Geht's noch? Oder sind die bei AUTO BILD jetzt komplett irre? Da lassen die einen Mazda6 gegen einen BMW 3er antreten. Der Japaner ist gefühlt auf dem Stand von 2017 stehen geblieben, der BMW hat sein letztes Facelift im vergangenen Jahr bekommen. 
Ja, das ist richtig, aber ganz so einfach machen wir es uns natürlich nicht. Denn die in die Jahre gekommene Limousine aus dem Land der aufgehenden Sonne ist ein durch und durch solides Auto, das sich ob der über Jahrzehnte gesammelten Erfahrungen nicht verstecken muss.
Den Japaner gibt es ausschließlich mit dem großen 2,5-Liter-Benziner. Der erfreut im Teil­lastbereich mit einer Zylinderabschaltung und leistet ordentliche 194 PS. 

Zwei Limousinen im Test

#Getestete ProduktePreis
1.
Testsieger
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Der BMW fährt als 320i mit einem turbounterstützten Vierzylinder, der 184 PS bereitstellt. Die unterschiedliche Philosophie beider Fahrzeuge wird beim Drehmoment klar. Während der Bayer seine maximale Kraft von 300 Newtonmetern bereits ab 1350 Kurbelwellenumdrehungen an den Start bringt, liegen die 258 Newtonmeter des Mazda erst ab 4000 Touren an. 
Wer es also liebt, mit Schmackes von der Kreuzung zu schießen, das Heck ein bisschen wedeln lassen will, um in 7,9 Sekunden Tempo 100 zu erreichen, der ist mit dem 320i bestens bedient. Wer keine Gummistreifen auf den Asphalt malen muss, kommt mit dem Mazda nach 8,4 Sekunden nicht wesentlich langsamer auf Landstraßentempo.
Ein schöner Rücken kann auch entzücken. Ob der vom Mazda6 oder der vom BMW 320i besser gefällt, ist Geschmackssache.


Bild: Christoph Börries / AUTO BILD

Während der BMW seine sportliche Attitüde beim Start auch lautmalerisch zum Besten gibt, bleibt der Japaner zurückhaltend, wirkt dann aber im oberen Tempo­bereich etwas rauer als der Bayer. In dessen Innenraum ist bis Tempo 150 eigentlich gar nichts zu hören, außer dem Windspiel an den Außenspiegeln. 
Auch in der Endgeschwindigkeit nehmen sich die beiden nicht viel. Der Mazda6 wird auf Wunsch 223 km/h schnell, der BMW 320i bringt es mit ausreichend Anlauf auf Tempo 235. 

Der Punkt für Fahrdynamik geht an den 3er

Die Spreu trennt sich vom Weizen, wenn es um die Fahrdynamik geht. Hier ist der Bayer nicht nur ob seines M-Pakets im Vorteil. Der BMW hat eine Lenkung, die auf den Punkt arbeitet, die Sport-Automatik schaltet über acht Stufen und ist zielsicherer beim Verteilen der Kräfte als die Sechs­stufenautomatik des Mazda. 
Die Sportbremsanlage bringt den 320i mit kalten Scheiben nach guten 34,8 Metern zum Stehen, während der mit knapp 1,6 Tonnen nahezu gleich schwere Japaner erst nach mittelmäßigen 38,2 Metern zum Halten kommt.

