Hoffnung durch Hightech? In kaum ein Auto mit Stern wurden derart hohe Erwartungen gesetzt wie in den neuen elektrischen CLA.

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Mercedes-Benz CLA EQ

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Nachdem die kurzzeitige Luxusstrategie ebenso zur Markengeschichte zählt wie die EQ-Modellnamen, soll die Limousine nun zeigen, dass Mercedes technisch seine Hausaufgaben gemacht hat.

Nur der CLA hat ein 800-Volt-System

Bewaffnet mit 800-Volt-System, 85-kWh-Akku und über 700 Kilometer WLTP-Reichweite geht es nun also in die Landstraßenschlacht. Die Gegner heißen BMW i4 Gran Coupé eDrive40 und Tesla Model 3 Maximum Range.
Mercedes CLA 250+
Geschliffen: Mit der nach vorn abfallenden Front verbessert Mercedes die Aerodynamik des CLA – gut für Verbrauch und Reichweite.
Bild: Tom Salt / AUTO BILD
Dass die CLA-Ingenieure bei der Aerodynamik viel Aufwand betrieben haben, ist an der nach vorn abfallenden Haube, einer bogenförmigen Dachlinie und kleineren Außenspiegeln (der CLA ist insgesamt der Schmalste im Feld) gut zu erkennen. Als erster Elektro-Mercedes besitzt der CLA außerdem einen 101 Liter großen Frunk, der genug Platz fürs Ladekabel bietet, sich jedoch ausschließlich mechanisch im Fahrerfußraum entriegeln lässt.

Mercedes mit dem engsten Raumgefühl

Innen wirkt der CLA am engsten – nicht nur subjektiv, sondern auch gemessen. Innenhöhe und -breite fallen in beiden Reihen am geringsten aus. Trotz der größten Sitzhöhe im Test integriert er Fahrer und Beifahrer natürlicher ins Auto als das Model 3, weil das Armaturenbrett etwas angehoben wurde. Die Bildschirme liegen dennoch leicht zu tief.
Mercedes CLA 250+
Das steil stehende Armaturenbrett des CLA braucht Gewöhnung, vor allem auf das mittlere Display blickt man zu weit herab.
Bild: Tom Salt / AUTO BILD
Als AMG Line bringt der CLA sportlich konturierte, eher straff gepolsterte Sitze mit, die Materialien wirken hochwertig, wenngleich Details wie die Sitzverstellknöpfe in der Tür oder die angestrengt surrenden Stellmotoren der Sitze weniger edel erscheinen.

Fahrzeugdaten

Fahrzeugdaten
Motor Bauart
Synchronelektromotor
Synchronelektromotor
Synchronelektromotor
Einbaulage
hinten
hinten
hinten
Spitzenleistung
250 kW (340 PS)
200 kW (272 PS)
235 kW (320 PS)
Dauerleistung
105 kW (143 PS)
145 kW (197 PS)
90 kW (122 PS)
maximales Drehmoment
430 Nm
335 Nm
450 Nm
Vmax
190 km/h
210 km/h
201 km/h
Getriebe
Einganggetriebe
Zweiganggetriebe
Einganggetriebe
Antrieb
Hinterradantrieb
Hinterradantrieb
Hinterradantrieb
Bremsen vorn/hinten
Scheiben/Scheiben
Scheiben/Scheiben
Scheiben/Scheiben
Testwagenbereifung
245/40–255/40 R 19 Y
225/45–255/40 R 18 W
235/45 R 18 V
Reifentyp
Hankook iON Supreme
Michelin Pilot Sport 5
Michelin e.Primacy
Radgröße
8,5–9 x 19"
7,5-9 x 18"
8,5 x 18"
Reichweite*
594 km
711 km
750 km
Verbrauch*
15,5 kWh
13,8 kWh
13,6 kWh
Batterieart
Lithium-Ionen
Lithium-Ionen
Lithium-Ionen
Batteriekapazität nutzbar
81,3 kWh
85 kWh
ca. 79 kWh
Ladeleistung AC/DC
11/205 kW
11 (optional 22)/320 kW
11/250 kW
Ladezeit (10-80 %; DC-Ladung)
30 Minuten
22 Minuten
k. A. (15 Minuten für 311 km)
Fach unter Frontklappe
S
S
Vorbeifahrgeräusch
67 dB(A)
67 dB(A)
65 dB(A)
Anhängelast gebr./ungebr.
1600/750 kg
1500/750 kg
1000/750 kg
Stützlast
75 kg
80 kg
100 kg
Kofferraumvolumen
470–1290 l
405 l + 101 l vorn
594 l + 88 l vorn
Länge/Breite/Höhe
4783/1852–2073**/1442 mm
4723/1855–2021**/1468 mm
4720/1850–2089**/1440 mm
Radstand
2856 mm
2790 mm
2875 mm
Grundpreis
60.600 Euro
55.859 Euro
44.990 Euro
Testwagenpreis (wird gewertet)
69.570 Euro
66.516 Euro
44.990 Euro
Der BMW sammelt im Karosseriekapitel die meisten Punkte. Seine große Fließheckklappe macht ihn im Alltag am praktikabelsten, und die Wahlmöglichkeit zwischen Touchscreen und iDrive-Controller bleibt ein klarer Bedienvorteil. Auch die Verarbeitung wirkt am hochwertigsten: Selbst grobes Kopfsteinpflaster entlockt dem i4 kaum Geräusche.

