Brabus Bodo: das 1000-PS-Erbe des Tuning-Königs
Der wohl letzte große V12-Supersportler

Es hat zwar ein bisschen gedauert, doch acht Jahre nach Bodo Buschmanns Tod setzt Brabus dem König der Tuner ein spektakuläres Denkmal und baut seinen ersten eigenen Sportwagen – mit 1000 PS. Und ganz ohne neumodische Irrungen und Wirrungen.
Bild: Brabus
Geträumt haben sie davon schon seit über 20 Jahren. Doch als Bodo Buschmann noch lebte, war das Ruhrpott-Urgestein viel zu beschäftigt damit, Brabus zum berühmtesten Tuner der Welt zu machen – und dabei gedanklich viel zu eng an Mercedes gebunden. Der Senior starb im April 2018 im Alter von 62 Jahren.
Sohn Constantin hat den Laden seitdem mit dem nötigen Abstand neu aufgestellt. Zwar macht das Mercedes-Tuning nach wie vor den Großteil des Tagesgeschäfts aus, und daran wird sich so schnell nichts ändern. Doch greift Brabus mittlerweile längst nicht mehr nur nach PS-Schönheiten aus Blech, sondern auch nach Booten, Motorrädern, Wohnmobilen und sogar Immobilien.
Und nein, Constantin hat damit die Ideale seines Vaters nicht verraten. Im Gegenteil: Er hat die Firma erst in die Lage versetzt, dessen Traum posthum zu erfüllen und endlich einen eigenen Sportwagen zu bauen. Der heißt – wie könnte es anders sein – Brabus Bodo und elektrisiert seit seiner Premiere in diesem Frühjahr Petrolheads und Auto-Afficionados rund um den Globus. Und das, obwohl er von der Elektromobilität so weit entfernt ist wie die Brabus-Zentrale in Bottrop vom Burj Al Arab in Dubai, wo die Bodo-Autos ganz selbstverständlich neben Ferrari, Lamborghini oder Bugatti parken. Übrigens genau wie in Beverly Hills, in Baku und in Beijing.
Brabus Bodo: ein Supersportler alter Schule
Dass der Bodo begeistert, ist kein Wunder. Denn das Batmobil aus Bottrop, das vom Spenderfahrzeug Aston Martin Vanquish kaum mehr als Chassis und Kabelbaum übernimmt, sieht mit seiner fast schon provozierend langen Haube und dem lasziven Heck in einer Kombination aus Carbon und Chrom nicht nur verwegen aus. Er ist obendrein ein Supersportler alter Schule.
Genau so, wie es sich der Senior einst gewünscht hätte: laut, stark, schnell oder, um im Idiom seiner Heimat zu sprechen, "einfach fett". Eben so, wie Sportwagen früher gebaut wurden. Und vor allem ganz ohne neumodisches Gedöns wie Allradantrieb oder Hinterachslenkung. E-Motoren gibt es deshalb nur in den Fensterhebern oder den Sitzschienen.

Der Brabus Bodo ist der erste eigenständige Sportwagen der Bottroper – benannt nach Firmengründer Bodo Buschmann.
Bild: Brabus
Stattdessen sitzt unter der Haube einer der letzten V12-Motoren, die in Europa noch verbaut werden. Er schöpft aus 5,2 Liter Hubraum mächtige 1000 PS und drückt dich bei jedem Gasstoß mit 1200 Nm so heftig in den Sitz, dass dir fast schmerzhaft bewusst wird, wie relativ Zeit und Raum sein können. Von 0 auf 100 km/h vergehen nur 3,0 Sekunden, Schluss ist erst bei 360 km/h.
Brutale Kraft, überraschend kultiviert
Was in der Theorie schon beeindruckend klingt, ist in der Praxis noch viel verführerischer. Wenn du dich erst mal in dieses Schmuckkästchen aus Carbon und Leder hast fallen lassen, kurz über die beiden Sitzschalen im Fond gelacht hast, auf denen ohnehin nie jemand sitzen wird, und dann den Startknopf drückst, vergisst du alles, was dir Mercedes, Porsche, Bentley oder Aston Martin derzeit als Gran Turismo verkaufen wollen. Denn der Bodo spielt in einer ganz anderen Liga.
Schon nach zwei oder drei Kurven wird klar, dass die Brabus-Ingenieure dem Vanquish-Chassis weit mehr verpasst haben als nur eine Rüstung aus Carbon. Der Bodo liegt spürbar flacher und ruhiger auf der Straße, die Lenkung ist schwerer und direkter abgestimmt als beim Serienmodell, und durch schnelle Kurven zieht er mit ungeheuerlicher Souveränität. Möglich machen das eigens entwickelte Federn, Dämpfer und Querlenker sowie speziell abgestimmte Reifen, die die Kraft sauber auf den Asphalt bringen – und davon gibt es reichlich, seit Brabus dem V12 größere Turbolader, geschmiedete Kolben und Titan-Pleuel spendiert hat.

