Heutzutage selten, dass die Freude an einem Auto mit Blick auf die Kosten beginnt. Wir erinnern uns: Der Durchschnittspreis für Neuwagen liegt aktuell bei deutlich über 40.000 Euro. Während sich in vielen Autohäusern der Republik die Kundenaugen also schreckhaft weiten, will Citroën wieder günstige Mobilität anbieten. Für gehobene Ansprüche ist stattdessen die selbsternannte Premium-Marke DS zuständig.

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Citroen C3 Aircross

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Nun steht er also da, der C3 Aircross: 4,39 Meter lang, mit fünf bis sieben Sitzen ausgerüstet, überaus familientauglich – und das alles zu einem Preis ab 18.890 Euro. Damit ist das SUV nicht nur noch einmal rund 5500 Euro günstiger als sein Technik-Zwilling, der Opel Frontera, der nur als teurerer Hybrid oder vollelektrisch zu haben ist. Er unterbietet auch den Einstiegspreis des klassenbeherrschenden Dacia Duster um genau 100 Euro. Zufall? Wohl kaum.
Das Design ist eng an das des normalen C3 angelehnt – der Aircross streckt sich aber 38 Zentimeter länger, zwei Zentimeter breiter und sechs Zentimeter höher.
Bild: Christoph Börries/AUTO BILD

Im Innenraum: wenig Technik, aber nett eingerichtet

In die Redaktion geschickt haben die Franzosen uns den C3 Aircross dann aber als rein elektrische Version. Interessant: Im Cockpit ist der Name Programm, hier unterscheidet sich der 38 Zentimeter längere Aircross tatsächlich kaum vom normalen C3. Kleines Lenkrad und Citroën-Head-up-Display funktionieren gut zusammen: Anstelle eines klassischen Kombiinstruments gibt es oben im Armaturenbrett eine spiegelnde Fläche, auf welche die wichtigsten Informationen projiziert werden. Erinnert an Peugeot – nur besser, weil das Lenkrad das Display hier eben nicht verdeckt.
Ein Arbeitsplatz, der wenig Fragen aufwirft. Die Ergonomie mit Mini-Lenkrad und den weit oben platzierten Instrumenten haut hin, die Sitzposition fällt hoch aus. Manko: Kein höhenverstellbarer Beifahrersitz.
Bild: Christoph Börries/AUTO BILD
Der mittige, 10,25 Zoll große Bildschirm ist erst ab der mittleren Ausstattungslinie Plus an Bord, in der Basislinie You gibt es lediglich eine Handyhalterung und einen NFC-Tag, mit dessen Hilfe sich die MyCitroën-App automatisch öffnen lässt.
Diese abgespeckte Version konnten wir unlängst im normalen C3 erleben. Fazit: lieber nicht. In dieser Variante sind gerade mal zwei Lautsprecher an Bord, ein fahrzeugeigenes Radiosystem gibt es nicht. Per App lassen sich zwar DAB+-Sender streamen, allerdings in mies-schepperiger Qualität und mit fummelig anmutender Bedienung obendrein.
Weil ein Einklemmschutz fehlt, fahren die Fenster zwar per Tippfunktion runter, aber nicht wieder rauf. Die paar Cent – ehrlich, Stellantis?
Bild: Christoph Börries/AUTO BILD
So wie im Testwagen verbaut, funktioniert das Infotainment ziemlich problemlos. Die Funktionsvielfalt ist zwar gering, eine bordeigene Sprachsteuerung gibt es nicht. Apple CarPlay und Android Auto sind aber an Bord – und damit wohl eines der wichtigsten Essentials in einem Neuwagen, besonders für die anvisierte, eher junge Zielgruppe.

