Es sollte ein entspannter Urlaub werden. Mit Dachbox, Zelt sowie zwei Hunden brachen Eileen R. (31) und Mutter Sonja (58) von Hamburg nach England auf. Statt der geplanten Stopps auf vorgebuchten Campingplätzen verbringen die Porsche-Fahrerinnen allerdings zehn Tage in Werkstätten. Und das nur, weil die Klappe vom Schnellladeanschluss ihres elektrischen Macan 4S Electric (448 PS, Listenpreis 118.251 Euro) klemmt.
Porsche Macan Electric
Da fuhr er noch: Porsche Macan auf Campingreise in England.
Bild: privat
Der Elektro-Alptraum beginnt am zweiten Urlaubstag mit Fehlermeldungen im Cockpit. Eine Porsche-Werkstatt liest das Steuergerät aus, schickt den Macan wieder auf die Reise. Doch der Fehler tritt erneut auf, und beim nächsten Ladestopp blockiert die Klappe endgültig.

Krisengespräche statt Ferienglück

Was in den nächsten Tagen folgt, ist das Gegenteil von Erholung: Gespräche mit Mechanikern, Suche nach Hotelzimmern, Telefonate mit Abschleppunternehmen und der Kundenhotline. Die Porsche Assistance (Slogan: "Mobilität und Sicherheit auf Abruf") habe komplett versagt, klagt Sonja R. "Einzelne Mitarbeiter sind bemüht, aber es gibt krasse Kommunikationspannen und keinerlei koordiniertes Vorgehen." So stand das gestrandete Luxus-SUV anfangs zwei Tage sinnlos in einem Depot, anstatt in die Vertragswerkstatt gebracht zu werden.
Porsche Macan Electric
Gestrandet im nordenglischen Carnforth: Sonja R. mit Boxer Pia und Dackel Fräulein Schmidt.
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Inzwischen bemüht sich das Porsche Centre South Lakes im nordenglischen Carnforth um den Pflegefall. Bislang vergebens. Ein kompletter Neustart des Fahrzeugs brachte ebenso wenig wie ein Austausch der Ladeklappen-Stellmotoren.
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Die Ladeklappe gleitet beim Porsche Macan seitlich in die Karosserie – ebenso wie bei seinem Technikbruder Audi Q6 e-tron.
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Anders als bei anderen Autoherstellern klappt der Stromanschluss-Deckel beim Porsche nicht einfach auf, sondern gleitet seitlich unters Blech. Das sieht cool aus, aber im Notfall lässt sich der Verschluss nicht ohne Weiteres abmontieren, denn seine Funktion ist eng mit der Bordelektronik verknüpft. Andere E-Autos haben weniger komplexe Lösungen, einige sogar eine mechanische Klappenbetätigung (z. B. VW, Polestar).

Im Notfall geht nur Langsamladen

Auf Anfrage erklärt Porsche, die Ladeklappe lasse sich im Notfall öffnen – dazu müsse man die lackierte Blende vom Trägerteil abklipsen. "Dadurch entsteht eine entsprechende Aussparung, durch die man den Ladestecker stecken kann. Es ist dann nur AC-Laden möglich, da der größere DC-Ladestecker nicht durch die Aussparung passt", so der Autohersteller. Mit anderen Worten: Laden geht nur noch im Schneckentempo mit 11 kW, die Heimreise mit dem gestrandeten Macan würde Tage dauern.
Porsche Macan Electric
Der Macan hat zwei Ladeklappen, die fürs Schnellladen sitzt links.
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"Fliegen können wir mit den Hunden nicht, und im Eurostar-Zug sind sie verboten", sagt Eileen R. "Den Mietwagen müssen leider wir in England abgeben, wir werden uns also in Dover abholen lassen."

Zurück nach Deutschland ohne Porsche

Ihr Porsche Macan 4S Electric steht derweil immer noch in der Werkstatt. Sogar die Porsche-Entwicklungsabteilung aus Stuttgart hat sich eingeschaltet, um den britischen Schraubern zu helfen. "Der Fehler wird in den Tiefen des Steuergeräts und seiner Software liegen", vermutet ein Technikexperte gegenüber AUTO BILD. "Wenn solche rollenden Computer mal alt werden, kann sie niemand mehr reparieren." Aktuell nicht mal Porsche selbst.