Der Paradigmenwechsel betrifft nicht nur die Batteriezellen, sondern die gesamte Herangehensweise bei der Automobilproduktion. Erstmals werden sogar ausgediente Fischernetze verbaut.
BMW hat große Erwartungen an seine sogenannte "neue Klasse", die ab 2025 Realität werden soll. Bei der neuen Klasse handelt es sich um eine rein elektrische Architektur, auf der Autos aller Segmente basieren können.
"Von Mini bis zu einem Rolls-Royce ist alle möglich"; erklärt Efficient-Dynamics-Chef Thomas Albrecht. Ein der zentrale Bauteil dieses neuen Rohbaus sind die Akkupakete. "Pack to Open Body" nennt BMW dieses Konzept.
"Unsere internen Vorgaben sind anspruchsvoller als die gesetzlichen", erklärt Thomas Albrecht. Zum Beispiel schreibt die USA vor, dass die Stromspeicher der Elektroautos nach zehn Jahren immer noch 80 Prozent der ursprünglichen Leistungsfähigkeit aufweisen. Das wird die Neue Klasse übertreffen.
Insgesamt hat es sich BMW das Ziel gesetzt, den Sekundärmaterial-Anteil bei den in Neufahrzeugen verwendeten Thermoplast-Kunststoffen bis zum Jahr 2030 auf durchschnittlich 40 Prozent zu erhöhen.

Die BMW-Experten räumen aber auch mit dem Traum von kobaltfreien Batterien auf. Es sei schlicht zu teuer und zu langwierig, das chemische Element komplett aus den Zellen zu verbannen.

Paradigmenwechsel bei Energiespeichern in drei Jahren

"Der Slogan kobaltfrei zieht halt gut", erklärt Marie-Therese von Srbik, Chefin der Batterie-Entwicklung Gen6. Dass der Kobaltanteil massiv zurückgehen wird, bleibt davon unbenommen.
Bei den Energiespeichern selbst tritt in drei Jahren ein Paradigmenwechsel ein. Statt wie bisher prismatische Zellen kommen bei der sechsten Generation zylindrische mit einem Durchmesser von 46 Millimetern und zwei verschiedene Höhen zum Einsatz.
Die Speicher haben eine um 20 Prozent höhere Energiedichte, lassen sich um bis zu 30 Prozent schneller laden, garantieren bis zu 30 Prozent mehr Reichweite garantieren und drücken unter dem Strich die Kosten für ein Elektromobil um bis zu 50 Prozent.
"Wir wollen die Elektroautos konkurrenzfähig zu den Modellen mit Verbrennungsmotor machen"; so Marie-Therese von Srbik. Auch das Gewicht geht runter. Insgesamt sollen die Hochvoltkomponenten zehn bis 20 Prozent weniger auf die Waage bringen als bisher.
Denn auch da brechen mit der Neuen Klasse neue Zeiten an. Die Produktion der neuen Batteriezellen soll bis zu 60 Prozent weniger CO2 ausstoßen als bisher. (Wie Pascal Fischernetze zu Fußmatten macht)

Geschlossener Kreislauf zur Wiederverwendung

In China ist der Autobauer dabei, einen geschlossenen Kreislauf zur Wiederverwendung der Rohstoffe Nickel, Lithium und Kobalt aus Hochvoltbatterien zu installieren. Doch die Nachhaltigkeit hört nicht bei den Akkus aus.
Verkleidungsteile aus Kunststoff bestehen zu rund 30 Prozent aus wiederverwerteten Fischernetzen und Seilen.

Mit der neuen Klasse werden verstärkt auch andere Bauteile aus recycelten Materialien in den Fahrzeugen Einzug halten. Ein Beispiel sind Verkleidungsteile aus Kunststoff, die zu rund 30 Prozent aus wiederverwerteten Fischernetzen und Seilen besteht.
Die Reststoffe aus der maritimen Industrie werden in einem Recycling-Prozess zu Verkleidungsteilen verarbeitet, die sowohl im Exterieur als auch im Interieur zukünftiger Automobile eingesetzt werden können.

25 Prozent niedrigerer CO2-Fußabdruck

Die so entstehenden Komponenten weisen einen um rund 25 Prozent niedrigeren CO2-Fußabdruck auf, als die entsprechenden Bauteile aus konventionell gefertigten Kunststoffen. Diese Form des Recyclings ermöglicht es, den Bedarf an erdölbasierten Primär-Kunststoffen zu reduzieren und gleichzeitig der Verschmutzung der Ozeane entgegenzuwirken.
Wiederverwertete Nylonabfälle bilden die Basis für ein Kunststoffgarn, aus dem unter anderem die Bodenverkleidungen im elektrischen BMW iX sowie im neuen BMW X1 gefertigt werden. Als Ausgangsstoff für dieses als Econyl bezeichnete Material dienen ausgediente Fischernetze sowie zerschlissene Bodenbeläge und Restabfälle aus der Kunststoffproduktion.
Insgesamt hat es sich BMW das Ziel gesetzt, den Sekundärmaterial-Anteil bei den in Neufahrzeugen verwendeten Thermoplast-Kunststoffen bis zum Jahr 2030 von derzeit rund 20 auf durchschnittlich 40 Prozent zu erhöhen.

Von

Wolfgang Gomoll