Citroën ë-C3 Standard Range: Test
Voll unter Strom, trotzdem gelassen: Citroën ë-C3 im Test

Eigenständige Optik, ungewöhnliches Format, fairer Preis: Der Citroën ë-C3 versucht, Elektromobilität attraktiv zu machen. AUTO BILD macht den Test.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Wer soll das bezahlen? Viele aktuelle Probleme scheinen sich auf diese einfache Frage verkürzen zu lassen. Vom Umbau der Sozialsysteme bis zum Aufbau der Verteidigungsfähigkeit hängt vieles am Geld.
Und auch der Mobilitätswandel ist weniger eine Frage von Verbrennerverbot oder technischer Innovation als vielmehr von Preisen. Wo sind die bezahlbaren Elektroautos? Denn nur wenn viele es bezahlen können, fahren wir künftig CO₂-neutral.
Basispreis liegt bei 19.990 Euro
Citroën tut sich da durchaus wohltuend hervor. Unlängst wurde der ë-C3 in der Basisversion "You Urban" mit 30-kWh-Akku vorgestellt, ab 19.990 Euro! Zum Test tritt der französische Crossover-Knirps als "You Standard" mit 44-kWh-Stromspeicher ab 23.300 Euro an. Was es für das Geld gibt und ob das für den automobilen Alltag ausreicht, klärt der ausführliche AUTO BILD-Test.

Günstig: Den ë-C3 bietet Citroën schon ab 19.990 Euro an. Zu unserem Test fuhr der kleine Franzose für 23.300 mit größerem Akku vor.
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Der C3 wird im Stellantis-Werk Trnava in der Slowakei gebaut, basiert wie etwa auch Opel Frontera, Jeep Avenger oder Fiat Grande Panda auf der globalen Common Modular Platform (CMP). Sein Design darf als durchaus gelungen gelten. Eigenständig, nicht zu extravagant, dabei modern, nicht modisch.
Hinten sitzt man eher unglücklich
Bon, doch dafür gibt es keine Punkte, für das Platzangebot schon. Und da fällt der gerade mal 4,02 Me-ter kurze ë-C3 durchaus positiv auf. Wegen des gegenüber klassischen Kleinwagen erhöhten Dachs (Höhe 1,58 Meter, Konzernbruder Corsa ist 14 cm flacher) sitzen auch große Piloten ganz ordentlich.

Angewinkelt: Die Batterie im Fahrzeugboden sorgt für eine ungünstige Sitzposition in Reihe zwei. Eine etwas höhere Bank wäre besser.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Allerdings gibt es ein paar Einschränkungen, vor allem im Fond. Durch den Akku liegt der Fahrzeugboden im elektrischen C3 recht hoch – und die Sitzbank hinten gleichzeitig nur 285 Millimeter darüber. So hocken Erwachsene auf der flachen Fondbank mit spitz angewinkelten Knien eher unglücklich.
Fahrzeugdaten
Modell | Citroën ë-C3 Standard Range |
|---|---|
Motor Bauart | Synchronelektromotor |
Einbaulage | vorn |
Spitzenleistung | 83 kW (113 PS) |
Dauerleistung | 53 kW (72 PS) |
maximales Drehmoment | 125 Nm |
Vmax | 132 km/h |
Getriebe | Einganggetriebe |
Antrieb | Vorderradantrieb |
Bremsen vorn/hinten | Scheiben, innenbel./Scheiben |
Testwagenbereifung | Michelin e-Primacy |
Reifentyp | 205/55 R 16 V |
Reichweite* | 322 km |
Verbrauch* | 16,8 kWh/100 km |
Batterieart | Lithium-Eisenphosphat |
Batteriekapazität | 44 kWh |
Ladeleistung AC/DC | 7,4 (11 optional)/100 kW |
Ladezeit (20-80 %; DC-Ladung) | 26 Minuten |
Ladeanschluss | hinten links |
Fach unter Frontklappe | – |
Vorbeifahrgeräusch | 68 dB(A) |
Anhängelast gebr./ungebr. | 550/550 kg |
Stützlast | 61 kg |
Kofferraumvolumen | 310–1200 l |
Länge/Breite/Höhe | 4015/1755–1813**/1577 mm |
Radstand | 2540 mm |
Grundpreis | 23.300 Euro |
Testwagenpreis (wird gewertet) | 23.300 Euro |
Da die Innenhöhe mit 960 Millimetern gleichzeitig recht großzügig ausfällt, brächte eine leichte Höherlegung der Sitzbank den meisten Mitreisenden einen echten Komfortgewinn. Erfreulich: Die Batterie kostet kein Volumen beim Kofferraum, wie beim Verbrenner stehen 310 bis 1200 Liter zur Verfügung – für einen Kleinwagen schon ganz ordentlich (VW Polo: 305 bis 1125 Liter).
Im Basistrimm ist der ë-C3 etwas karg
Weniger überzeugend fallen dagegen die Vordersitze aus, die beim Komfort schwächeln. Die Polster bleiben dann doch recht klein, wirken sehr einfach und schaumig gepolstert. Längere Strecken bereiten hier wenig Freude. Auch weil in der Basisausstattung eine Höhenverstellung fehlt, die gibt es erst ab "Plus" (2200 Euro Aufpreis) und nur für den Fahrer.

