Radarfallen lassen offenbar nicht nur das Konto von Autofahrern schrumpfen, sondern bei manchen auch das Denkvermögen. Anders ist es kaum zu erklären, dass immer wieder Raser zu wahren Blitzer-Hassern mutieren. Das war 2020 nicht anders. Los ging es Anfang des Jahres mit einem 20-jährigen Mini-Fahrer. Der montierte Mitte Januar im Kreis Ludwigsburg (Baden-Württemberg) kurzerhand Teile einer mobilen Blitzanlage ab und versenkte sie in einem Baggersee. Dumm nur, dass die Kameras und Speichermedien mit den belastenden Fotos im verschont gebliebenen Rest der Messanlage steckten. Die Geschwindigkeitsübertretung betrug übrigens nur wenige km/h.Rächen wollte sich offenbar auch ein 23-Jähriger aus dem Oberbergischen Kreis in Nordrhein-Westfalen – und zwar an seinem Chef. Im Glauben, diesem als Besitzer des Tatwagens zu schaden, ließ sich der führerscheinlose Mann im November gleich 20 Mal absichtlich blitzen (Bild oben). Dabei fuhr er mit seinem Ford Fiesta bis zu 57 km/h zu schnell – und zeigte Grimassen, seinen gestreckten Mittelfinger oder einen Döner in die Kamera. Dummerweise ging die Rechnung nicht auf: Per Zufall wurde er identifiziert und musste wie jeder am Steuer sitzende Raser seine vielen Knöllchen selber zahlen.

Ein Finger kostet 1500 Euro Bußgeld

Blitzer
Rasern ist beim Anblick eines Blitzers nicht nach Lachen zumute – manche übertreiben es allerdings.
Den geforderten Gesamtbetrag für den Mann aus NRW kennen wir nicht, er dürfte aber richtig wehgetan haben. Denn ein anderer Fall aus der Nähe von Kulmbach in Oberfranken zeigt, wie teuer schon eine einzige falsche Handbewegung werden kann: Dort schaffte es ein 26-Jähriger mit seinem BMW X5, das Bußgeld wegen eines Geschwindigkeitsverstoßes auf das Fünfundsiebzigfache zu erhöhen! Er wurde auf der dortigen B 289 in Fahrtrichtung Mainleus im April 2020 mit 81 statt der erlaubten 70 km/h geblitzt, was schlappe 20 Euro Bußgeld gemacht hätte. Da die Messbeamten der Verkehrspolizei Bayreuth den ausgestreckten Mittelfinger auf dem Blitzerfoto jedoch gar nicht witzig fanden, zeigten sie den Temposünder an – und das Amtsgericht Kulmbach verhängte wegen Beleidigung eine Strafe von 1500 Euro sowie ein einmonatiges Fahrverbot. Wollen wir hoffen, dass diese rasenden "Wutbürger" für das neue Jahr gute Vorsätze gefasst haben. Und diese auch umsetzen.
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