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BMW i4

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Im Tesla überzeugen das luftige Raumgefühl und das gute Platzangebot. Die reine Bildschirmbedienung ist Geschmackssache, funktioniert aber nach etwas Eingewöhnung durchaus flüssig. Die Sitze sind weicher und schaumiger gepolstert, aber nicht zwingend bequemer als bei der Konkurrenz, vorn fehlen mehr Beinauflage sowie ein Head-up-Display. Top: Der Frunk lässt sich elektrisch öffnen – auch per App.
Tesla Model 3 Maximale Reichweite RWD
Typisch Tesla: Auch im Model 3 gibt es ein stark reduziertes Cockpit, an dessen Ergonomie man sich erst gewöhnen muss.
Bild: Tom Salt / AUTO BILD
Bei der Konnektivität hat Mercedes investiert: Die neue Sprachsteuerung kombiniert verschiedene KI-Systeme, fasst etwa Google-Rezensionen von gesuchten Zielen zusammen, versteht frei formulierte Anfragen, ermöglicht natürliche Dialoge und besitzt ein Kurzzeitgedächtnis für Rückfragen.
Der BMW rangiert hier im Mittelfeld und ruft zumindest Fahrzeugeinstellungen treffsicher auf. Der Tesla fällt ab: Er antwortet nicht sprachlich, sondern blendet nur Text ein. Bei komplexeren Befehlen erscheint oft: "Befehl nicht verstanden". Die KI "Grok" ist in Deutschland bislang nicht verfügbar und steuert auch in den USA noch keine Fahrzeugfunktionen.

Model 3 ist über die Jahre gereift

Auf der Straße zeigt sich, wie stark Tesla das Model 3 im Laufe von acht Jahren Bauzeit überarbeitet hat. Wind- und Abrollgeräusche fallen geringer aus als früher, nur der BMW bleibt auf der Autobahn noch leiser. Das Fahrwerk ist straff, aber nicht mehr bretthart, wirkt allenfalls bei höheren Tempi etwas taumelig. Ein Blinkerhebel ist wieder an Bord.

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Tesla Model 3

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Die Lenkung reagiert nach wie vor sehr direkt und um die Mittellage etwas zappelig, aber nicht mehr ganz so nervös. Auch Verarbeitung und Spaltmaße sind inzwischen überzeugend; mit Ausnahme der etwas ungleichmäßig eingepassten Fronthaube gab es beim in Shanghai gebauten Testwagen wenig zu kritisieren. Unpraktisch bleibt der weit ausladende und scharfkantige Kofferraumdeckel.
Tesla Model 3 Maximale Reichweite RWD
In Details verbessert: Das Model 3 hat viel von seiner Fahrwerkshärte verloren, Wind- und Abrollgeräusche sind zudem leiser geworden.
Bild: Tom Salt / AUTO BILD
Der CLA besitzt keine adaptiven Dämpfer, federt und dämpft aber dennoch souverän und mit wenig Wankbewegungen. Seine Lenkung wirkt etwas nervös um die Mittellage, insbesondere wenn der Spurhalteassistent ausgeschaltet ist.

Messwerte

Messwerte
Beschleunigung
0–50 km/h
2,5 s
2,9 s
2,4 s 
0–100 km/h
5,6 s
6,6 s
5,4 s 
0–130 km/h
8,5 s
10,7 s
8,3 s 
0–160 km/h
12,6 s
15,7 s
12,8 s 
0–180 km/h
16,2 s
19,8 s
16,8 s
Zwischenspurt
60–100 km/h
2,6 s
3,1 s
2,4 s 
80–120 km/h
3,3 s
4,4 s
3,2 s
Leergewicht/Zuladung
2102/498 kg
2046/464 kg
1755/432 kg
Gewichtsverteilung v./h.
45/55 %
46/54 %
49/51 %
Wendekreis links/rechts
12,3/12,4 m
11,4/11,3 m
12,0/12,0 m
Sitzhöhe
555 mm
575 mm
560 mm
Bremsweg
aus 100 km/h kalt
36,8 m
34,6 m
36,1 m 
aus 100 km/h warm
35,3 m
33,0 m
35,0 m
Innengeräusch
bei 50 km/h
55 dB(A)
57 dB(A)
58 dB(A) 
bei 100 km/h
62 dB(A)
65 dB(A)
65 dB(A) 
bei 130/160 km/h
66 dB(A)
69 dB(A)
69 dB(A)
bei 160 km/h
70 dB(A)
72 dB(A)
72 dB(A)
Verbrauch
Sparverbrauch
16,4 kWh/100 km
13,9 kWh/100 km
13,2 kWh/100 km 
Testverbrauch Durchschnitt der 155-km-Testrunde
(Abweichung zur WLTP-Angabe)
23,0 kWh/100 km
(+48 %)
21,4 kWh/100 km
(+55 %)
21,2 kWh/100 km
(+56 %)
Sportverbrauch
28,6 kWh/100 km
28,7 kWh/100 km
28,0 kWh/100 km
CO2 (lokal)
0 g/km
0 g/km
0 g/km
Reichweite (Testverbrauch)
390 km
445 km
429 km
Der i4 ist progressiver ausgelegt, erst bei mehr Lenkwinkel reagiert er direkter. Seine adaptiven Dämpfer arbeiten straff, aber nicht unkomfortabel. Während BMW und Tesla beim Durchzug kräftiger wirken, führt der CLA beim Topspeed mit 210 km/h das Trio an, bietet mit 11,4 bzw. 11,3 Metern den mit Abstand kleinsten Wendekreis.

