Corvette C3 Stingray
Der rauchende Colt

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Fetter V8 und Hinterräder, die auf den nächsten Burnout warten: das ist die Corvette C3, ein feister Sportwagen (nicht nur) für echte Kerle.
Bild: Marcus Gloger
Schon in den sechziger Jahren gab es Sportwagen, die knackig und schnell aussahen und fuhren, dabei aber doch eine vornehme, ja exklusive Eleganz aufwiesen. Auf der Piste gaben sie den Stier, auf dem Kiesweg vor dem Portal einer Villa parkend die schlafende Schönheit. Sie hießen Maserati, Aston Martin oder Ferrari. Und dann gab es das genaue Gegenteil – die Corvette, und ganz besonders die Corvette C3. Sie war ein Muskelprotz auf Rädern, eine blechgewordene geballte Faust. Das Gegenteil von Understatement. Ein Kraftsportler, der seinen Bizeps zeigt, sich nicht zu schade ist, zu zeigen, was er hat und was er kann. Das Alphatier im Rennstall. Feines Finish und filigrane Linien sind nicht ihr Ding, Leichtbau ist nur ein Wort. Über 1500 Kilo wiegt das Monster – egal, darüber lacht sein Bigblock-V8, der mit mindestens 300 PS nicht nur alle Sorgen einfach wegbläst. Die Corvette ist feist, obszön – und geil.

Eine Corvette fällt auf, jeder guckt ihr hinterher. Aber die C3 ist kein Showcar, sondern ein waschechter Sportwagen.
Bild: Marcus Gloger
Festschnallen, bitte: Corvette C4

Die Front des 1970er Modells mit den großen Leuchten in den verchromten Ecken. Dahinter gurgelt leise ein 5,7-Liter-V8.
Bild: Marcus Gloger
Elvis lebt: Chevrolet Bel Air Nomad

Rotlicht-Milieu im Corvette-Style: tief liegende Armaturen, ein raumgreifendes Lenkrad und kaum Platz für zwei.
Bild: Marcus Gloger
Historie
"Nimm einem stolzen Hirsch sein Geweih. Was bleibt übrig? Ein großes Karnickel." GM-Designchef Bill Mitchell liebte schöne, dramatische Autos. Die Corvette war sein liebstes Spielzeug. Die dritte und mit 15 Produktionsjahren am längsten gebaute Generation der Corvette basierte stilistisch auf der Studie Mako Shark II von 1965. Aufschwellende Kotflügel über fetten Rädern, Wespentaille und geschwungene Hüften trugen ihr den Namen Coke-Bottle-Corvette ein. 1967 auf der IAA in Frankfurt vorgestellt, wurde sie 1968 an die ersten Kunden ausgeliefert. Das Coupé mit herausnehmbaren Dachteilen (lackiert oder aus Plexiglas) wurde auch T-Top genannt; das Cabrio gab’s bis 1975. Technisch war fast alles beim Alten geblieben, die C3 glich der C2. 1969 kehrte die Bezeichnung Stingray auf die vorderen Kotflügel zurück. Ab 1970 begannen Abgas- und Sicherheitsbestimmungen in den USA, die Corvette weichzuspülen: Erst wichen die Chromstoßstangen, die 1975er Basisversion wurde auf 165 PS reduziert, im gleichen Jahr entfiel der Big Block. Bis zum Produktionsende 1982 wurden rund 542.000 Corvette C3 gebaut, davon gut 70.000 Cabrios.
Technische Daten

Im blitzsauberen Foto-Auto schlummert der 1970er Basismotor mit 300 SAE-PS.
Bild: Marcus Gloger
Plus/Minus
Die Technik der C3 gilt als ausgereift und langlebig. Viele Exemplare leiden jedoch darunter, dass ihre Vorbesitzer sie sorglos behandelt haben. Achten Sie bei den Motoren auf Verschleiß der Nockenwellen und der Vergaser-Drosselklappenwelle. Bei den Modellen mit Schaltgetriebe die Funktion der Kupplung und die Schaltbarkeit der Gänge checken. Die Kunststoffkarosserie rostet zwar nicht, kann aber Risse aufweisen. Anfällig gegen Rost sind dagegen die vorderen Rahmenspitzen samt der Quertraverse. Auch ein Blick in die stählernen Radhäuser kann sich lohnen, ebenso auf A-Säule und Windschutzscheibenrahmen. Unbedingt prüfen: die Befestigung der Hinterachsschwinge, die hinteren Längslenker und die Traverse, an der das Differenzial aufgehängt ist, sowie die Befestigung des Differenzials. Verformungen der Rahmenendspitzen, schlecht passende Klappscheinwerfer und Tankstutzen deuten auf Unfallschäden hin.
Ersattteile

Das Auto für Männer steht natürlich auch Frauen, zumindest wenn sie so aussehen wie hier.
Bild: Marcus Gloger
Marktlage
Das Angebot an C3 Cabrios ist gut. Die Preise für gute Exemplare reichen von 24.000 bis 40.000 Euro. Besonders gefragt sind die bis 1972 gebauten Chrommodelle. Im vergleichbaren Zustand gilt: Älter ist teurer als jünger, Big Block ist teurer als Small Block, Schalter ist teurer als Automatik.
Empfehlung
Lassen Sie sich nicht von Klischees abschrecken. Aber auch nicht von einer glatten Karosserie täuschen. Unter dem Kunststoff kann so viel rosten, dass es sich immer lohnt, vorm Kauf einen Corvette-Experten zu konsultieren. Big Blocks mögen zwar das Ego schwellen lassen, aber die Small Blocks sind thermisch standfester, leichter und preiswerter. Schalter oder Automatik? Hier entscheidet nur der Geschmack.
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