Noch mehr als Porsche oder Ferrari ist Bugatti der König der Scheibchenlehre. Da das Fahrzeug-Portfolio extrem überschaubar ist, werden Modellableitungen gefeiert und perfekt inszeniert. So ist es schwer, besser unmöglich, sich für den Bugatti Chiron in seinen so unterschiedlichen Ausprägungen nicht zu begeistern. Als auf 60 Exemplare limitiertes Sondermodell Pur Sport ist er mit seinen Designfinessen an Front, Heck und den Flanken nicht nur optisch eine echte Schau. Seine Stärke liegt in einer grandiosen Fahrdynamik. Eine flache Front mit großem Frontsplitter, mächtige Lufteinlässe, auffallende Radhausentlüftung, verlängerter Diffusor und ein fester Heckflügel mit 1,90 Metern Spannweite sorgen für deutlich mehr Abtrieb. Zudem minimierten die Ingenieure das Gewicht des neuen Hypersportwagens um 50 Kilogramm – insbesondere an den Felgen und beim Auspuff. 
Bugatti Chiron Pur Sport
Unwiderstehliches Kurventier: Wirklich alles am Pur Sport ist konsequent auf Tracktool getrimmt.
Das Fahrwerk wurde umfangreich modifiziert, der Chiron Pur Sport sehnt sich geradezu nach Kurven und versetzt den Fahrer damit in größte automobile Verzückung. So gibt es einen negativeren Sturz, härtere Federn und entsprechende Lager sowie spezielle Rennreifen, die im Paket für mehr Querbeschleunigung und mehr Haftung in schnellen Kurven sorgen. Das lässt sich auch bei kühlen Temperaturen auf der Rennstrecke problemlos ertasten, wenn der 3,5 Millionen Euro teure Sportler aus der Spitzkehre zurück Richtung Tribüne donnert, auf dem nassen Gummiabrieb kaum untersteuert und mit ausgestelltem Heck unter brüllenden Trompeten Richtung Motodrom giert.

Im Zwischenspurt ist der Performance-Zuwachs gigantisch

Bugatti Chiron Pur Sport
Unfassbar schnell: Von 60 auf 120 km/h braucht der Pur Sport nur 3,4 Sekunden – das ist Wahnsinn.
Der acht Liter große W16-Motor mit opulenten 1500 PS und gigantischen 1600 Nm dreht im Pur Sport 200 Umdrehungen höher und erreicht seine Nennleistung nun zwischen 6700 und 6900 Umdrehungen. Gleichzeitig wurde das Doppelkupplungsgetriebe um 15 Prozent kürzer übersetzt, sodass es in 2,3 statt in 2,4 Sekunden auf Tempo 100 geht. Von 0 bis 200 km/h nimmt der Pur Sport dem Standard-Chiron mit 5,5 Sekunden satte sechs Zehntelsekunden ab. Und im sechsten Gang donnert der zwei Tonnen schwere Allradler von 60 auf 120 km/h in 3,4 Sekunden statt in 7,4 Sekunden – ein gigantischer Unterschied. Im Gegensatz zu den Schwestermodellen fährt der Chiron Pur Sport allerdings "nur" Tempo 350. Dadurch konnte der Wagen noch kompromissloser auf Agilität und Handling abgestimmt werden. Über einen Drehregler am Lenkrad anzusteuern ist das neue Fahrprogramm ESC Sport+, das mehr Schlupf und kontrollierte Drifts mit einem größeren Anstellwinkel zulässt. Natürlich kann man mit dem Bugatti Chiron Sport auch auf der Autobahn glänzen und in der Innenstadt für offene Münder der Zuschauer sorgen, doch diese Fahrmaschine will auf eine Rennstrecke oder auf eine kurvige, idealerweise abgesperrte Bergstraße. Sündhaft teure Boliden, die mit brachialer Gewalt über Rundkurse donnern, gibt es einige. Bei so viel Dynamik so lässig im Straßenverkehr mit einem fast schon unanständig großen Alltagsnutzen kann das weltweit aber wohl kein anderes Auto wie der Bugatti Chiron – egal ob Pur Sport oder nicht.

Bildergalerie

Bugatti Chiron Pur Sport
Bugatti Chiron Pur Sport
Bugatti Chiron Pur Sport
Kamera
Fahrbericht Bugatti Chiron Pur Sport

Von

Stefan Grundhoff