Spartanisch: Das Innenraum-Material ist einfach, aber sauber verarbeitet. Bei den Assistenten bietet die Basis nur das Nötigste.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Die Ausstattung im Basistrimm You weist ohnehin ein paar unschöne Lücken auf. Was die Assistenzsysteme angeht, spendieren die Franzosen neben den EU-Pflichtvorgaben nur eine Verkehrsschilderkennung. Wer zusätzlich LED-Scheinwerfer/Rückleuchten oder eine Rückfahrkamera will, muss auch hier zu den höheren Trimms greifen.

Eingeclipst: In der Basisausstattung muss das eigene Handy für Navigationsaufgaben herhalten. Einen Monitor sucht man vergebens.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Okay, das ist noch verkraftbar. Schwerer wiegt da schon, dass in der Basis weder ein Bildschirm noch ein Navi mitfährt, Apple CarPlay und Android Auto fehlen (ab Plus Serie, kabellos). "You" bedeutet also, das eigene Smartphone in die Handyhalterung zu clipsen und die eigenen Dienste in Verbindung mit der App "My Citroën Play" zu nutzen. Die Sprachtaste im Lenkrad kommuniziert dann mit dem Smartphone – eine günstige, aber im alltäglichen Umgang nicht immer überzeugende Lösung.
Fahrwerk liefert gute Arbeit
Wir haben die sogenannte Advanced-Comfort-Federung schon in anderen Modellen gelobt und spenden ihr auch hier Beifall. Trotz gerade mal 2,54 Meter Radstand lässt sich der ë-C3 auch auf welliger Piste oder schlecht geflicktem Geläuf so schnell nicht aus der Ruhe bringen.

Geschmeidig: Trotz seines kleinen Radstandes bringen wellige Pisten den ë-C3 kaum aus der Ruhe – dank Advanced-Comfort-Federung.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Weil als Anschlag anstelle der sonst üblichen Gummipuffer hydraulische Stoßdämpfer zum Einsatz kommen, krabbelt der kleine Stromer recht geschmeidig über Sieldeckel und Bodenwellen, sorgt dank kommoder Abstimmung für wenig Unruhe. Adaptive Dämpfer oder ein Verstellfahrwerk gibt es – in dieser Klasse wenig überraschend – nicht, solcher Komfortluxus wird aber auch kaum vermisst.
Messwerte
Modell | Citroën ë-C3 Standard Range |
|---|---|
Beschleunigung | |
0–50 km/h | 4,0 s |
0–80 km/h | 7,4 s |
0–100 km/h | 10,7 s |
0–120 km/h | 15,4 s |
0–130 km/h | 18,5 s |
Zwischenspurt | |
60–100 km/h | 5,8 s |
80–120 km/h | 8,0 s |
Leergewicht/Zuladung | 1454/456 kg |
Gewichtsverteilung v./h. | 56/44 % |
Wendekreis links/rechts | 10,9/10,8 m |
Sitzhöhe | 650 mm |
Bremsweg | |
aus 100 km/h kalt | 36,7 m |
aus 100 km/h warm | 34,6 m |
Innengeräusch | |
bei 50 km/h | 60 dB(A) |
bei 100 km/h | 66 dB(A) |
bei 130 km/h | 70 dB(A) |
Verbrauch | |
Sparverbrauch | 18,7 kWh/100 km |
Testverbrauch Durchschnitt der 155-km-Testrunde (Abweichung zur WLTP-Angabe) | 23,3 kWh/100 km (+39 %) |
Sportverbrauch | 26,7 kWh/100 km |
CO2 (lokal) | 0 g/km |
Reichweite | 204 km |
Der Fahreindruck im ë-C3 wirkt keinesfalls sportlich, sondern eher mühelos und im Großstadt-Gewühl angenehm wendig. Dazu trägt auch die außerordentlich wenig Kraft erfordernde Lenkung bei, die vor allem bei höheren Geschwindigkeiten aber auch recht gefühllos daherkommt und zumindest sportliche Naturen mit wenig präziser Rückmeldung ärgert.
Fahrdynamik gibt es woanders
Wer Fahrdynamik sucht, sitzt aber ohnehin im falschen Auto. Zwar schafft es die 113 PS starke Elektromaschine trotz gerade mal 125 Nm Drehmoment, die Vorderräder auch schon mal vorlaut scharren zu lassen, Dynamik stand beim ë-C3 aber nicht im Lastenheft. Ein beeindruckender Elektropunch wie in anderen Stromern fehlt.

Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Zwar geht es mit vier Sekunden bis Tempo 50 in der Stadt angemessen flott vorwärts, bis 100 km/h sind aber schon 10,7 Sekunden nötig. Die Autobahnrichtgeschwindigkeit von 130 km/h wird in 18,5 Sekunden erreicht, kurz danach ist bei Tempo 132 schon Schluss. Womit auch klar wird, dass der ë-C3 seinen natürlichen Lebensraum vor allem in der Stadt und drumherum findet, nicht auf Fernreisen.
Testreichweite knapp über 200 Kilometer
Gegen ausgedehnte Touren sprechen noch weitere Gründe. Die im Test ermittelte Reichweite bleibt mit 204 Kilometern recht begrenzt, wurde aber auch bei frischen 7 Grad Celsius ermittelt. Geladen wird mit maximal 100 kW, an Wechselstrom sogar nur mit 7,4 kW (optional 11 kW), und einen One-Pedal-Drive gibt es nicht. Dabei klingt der Antrieb wie eine Mischung aus Formel E und U-Bahn – mancher mag’s, andere sprechen von Gejaule.
Wertung Citroën ë-C3 Standard Range
Kategorie | Bewertung / Beschreibung | Punkte |
|---|---|---|
Karosserie | Ordentliches Platzangebot, Material einfach, aber sauber verarbeitet. Variabilität eingeschränkt. | 3 / 5 |
Antrieb | Noch ausreichende Fahrleistungen, Energiekosten niedrig, geringe Reichweite, kein One-Pedal-Drive. | 3,5 / 5 |
Fahrdynamik | Sicheres Fahrverhalten, müheloses Handling, Bremsen okay, Lenkung indirekt, mäßige Traktion. | 3,5 / 5 |
Connected Car | Grundmodell ohne Navi und Bildschirm, viele Funktionen nur übers eigene Handy verfügbar. | 1 / 5 |
Umwelt | Gewicht und Abmessungen klassenüblich, lokal ohne CO2-Emission, Rekuperation nicht verstellbar. | 3,5 / 5 |
Komfort | Für Kleinwagen ordentlicher Federungskomfort, guter Einstieg, einfache Sitze, wenig Assistenz. | 3,5 / 5 |
Kosten | Für E-Autos günstig, aber auch dünn ausgestattet. Versicherung im Rahmen, nur zwei Jahre Garantie. | 3 / 5 |
AUTO BILD-Testnote | 2,9 |
Die eher bescheidene Reichweite raubt dem Preis von 23.300 Euro ein bisschen von seinem Zauber, im E-Auto-Kosmos muss das aber als günstig gelten. Auf der Habenseite stehen außerdem moderate Versicherungstarife und lange Wartungsintervalle alle zwei Jahre, die Garantie beträgt allerdings auch nur zwei Jahre. Leasing kann lohnen, monatliche Raten von knapp 200 Euro sind möglich (36 Monate, 10.000 km/Jahr, keine Anzahlung).
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