade eingesperrt. Die stammen aus 4,7 Litern made by Ferrari. Das heißt: niente Turbo, alles tapfer ersaugt. Dazu ist Drehzahl vonnöten.
Der Maserati ist ein Sportwagen im Limousinen-Gewand

Bild: Christian Bittmann
Auch beim Atmosphärischen hält sie die Poleposition. Atmet man in ihr zum ersten Mal tief ein, dann denkt man: Aaahh, so einen Duft-Wunderbaum möchte ich in meinem Auto auch haben. Diese Gerüche nach Leder, Holz, Wolle, ein Paradies für Supernasen – tierisch. Wirklich, denn vegetarisch ist ein Bentley nicht. Elf der schönsten skandinavischen Schwarzbunten müssen ins Gras beißen, um einen voll ausgestatteten Flying Spur zu tapezieren. Besuchen wir den Maschinenraum des Vergnügungsdampfers. Das sechs Liter große W12-Biturbo-Triebwerk hat die Größe eines mittleren Marktplatz-Denkmals und sitzt wie eingegossen unter der Haube. Wir konnten keinen Kubikmillimeter ungenutzten Raums entdecken. Die High Society ist heute nicht mehr so verpäppelt, dass sie das Ticken der Breitling-Uhr als das Lauteste an Bord wünscht. Sie will den vollen Charme einer Steinzeitkeule spüren und durchaus auch etwas hören.
Die Gegner des Flying Spur Speed kommen von Lamborghini und Ferrari

Bild: Christian Bittmann
Beim Verbrauch des Bentley sollte man ein Auge zudrücken können

Bild: Christian Bittmann
Wie fühlt sich das Fahren in Maserati und Bentley an, wenn man die karge Realität auf dem eigenen Konto mal tagträumend ausblendet? Großartig, Wolke 7, sofern man einen Hang zur Selbstdarstellung besitzt. Man wird stets rundum betrachtet. Zum Betrachten laden auch die Cockpits der beiden Luxusliner ein. Der Quattroporte kultiviert im Vergleich das schlichtere Ambiente, paart Klavierlack dezent mit dunklem Leder, lässt zwischendurch aber auch Kunststoff durchblitzen. Beim Bentley wirkt dagegen alles aus dem Vollen gefräst, opulenter und souveräner. Da erinnert nichts an VW, alles ist very British, indeed. Zur Verteidigung des Maserati seien die knapp 80.000 Euro Preisdifferenz angeführt. Dafür gäbe es zum Beispiel einen VW Phaeton, der ja im Grunde nichts anderes ist als ein abgespeckter Bentley. Aber das wissen nur die wenigsten.
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