Billig- gegen Premiumreifen im direkten Vergleich
Sind 300 Euro Ersparnis ein höheres Unfallrisiko wert?

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Wo können Autofahrer noch sparen? Viele denken an günstige Reifen. Warum das eine gefährliche Idee sein kann, zeigt ein Fahrtermin beim Reifenhersteller Continental.
Bild: Henning Scheffen/Continental
Sprit wird immer teurer, die Kosten für Versicherung, Reparaturen und Ersatzteile steigen seit Jahren. Klar, dass Autofahrer nach Wegen suchen, um rund ums Fahrzeug noch etwas Geld zu sparen. Eine Möglichkeit: der Kauf günstiger Reifen. Warum das eine gefährliche Idee sein kann, zeigt der Reifenhersteller Continental bei einem Termin auf dem hauseigenen Testareal nördlich von Hannover.
Warum sind Reifen so wichtig? Sie sind der einzige Kontaktpunkt zwischen Auto und Straße. Sie bestimmen, ob sich ein Fahrzeug auf dem Untergrund festbeißt oder ins Schleudern gerät. Und diese Fläche ist kleiner, als man denkt: etwa so groß wie vier Postkarten. Sie entscheidet darüber, ob es "gerade noch einmal gut geht" – oder ob es zu Blech- oder schlimmstenfalls Personenschäden kommt.
Nasshandling-Teststrecke bringt die Reifen ans Limit
Also auf zum Fahrversuch: Die 1800 Meter lange Nasshandling-Teststrecke auf dem 160 Hektar großen Contidrom stellt jeden Reifen vor große Herausforderungen. Mehr als 7000 kleine Spritzdüsen am Fahrbahnrand setzen den Rundkurs komplett unter Wasser, enge Kurven erzwingen häufige Lastwechsel. Zwei Reifenmodelle treten beim Fahrtest gegeneinander an: Der Sommerreifen Continental PremiumContact 7 (Stückpreis: ca. 173 Euro) muss gegen den asiatischen Sommerreifen Winrun 330R (Stückpreis: ca. 96 Euro) beweisen, dass sich ein Aufpreis von insgesamt 308 Euro pro Reifensatz lohnt.
Der Versuchsaufbau: Die günstigen Asienreifen sind auf einem sportlichen Modell von Audi montiert. Der hochmotorisierte RS 3 (400 PS) verfügt über Allradantrieb, kratzt normalerweise gekonnt die Kurve. Auf den Premiumreifen von Continental steht dagegen ein bodenständiger VW Caddy, klassisches Handwerkerauto mit 102 PS und Frontantrieb. Nacheinander haben wir die Möglichkeit, beide Reifen auf dem glitschigen Parcours zu testen.

Testautos im Reifenduell: Der Audi RS 3 (l.) steht auf günstigen Sommerreifen aus Asien, der VW Caddy auf einem teuren Fabrikat aus deutscher Produktion.
Bild: Henning Scheffen/Continental
Trotz Allrad: Der Billigreifen fühlt sich unsicher an
Zuerst der Audi auf Billigreifen. Ein Schockmoment! Trotz Allrad fühlt sich der RS 3 an wie die Kuh auf dem Eis, versucht mal hinten, mal vorn auszubrechen und lässt sich nur mit geringem Tempo und viel Feingefühl über den Rundkurs bewegen. Der einfachere Caddy fährt im Gegensatz dazu wie auf Schienen. Trotz etwas höherem Tempo fühlt sich die Fahrt sicher an, Lenkkorrekturen sind deutlich seltener nötig, das Auto bleibt berechenbar. Ein gewaltiger Unterschied, den idealerweise jeder Autofahrer einmal selbst erleben sollte.

AUTO BILD-Redakteur Raphael Schuderer im Test-Caddy. Der Hochdachkombi trägt das Emblem eines fiktiven Handwerksbetriebs – kleines Späßchen der Continental-Veranwortlichen.
Bild: Henning Scheffen/Continental
Zahlen von Continental untermauern den Fahreindruck: Geschulte Testfahrer bewegten beide Fahrzeuge über den Nasskurs mit dem Ziel, die schnellste Rundenzeit zu erzielen. Der Caddy auf hochwertigen Gummis umrundete die Teststrecke in 87,5 Sekunden, der viel stärkere RS 3 brauchte mit Billigschlappen 95,5 Sekunden – acht Sekunden mehr. Zum Vergleich: Steht auch der Audi auf dem Conti-Reifen, sinkt seine Rundenzeit auf 81 Sekunden.
"Uns geht es nicht darum, Mitbewerber schlechtzumachen. Unser Ziel ist es, aufzuzeigen, dass es im Markt große Qualitätsunterschiede gibt", erklärt Philipp Must aus der Forschung und Entwicklung bei Continental. "Günstigere Reifen können im Alltag funktionieren, zeigen aber im Grenzbereich klare Schwächen. Das kann für Autofahrer im Ernstfall entscheidend sein."
Reifentests trennen die Spreu vom Weizen
Damit Autofahrer jederzeit sicher fahren, testet AUTO BILD regelmäßig mit großem Aufwand das aktuelle Reifenangebot. Wichtig zu wissen: Die schlechtesten Produkte tauchen gar nicht erst in den Bestenlisten auf, sondern werden bereits vorher ausgesiebt. Wer beim Reifenkauf nur auf den Preis schaut, spart zwar kurzfristig Geld – kann im Straßenverkehr aber zum Risiko für sich und andere werden.
Denn auch wenn sie alle schwarz und rund sind: Die Unterschiede beim Fahrverhalten können enorm sein. Deshalb gilt: Augen auf bei der Reifenwahl!
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