Die WLTP-Reichweite schafft keiner

Beim Verbrauch liefern sich Mercedes und Tesla ein enges Rennen. Um Effizienz auch bei hohen Geschwindigkeiten zu sichern, nutzt der CLA unter anderem ein Zweiganggetriebe an der Hinterachse, das bei ungefähr Tempo 115 mit spürbarer Schaltpause hochschaltet.
BMW i4 eDrive40 Mercedes CLA 250+ Tesla Model 3 Maximale Reichweite RWD
Bei alles andere als optimalen Bedingungen kam der Mercedes mit einer Akkuladung 445, der Tesla 429 und der BMW 390 Kilometer weit.
Bild: Tom Salt / AUTO BILD
Darüber hinaus wirkt die Rekuperation des CLA am kräftigsten, Mercedes gibt sie mit bis zu 200 kW an. Bei vier Grad Außentemperatur und auf Winterreifen erzielte der Benz schließlich einen Testverbrauch von 21,4 Kilowattstunden auf 100 Kilometer, der Tesla 21,2. Der i4 verbrauchte zwei Kilowattstunden mehr.

An der Ladesäule gewinnt der CLA

Auffällig: Der Tesla bleibt mit 1755 Kilogramm fast 350 kg leichter als der BMW und rund 300 kg leichter als der Benz. Ein Nachteil, der zum Teil aus mehr Akkukapazität herrührt, die mit 445 Kilometern für den CLA die beste Gesamtreichweite ermöglicht.
Mercedes CLA 250+
Schnelllader: Nur der Mercedes füllt den Akku optional mit 22 kW. Von 10 auf 80 % dauert es 22 Minuten.
Bild: Tom Salt / AUTO BILD
Weiteres CLA-Plus: 320 kW DC-Ladeleistung. Da können weder Tesla (250 kW) noch BMW (205 kW) mit ihren 400-Volt-Bordnetzen mithalten, wobei gerade das Model 3 seine Peak-Ladeleistung nur kurz erreicht und dann schnell nachlässt. Der Mercedes lässt optional als Einziger AC-Laden auch mit bis zu 22 kW zu. Alle Angaben sind offizielle Herstellerangaben, gültig zum Redaktionsschluss.

Tesla gewinnt über den Preis

So weit, so gut. Der Mercedes gewinnt die Eigenschaftswertung, das Kostenkapitel allerdings entscheidet der Tesla über den Preis für sich – und zwar dermaßen deutlich, dass es tatsächlich für den Gesamtsieg reicht. In der Anschaffung werden für das Model 3 44.990 Euro fällig – und das bereits mit Vollausstattung, von Fahrerassistenz einmal abgesehen.

Platzierung

Platzierung
Punkte*
599
596
592
Platz
1
2
3
Testnote
1,6
1,7
1,7
Fazit
Das letzte Facelift tat dem Komfort gut. Seit jeher geräumig und günstig.
Antrieb und Verbrauch stark. Der hohe Preis kostet am Ende den Sieg.
Leise, fahraktiv und praktisch. Im Vergleich aber zu teuer und etwas durstiger.
Der CLA kostet im Vergleich über 21.000 Euro mehr, der BMW fast 25.000 Euro. Diesen Unterschied fahren i4 und CLA auch mit besserem Werterhalt am Ende nicht mehr ein, sind auch in der Vollkasko teurer. Ein echtes Foto-Finish also: Erster wird das Model 3, Zweiter der CLA, Dritter der i4.

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BMW i4 eDrive40 Mercedes CLA 250+ Tesla Model 3 Maximale Reichweite RWD
Mercedes CLA 250+
BMW i4 eDrive40
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Drei Elektrolimousinen im Vergleichstest

Fazit

von

AUTO BILD
Eine ganz enge Kiste: Grundsätzlich machen CLA und i4 viel richtig, können sich so in der Eigenschaftswertung durchsetzen. Aber: Sie sind einfach zu teuer. Das Model 3 zeigt sich hier ebenfalls in Topform und kostet über 20.000 (!) Euro weniger. So geht der Sieg am Ende knapp, aber verdient an Tesla.