Statt Elektrifizierung setzt Brabus auf einen 5,2-Liter-V12 mit 1000 PS und 1200 Nm Drehmoment.
Bild: Brabus
Schaltet man zudem die Titan-Endrohre der Auspuffanlage frei, brüllt der Bodo so bösartig, wie es zwölf Zylinder eben tun, wenn man sie endlich lässt. Nur wenn es auf engen Bergstraßen einmal ruppig zur Sache geht, meldet sich kurz das Turboloch der beiden größeren Lader – der Preis dafür, dass am Kabinettstück aus 1000 PS und 1200 Nm nicht gerüttelt wurde.
Und doch bleibt der Bodo dabei immer auch das, was ein Brabus sein soll: ein Gran Turismo, der in drei Fahrmodi zwischen samtweichem Dahingleiten und roher Gewalt wechseln kann, ohne je die Contenance zu verlieren. Ja, er kann die gesamte Sportwagenelite in Grund und Boden brüllen und sich überall in den Mittelpunkt spielen. Aber er muss es nicht. Genauso gibt er den Geheimtipp für den stillen Genießer und hält sich fast schon dezent im Hintergrund. Na ja – so dezent, wie es bei einem Brabus eben geht.
Luxus in Schwarz
Drinnen dominiert ganz bewusst eine einzige Farbe: Schwarz. Sehr viel Schwarz. Sehr finster, aber eben auch sehr edel. Leder und Carbon, in dessen Gewebe Brabus goldene Partikel einarbeitet, treffen auf die von Aston Martin übernommene Bedienlogik samt großem Touchscreen und Apple CarPlay Ultra. Die Schaltwippen der Achtgang-Automatik bestehen aus langen Carbon-Paddeln, und ein riesiges Panoramadach flutet den Innenraum mit Licht.

In 3,0 Sekunden auf Tempo 100 und bis zu 360 km/h schnell: Der Bodo gehört zur Liga der Hyper-GTs.
Bild: Brabus
Ins Armaturenbrett ist die Signatur des Namenspatrons eingestickt – ein stilles Denkmal für den Mann, dem all das zu verdanken ist. Passend dazu tritt der Bodo auch äußerlich kompromisslos auf: vorn eine fast quadratische, von tiefen Lufteinlässen zerklüftete Front, hinten ein Bootsheck mit ausfahrbarem Spoiler à la Porsche 911, dazu 21-Zoll-Monoblock-Felgen und eine komplett in Sichtcarbon gehaltene Karosserie.
Brabus ist jetzt mehr als nur ein Tuner
Unterm Strich ist der Bodo weit mehr als eine Fingerübung im Karosseriebau. Er ist der bislang deutlichste Beweis, dass Brabus längst nicht mehr nur Spoiler und Auspuffanlagen verkauft oder ohnehin schon kräftigen Motoren noch stärkere Chips einpflanzt, sondern einen kompletten, eigenständigen Supersportwagen auf die Räder stellen kann – roh, laut und angenehm frei von Software-Schnickschnack. Wer das nötige Kleingeld mitbringt, bekommt dafür ein Stück automobile Handarbeit, das seinesgleichen sucht.
Der Bodo ist für Brabus aber nicht nur ein weiterer Schritt zur Emanzipation von Mercedes. Schließlich veredeln die Bottroper schon seit einigen Jahren auch Rolls-Royce, Bentley und Ferrari. Ihren ersten eigenen Sportwagen haben sie nicht etwa auf einem Mercedes-AMG GT aufgebaut, sondern auf einem Aston Martin Vanquish – selbst wenn der natürlich trotzdem ein paar schwäbische Gene hat.

Auf nur 77 Exemplare limitiert: Die exklusive Kleinserie ist bereits größtenteils verkauft.
Bild: Brabus
Vor allem aber ist der Bodo eine schallende Ohrfeige für die Schwaben. Denn er zeigt, was aus dem Maybach Vision 6 hätte werden können, wenn Mercedes nach der Premiere vor zehn Jahren nur genügend Mut gehabt hätte. Während in Stuttgart die Bedenkenträger die Oberhand behielten, hatten in Bottrop die Macher das Sagen – und sie haben das Batmobil einfach gebaut.
An Kunden mangelt es offenbar nicht. Zwar kostet der Bodo stolze 1,2 Millionen Euro und ist damit mehr als zweieinhalbmal so teuer wie der Serien-Vanquish, auf dem er basiert. Doch der Großteil der auf 77 Exemplare limitierten Serie ist – wie fast immer bei Brabus – längst verkauft. Jetzt müssen sie die Autos nur noch möglichst schnell bauen. Schließlich sprüht Brabus weiter vor Ideen und würde am liebsten schon heute statt morgen das nächste Projekt anschieben.
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