BMW 1er/Mini Countryman: Test
Mini Countryman greift den BMW 1er an

Mini statt BMW fahren? Das war bislang keine Frage. Doch der Countryman kommt dem 1er so nahe, dass BMW-Kunden ans Umsteigen denken können. AUTO BILD hat die beiden verglichen.
- Joachim Staat
Und nun der wichtigste Fahreindruck vom neuen Countryman: Die Leute gucken. Sie drehen die Köpfe, lupfen die Sonnenbrillen, und Mini-Fahrer hängen sich an die Stoßstange wie Paparazzi, nur um das Zwerg-SUV ausgiebig zu begaffen. Zugegeben, Hamburg ist Mini-Hochburg. Doch schon nach den ersten Kilometern steht zweifelsfrei fest, dass der Countryman den wichtigsten Treibstoff eines Mini bis unter die hohe Dachkante getankt hat: Aufmerksamkeit! Das liegt weniger an den 1,56 Meter Höhe, womit der XL-Mini den 1er-BMW um einen halben Kopf überragt, als am Design. So stark hat lange keine Neuheit polarisiert, in der Redaktion stehen sich Gegner (in der Überzahl) und die "Gar nicht mal schlecht"-Fraktion erbittert gegenüber.
Überblick: Alle News und Tests zum Mini Countryman
Ist das noch ein Mini? Verwässert das SÜVchen die Marken-Werte? Nein oder ja, dazwischen gibt es nichts. Dieser Mini lässt niemanden kalt, ein Nobody wird der garantiert nicht. Sagen wir’s so: Der Countryman ist der Cayenne von Mini. Wie bei Porsche das erste SUV der Marke, eine geschmackliche Grenzüberschreitung und zugleich ein Hingucker für Markenneulinge, die Mini bislang nicht auf dem Radar hatten – weil ihr Orthopäde vom tiefen Einstieg ins Original abriet. Genau diese Neukunden sehen den Countryman mit anderen Augen, ganz ideologiefrei: Da steht also ein Kleinwagen im Polo-Format, dem der jugendhafte Charme aus den Kulleraugen blitzt und der in rückenfreundlicher Höhe zum bequemen Sitzen einlädt. Die Türen öffnen weit und hoch, der Fahrer hockt neun Zentimeter erhabener als im fünftürigen 1er, den wir im Vergleich fahren. Das kann den Unterschied ausmachen zwischen "Aua" und "Ahh".
Überblick: Alle News und Tests zum BMW 1er

Bild: Toni Bader
Wo der 1er das sportlichschwarze Interieur der Edition "Lifestyle" mit braunen Dekorleisten und Stoffbezügen aufpeppt, zeigt der Mini das gleiche bunte Glitzer-Cockpit wie seine Brüder: Pizza-Tacho, glänzende Mensch-ärgere-Dich-nicht-Hebelchen in der Mittelkonsole und als letzter Schrei eine Schiebeleiste ("Center Rail") für allerlei Ablagen – die braucht der Mensch so dringend wie gebratene Heuschrecken. Wer's mag, bitte. Mini-vertraute Aufsteiger werden damit sofort klarkommen, genauso wie mit den haltlosen Sitzchen und dem lebendigen 1,6-Liter-Turbo. Der kleine Reißer verliert unter den 1380 Kilo des Countryman zwar einiges an Feuer, doch es reicht, um den Zweiliter aus dem 120i als müden Hund zu entlarven. Vor allem unten und in der Mitte, wo die Drehzahlnadel im Alltag oft herumpendelt, hat der Countryman die deutlich stärkeren Waden. Erst oben, jenseits der 4000 Touren, fährt der 1er (Spitze 224 km/h) dem Countryman (210 km/h) davon.
Auch im Mini Countryman kommt das markentypische Kart-Gefühl auf

Bild: Toni Bader
Rund 40 Prozent aller Käufer, so rechnet Mini, werden zum Cooper mit 122 PS (für 22.500 Euro) greifen. Der lässt genug Luft für die preistreibende Vielfalt von Extras. Jetzt werden wieder Mini-Prospekte unters Kopfkissen gelegt, um nächtelang die Aufpreislisten studieren zu können. Erstes Resultat: Der Cooper S All4 für 27.900 Euro ist mit Allradantrieb, serienmäßiger Klimaanlage und Sportsitzen besser ausgestattet als ein 120i. Jede Wette: Das gibt demnächst beim BMW-Händler ein buntes Umsteigen und Vergleichen.
Technische Daten BMW 120i • Vierzylinder, vorn längs • vier Ventile pro Zylinder • Hubraum 1995 cm³ • Leistung 125 kW (170 PS) bei 6700/min • max. Drehmoment 210 Nm bei 4250/min • Hinterradantrieb • Sechsganggetriebe • Kofferraumvolumen 330–1150 l • Tankinhalt 53 l • Leergewicht 1290 kg • Zuladung 500 kg • 0–100 km/h 7,7 s • Höchstgeschwindigkeit 224 km/h • EU-Mix 6,6 l Super/100 km • CO2 153 g/km • Preis 27.150 Euro.
Technische Daten Mini Countryman Cooper S All4 • Vierzylinder Turbo, vorn quer • vier Ventile pro Zylinder • Hubraum 1598 cm³ • Leistung 135 kW (184 PS) bei 5500/min • max. Drehmoment 240 Nm bei 1600/min • Allradantrieb • Sechsganggetriebe • Kofferraumvolumen 350–1170 l • Tankinhalt 47 l • Leergewicht 1380 kg • Zuladung 460 kg • 0–100 km/h 7,9 s • Höchstgeschwindigkeit 210 km/h • EU-Mix 6,7 l Super/100 km • CO2 157 g/km • Preis 27.900 Euro.
Technische Daten BMW 120i • Vierzylinder, vorn längs • vier Ventile pro Zylinder • Hubraum 1995 cm³ • Leistung 125 kW (170 PS) bei 6700/min • max. Drehmoment 210 Nm bei 4250/min • Hinterradantrieb • Sechsganggetriebe • Kofferraumvolumen 330–1150 l • Tankinhalt 53 l • Leergewicht 1290 kg • Zuladung 500 kg • 0–100 km/h 7,7 s • Höchstgeschwindigkeit 224 km/h • EU-Mix 6,6 l Super/100 km • CO2 153 g/km • Preis 27.150 Euro.
Technische Daten Mini Countryman Cooper S All4 • Vierzylinder Turbo, vorn quer • vier Ventile pro Zylinder • Hubraum 1598 cm³ • Leistung 135 kW (184 PS) bei 5500/min • max. Drehmoment 240 Nm bei 1600/min • Allradantrieb • Sechsganggetriebe • Kofferraumvolumen 350–1170 l • Tankinhalt 47 l • Leergewicht 1380 kg • Zuladung 460 kg • 0–100 km/h 7,9 s • Höchstgeschwindigkeit 210 km/h • EU-Mix 6,7 l Super/100 km • CO2 157 g/km • Preis 27.900 Euro.
Fazit
Der Golf aus München, hinten etwas eng, dafür eine feine Fahrmaschine mit allerdings saftigen Preisen – hier ist eben Sportsgeist gefragt. Dem BMW 1er fehlen der flotte Motor des Mini und der Reiz des Neuen. Den bietet das kleine SUV, mit typisch hohen Sitzen, besserer Sicht und Allrad (der nicht sein muss). Auf den Countryman schielen nicht nur ältere, solvente Käufer – denn dieser Mini wird eines der angesagten Modeautos der Saison 2011.
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