Fahrzeugdaten

Fahrzeugdaten
Motor Bauart
Synchronelektromotor
Einbaulage
vorn
Spitzenleistung
83 kW (113 PS)
Dauerleistung
53 kW (72 PS)
max. Drehmoment
120 Nm
Vmax
143 km/h
Getriebe
Einganggetriebe
Antrieb
Vorderradantrieb
Bremsen vorn/hinten
Scheiben/Scheiben
Testwagenbereifung
215/60 R 17 H
Reifentyp
Bridgestone Turanza 6 Enliten
Radgröße
7 x 17"
Ladezeit (20-80 %; DC-Laden)
26 Minuten
Verbrauch*
18,1 kWh/100 km
Reichweite*
307 km
Batteriekapazität
44 kWh
Ladeleistung AC/DC
7,5/100 kW
Fach unter Frontklappe
-
Ladeanschluss
hinten links
Vorbeifahrgeräusch
65 dB(A)
Anhängelast gebr./ungebr.
350/350 kg
Stützlast
65 kg
Kofferraumvolumen
460–1600 l
Länge/Breite/Höhe
4395/1795–2020**/1640 mm
Radstand
2670 mm
Grundpreis
26.490 Euro
Testwagenpreis (wird gewertet)
30.890 Euro
Unerwartet: Der elektrische C3 zeigt weder aktuellen noch Durchschnittsverbrauch an, was bei einem E-Auto besonders verwundert. Stellantis überlegt wohl, diese Möglichkeit bei späteren Modellen nachzurüsten.
Das Raumangebot dagegen kann sich sehen lassen. Besonders in der zweiten Reihe herrscht reichlich Platz, weder mit dem Kopf noch mit den Knien ecken Normalgroße an. Ebenfalls ab der zweiten Ausstattungslinie ist weicheres Gestühl (Advanced-Comfort-Sitze) an Bord, das durchaus als bequem durchgeht. Kleiner Wermutstropfen: Einen höhenverstellbaren Beifahrersitz bietet Citroën genauso wenig an wie eine Mittelarmlehne hinten, eine Auto-up-Funktion für die Fensterheber oder ein Keyless-Go-System.
460 bis 1600 Liter passen ins Gepäckabteil. Ein doppelter Ladeboden sorgt eine weitgehend ebene Ladefläche.
Bild: Christoph Börries/AUTO BILD
Es gibt tatsächlich noch einen Klappschlüssel, der reingesteckt und umgedreht werden muss. Die Türen müssen stets per Knopfdruck entriegelt werden. Hinter der manuell zu öffnenden Heckklappe des Aircross verstecken sich in der Elektro-Version 460 bis 1600 Liter Laderaum. Das kann sich sehen lassen. Die optionale dritte Sitzreihe ist für den Elektriker nicht zu haben, weil der Akku den Platz benötigt.

Auf der Straße: nicht schnell, aber komfortabel

Auf der Straße macht sich der Aircross in einer Hinsicht besser als gedacht: Das Fahrwerk fällt für Citroën-Verhältnisse straff aus, der Aircross fährt sich weit weniger nachgiebig und damit präziser als sein älterer Bruder, der C4. Dazu arbeitet die Lenkung angenehm direkt, wenn auch auffällig leichtgängig.
113 PS und 125 Newtonmeter reichen aus, reißen aber natürlich keine Bäume aus. Angegeben sind 143 km/h Topspeed – der Testwagen fuhr einige Stundenkilometer schneller.
Bild: Christoph Börries/AUTO BILD
Der Antrieb des elektrischen Franzosen scheint vor allem auf den Stadtverkehr ausgerichtet zu sein. Hier fühlt man sich mit den 113 PS durchaus ausreichend motorisiert, von einer kleinen Anfahrschwäche mal abgesehen. 11,5 Sekunden braucht man so auf Tempo 100, damit immerhin 1,4 Sekunden weniger, als die Werksangabe verspricht. Mit mehr Beladung leidet das Leistungsgewicht des eigentlich nicht zu schweren Aircross (1539 Kilogramm) dann natürlich verhältnismäßig stark. 143 km/h Topspeed müssen genügen.