Fahrzeugdaten

Fahrzeugdaten
Motor Bauart/Zylinder
Vierzylinder, Turbo
Vierzylinder
Einbaulage
vorn längs
vorn quer
Ventile/Nockenwellen
4 pro Zylinder/2
4 pro Zylinder/2
Nockenwellenantrieb
Kette
Kette
Hubraum
1998 cm³
2488 cm³
kW (PS) bei 1/min
135 (184)/5000
143 (194)/6000
Nm bei 1/min
300/1350
258/4000
Vmax
235 km/h
223 km/h
Getriebe
Achtstufenautomatik
Sechsstufenautomatik
Antrieb
Hinterradantrieb
Vorderradantrieb
Bremsen vorn/hinten
Scheiben/Scheiben
Scheiben/Scheiben
Testwagenbereifung
225/40–255/35 R 19 Y
225/45 R 19 W
Reifentyp
Michelin Pilot Sport 4S
Bridgestone Turanza T005 A
Radgröße
8–8,5 x 19"
7,5 x 19"
Abgas CO2
152 g/km
168 g/km
Verbrauch*
6,8 l
7,4 l
Tankinhalt
59 l
62 l
Kraftstoffsorte
Super
Super
Ottopartikelfilter
Serie
Vorbeifahrgeräusch
66 dB(A)
67 dB(A)
Anhängelast gebr./ungebr.
1600/750 kg
1500/680 kg
Stützlast
75 kg
75 kg
Kofferraumvolumen
480 l
480 l
Länge/Breite/Höhe
4713/1827–2068**/1440 mm
4780/1840–2090**/1450 mm
Radstand
2851 mm
2830 mm
Grundpreis
50.700 Euro
43.050 Euro
Testwagenpreis (wird gewertet)
58.280 Euro
48.650 Euro

In flott gefahrenen Kurven überzeugt der BMW mit Hinterradantrieb mehr als der Mazda mit dem immer etwas zum Untersteuern neigenden Frontantrieb und der bei Weitem nicht so verwindungssteifen Karosserie. 
Aber noch mal: Der Mazda6 will kein Sportwagen sein. Sein Claim ist seit seiner Einführung das "ZoomZoom". Sie erinnern sich? Stilvoll sollte es ab 2002 über die Piste gehen. Und genau das kann der 4,78 Meter lange Japaner in der Jubiläumsausstattung 20th Anniversary auch 21 Jahre später. 

Gefällige Linien gegen bösen Blick

Für 48.650 Euro zählt das, neben dem ZoomZoom, seinerzeit erfundene Kodo-Design ebenso zu den Lieferumfängen wie die Sonderlackierung Artisan Red. Muss man mögen. Denn neben dem 3er mit dem bösen M-Blick in Dravitgrau metallic wirkt das schon etwas onkelig. Dennoch, die Linien sind nach dem letzten Facelift 2017 auch heute gefällig, und in der Editionsausführung ist alles drin, was sich der Fahrer für die gepflegte Kurz- oder Langstrecke wünscht.
Im Mazda6 hat das digitale Zeitalter noch keinen Einzug gefunden. Dennoch wirkt alles wertig und ist charmant zurechtgemacht.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Hellbraune Sitzbezüge aus Nappaleder, das mit perforiertem Leganu-Vegan-Wildleder kombiniert wurde. Den Kontrast dazu liefern ein schwarzer Dachhimmel sowie schwarze Holzapplikationen. Und es gibt, man möge dieses Retroteil ebenso wenig unterschätzen wie die analogen Rundinstrumente, ein Glashubschiebedach.
Die Sitze im Mazda6 sind eher auf kuschlige Langstrecke als auf sportlichen Ritt ausgelegt. In der zweiten Reihe gibt es ausreichend Platz.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Weiterhin im Preis enthalten ein Bose-Soundsystem, ein Ma­trix-LED-Lichtsystem und eine LED-Innenraumbeleuchtung mit Ambientelicht, elektrisch einstellbare Vordersitze, Sitzheizung vorne und hinten (außen) sowie Sitzbelüftung vorne. Dazu ein 360-Grad-Monitor, eine radargestützte Geschwindigkeits-Regelanlage mit erweiterter Stauassistenzfunktion sowie das Mazda-Connect-System mit Apple CarPlay (kabellos) und Android Auto. 

Drehdrücksteller für alle

Natürlich hat der BMW 320i das auch alles. Hinzu kommt ein sehr moderner Innenraum mit zwei als sogenanntes Curved Display angeordneten Digitaleinheiten, auf denen alle fahrrelevanten Daten und vieles darüber hinaus gestochen scharf präsentiert wird. So auch die rote Ampel oder das Stoppschild. Die Bedienung erfolgt über den iDrive-Controller oder über den zentralen Touchscreen. 
Hochmodern, sehr gut verarbeitet und tolle Materialien zeichnen den Innenraum des BMW 320i aus.


Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Berührungsführung ist dem Mazda-Bildschirm währende der Fahrt fremd. Die funktioniert nur im Stand. Würde aber ohnehin nicht viel bringen, denn erstens ist er zu weit vom Fahrer entfernt, zweitens nicht größer als ein aktuelles Smartphone. Insofern erfolgt die Bedienung wie gehabt und vertraut über den Drehdrücksteller in der Mittelkonsole, der dem im BMW so ähnlich ist, dass man sich fragt, wer vor Jahr und Tag wohl von wem gelernt hat.

Messwerte

Messwerte
Beschleunigung
0–50 km/h
2,8 s
3,1 s
0–100 km/h
7,9 s
8,4 s
0–130 km/h
13,4 s
13,4 s
0–160 km/h
21,2 s
21,1 s
Zwischenspurt
60–100 km/h
4,5 s
4,4 s
80–120 km/h
5,8 s
5,4 s
Leergewicht/Zuladung
1564/506 kg
1565/530 kg
Gewichtsverteilung v./h.
50/50 %
60/40 %
Wendekreis links/rechts
11,5/11,5 m
12,0/12,0 m
Sitzhöhe
520 mm
555 mm
Bremsweg
aus 100 km/h kalt
34,8 m
38,2 m
aus 100 km/h warm
33,4 m
37,2 m
Innengeräusch
bei 50 km/h
57 dB(A)
56 dB(A)
bei 100 km/h
63 dB(A)
64 dB(A)
bei 130 km/h
67 dB(A)
68 dB(A)
bei 160 km/h
70 dB(A)
72 dB(A)
Verbrauch
Sparverbrauch
6,1 l S/100 km
6,4 l S/100 km
Testverbrauch Durchschnitt der 155-km-Testrunde (Abweichung zur WLTP-Angabe)
7,7 l S/100 km (+13 %)
8,0 l S/100 km (+8 %)
Sportverbrauch
10,7 l S/100 km
10,9 l S/100 km
CO2 (Testverbrauch)
182 g/km
190 g/km
Reichweite (Testverbrauch) 765 km 760 km
Den 320i können die Insassen auch ansprechen. Mit "Hey BMW" lassen sich hier nicht nur Ziele eingeben oder Radiosender suchen, es können die Sitzheizung aktiviert, die Klimaanlage eingestellt oder die Fenster geöffnet werden.
Sportsitze, die ihren Namen verdienen und gute Sitzverhältnisse im Fond erfreuen Passagiere im BMW 320i.

Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Wer mit dem Mazda reden will, wird schnell davon Abstand nehmen, denn die Verständigung ist von vielen Missverständnissen begleitet. Klare Informationen gibt es dafür über das Head-up-Display, das im Japaner Serie ist. 
Aber auch hier fliegt der BMW weit voraus. Größer, schärfer und mit detailreichen Navigationseinblendungen ist der Bayer schon im 21. Jahrhundert angekommen. 

Alles auf Augenhöhe? Nicht beim Preis!

Ans Ziel kommt man aber auch mit dem Mazda6. Nicht so sparsam wie mit dem BMW, denn der verbraucht auf der AUTO BILD-Teststrecke lediglich 6,8 statt 7,4 Liter Super, aber insgesamt ist auch das nahezu auf Augenhöhe. 
Nicht mehr auf Augenhöhe ist der Preis. Denn all die zeitgemäßen Beigaben des 320i lassen sich die Münchner entsprechend bezahlen, sodass der Preis unseres Testwagens am Ende bei 58.280 Euro liegt. Das sind dann 9630 Euro mehr, als für den vollausgestatteten Mazda6 aufgerufen werden. Wahrlich keine Kleinigkeit. 
Der BMW liegt mit seinen technischen Finessen und seinem fahrerischen Können in der Endauswertung nach Punkten klar vorne. Dennoch ist der Mazda6 eine durchaus solide und auch attraktive Alternative, die sich bei den verwendeten Materialien und der Verarbeitung nicht vor dem Bayern verstecken muss.

Fazit

Sportlich ­orientierten Fahrern muss man den ­Mazda6 nicht ans Herz ­legen. Die werden beim BMW 320i landen. Aber für jene, die den gediegenen Luxus ­lieben, gute Verarbeitung schätzen, nicht mit Dauer­feuer über die Autobahn preschen müssen und auch auf das eine oder andere zeit­gemäße Gadget verzichten können, ist der Japaner eine echte ­Alternative.