Bremsprobleme beim Smart fortwo
So gefährlich ist der Smart

AUTO BILD hat aufgedeckt: Beim Bremsen zieht der Smart fortwo nach rechts. Darauf reagiert Daimler jetzt.
- Jan Horn
- Claudius Maintz
- Dierk Möller
Besser nicht allein, immer zu zweit einsteigen – so lautet zusammengefasst das Ergebnis der Bremstests von AUTO BILD mit dem Smart fortwo. Beim Bremsen mit mehr als 80 km/h zieht der Zweisitzer stark nach rechts. Die Redaktion hat herausgefunden, dass der unheimliche Rechtsdrall etwas mit der Anzahl und dem Gewicht der Insassen zu tun hat. Teststrecke Bremerhaven. Zunächst bremst Redakteur Jan Horn den 950 Kilo schweren Wagen auf ebener Fahrbahn kräftig, aber kontrolliert aus 90 km/h. Horn bremst so, dass das ABS nicht eingreift, zusätzlich nimmt er die Hände vom Lenkrad, um das Ergebnis nicht zu beeinflussen. Mehrfach wiederholt er die Prozedur. Ergebnis: Der Kleinwagen verlässt die Ideallinie um bis zu 1,70 Meter! Dann steigt Kollege Claudius Maintz zu. Jetzt, zu zweit, gibt es fast keine Abweichung!
Bis zu 2,45 Meter zieht der Winzling beim Bremsen nach rechts

Bremsen mit zwei Insassen, allein und allein mit Zusatzgewicht – die Abweichung wird stetig größer.
Bild: Toni Bader / Auto Bild Montage
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Das Problem liegt in Abstimmung und Konstruktion

Mit zwei Insassen und zusätzlich beschwerter linker Seite kommt der fortwo beim Bremsen aus der Spur.
Bild: Toni Bader
Ein weiterer möglicher Faktor: Die schwerere Fahrerseite kommt beim Bremsen aufgrund der Massenträgheit langsamer zum Stehen als die rechte. Folge der Asymmetrie: eine Drehbewegung von links nach rechts, zudem begünstigt durch den kurzen Radstand.
Das Kraftfahrtbundesamt beschäftigt sich bereits mit dem fortwo

Klare Ansage von Wolfgang Rolli, früherer Leiter des Mercedes-Benz Museums: "Der fortwo ist gefährlich."
Bild: Dieter Rebmann !!! ACHTUNG Fotograf will nicht genannt werden !!!
So reagiert Smart: Bei Problem-Modellen wird zunächst der Reifendruck geprüft, danach gegebenenfalls die Freigängigkeit der Bremsanlage. Falls nötig, wird der Abstand von Bremstrommel und -belag korrigiert, die Bremshydraulik entlüftet, das Fahrwerk vermessen oder die Vorspur neu eingestellt. All diese Maßnahmen haben laut Smart "beim überwiegenden Teil der bisherigen Fälle zu einer Behebung des beschrieben Zugs zur Seite geführt". Falls nicht, verändern Smart-Werkstätten ab Ende September die Bremskraftverteilung und bauen die Federn der Hinterachse anders ein. "Die beiden letztgenannten Maßnahmen haben wir vergangene Woche an einigen beanstandeten Fahrzeugen erfolgreich getestet und bringen sie nun umgehend in unsere Werkstätten. Alle betroffenen Fahrzeuge in Kundenhand werden damit kostenlos versorgt", teilt Smart mit.
Fazit
Auf die Bremsen muss man sich verlassen können – immer! Ob die angekündigten Maßnahmen wirken, wenn selbst der auf den Hersteller Daimler zugelassene Testwagen nicht spurt? Fraglich! Wahrscheinlich würde ein härteres Fahrwerk den Smart in die Spur zwingen. Komforteinbußen wären die Folge – aber Sicherheit geht vor!
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