Messwerte

Messwerte
Beschleunigung
0–50 km/h
4,5 s
0–100 km/h
11,5 s
0–130 km/h
19,7 s
Zwischenspurt
60–100 km/h
6,0 s
80–120 km/h
8,4 s
Leergewicht/Zuladung
1539/491 kg
Gewichtsverteilung v./h.
55/45 %
Wendekreis links/rechts
11,3/11,2 m
Sitzhöhe
680 mm
Bremsweg
aus 100 km/h kalt
36,3 m
aus 100 km/h warm
36,7 m
Innengeräusch
bei 50 km/h
58 dB(A)
bei 100 km/h
66 dB(A)
bei 130 km/h
69 dB(A)
Verbrauch
Sparverbrauch
13,6 kWh/100 km
Testverbrauch Durchschnitt der 155-km-Testrunde
(Abweichung zur WLTP-Angabe)
18,4 kWh/100 km
(+2 %)
Sportverbrauch
25,6 kWh/100 km
CO2 (lokal)
0 g/km
Reichweite (Testverbrauch)
255 km
Aktuell steht für den E-Motor ausschließlich ein 44 Kilowattstunden großer LFP-Akku bereit, der laut WLTP für 304 Kilometer Reichweite sorgt – wir haben 255 gemessen. Mit 18,6 Kilowattstunden Verbrauch ist der Aircross im Test nicht zu durstig, hält seinen WLTP-Wert ein. Trotzdem kommen bei unserer extra gefahrenen 130-km/h-Reichweite dann nur noch 222 Kilometer zusammen.
Ein dreiphasiger AC-Bordlader muss extra bezahlt werden: 400 Euro werden fällig. Ansonsten lädt der Aircross nur mit 7,4 statt 11 kW.
Bild: Christoph Börries/AUTO BILD
Für die Langstrecke ist der Aircross damit weitgehend ungeeignet. Auch Dinge wie eine Batterieheizung oder eine bordeigene Routenplanung gibt es nicht. Für Letzteres braucht man dann wieder die MyCitroën-App und das eigene Smartphone. Wer statt mit 7,4 mit 11 kW AC-laden will, zahlt 400 Euro drauf. Schnellladen funktioniert mit bis zu 100 kW, 20 auf 80 Prozent brauchen so laut Hersteller 26 Minuten.

Wer die E-Version kauft, zahlt ordentlich drauf

Was die Kosten angeht, stellt der ë-C3 die mit Abstand teuerste Möglichkeit dar, den Aircross sein Eigen zu nennen. Mindestens 26.490 Euro werden in der Basis fällig, in der getesteten Max-Variante sind es schon 30.890 Euro. Zum Vergleich: Der Benziner mit Handschaltung ist ab 18.890 Euro zu haben. In der mittleren Ausstattungslinie werden dann 21.090 Euro fällig.
Gut zu wissen: Bald soll noch eine zweite Elektro-Variante ("Extended Range") mit größerem 54-Kilowattstunden-Akku und rund 400 Kilometer Reichweite laut WLTP folgen, die dann aber noch mal 2000 Euro teurer sein wird.

Wertung Citroën ë-C3 Aircross Standard-Range

Wertung Citroën ë-C3 Aircross Standard-Range
Karosserie
Der Aircross bietet kaum clevere Features, aber viel Platz und ein freundliches Raumgefühl im Innenraum.
3 / 5
Antrieb
Eher knapp dimensioniert, sowohl was Leistung als auch Akku angeht. Für Stadt und Überland okay.
3,5 / 5
Fahrdynamik
Federt straffer als erwartet, direkte Lenkung. Für ein günstiges Familienauto fährt der Aircross solide.
3 / 5
Connected Car
Es gibt die MyCitroën-App, die u. a. bei der Routenplanung hilft. Ansonsten wenig Funktionen.
3 / 5
Umwelt
Eher wenig Gewicht und der rein elektrische Antrieb sorgen für einen kleinen CO2-Fußabdruck.
4 / 5
Komfort
Die aufpreispflichtigen Sitze sind bequem, Dinge wie Keyless, Auto-up der Fensterheber usw. fehlen.
3 / 5
Kosten
Verhältnismäßig günstig in der Anschaffung, jährliches Wartungsintervall, eher teure Vollkasko.
4 / 5
AUTO BILD-Testnote
2,0
Leider ist der C3 im Unterhalt zwar nicht teuer, aber auch nicht ganz so günstig wie gedacht. Er muss jährlich in die Wartung, und auch die Vollkaskoeinstufung fällt mit Typklasse 25 verhältnismäßig hoch aus. Letzteres trifft vor allem jüngere Fahrer mit geringem Schadenfreiheitsrabatt. Wer vor allem günstig zu Hause oder per AC lädt, kann mit dem Aircross aber auch im Unterhalt noch einen guten Schnitt machen.

Fazit

Der C3 Aircross schafft es, günstig und stilvoll zugleich zu sein. Klar, ein paar Abstriche bei der Ausstattung muss man machen, um sich auf den Franzosen einzulassen. Wer sich aber mit dem kleinen Akku und dem eher verhalten agierenden E-Motor begnügen kann, bekommt hier ein absolut fair kalkuliertes, voll familientaugliches Elektroauto.