Dacia Duster Hybrid: Test
Was kann der Duster mit Hybridantrieb?
– Die ersten beiden Generationen des Dacia Duster standen seit 2010 vor allem für zwei Dinge: Bezahlbarkeit und Nutzwert. Kann Duster Nummer drei im Test mithalten?
Bild: AUTO BILD
Duster fahren für jeden? Gab's lange nicht. Wer auf ein Automatikgetriebe angewiesen war, ging leer aus. Erst 2018, acht Jahre nach Marktstart, schoben die Rumänen noch in der ersten Generation ein Doppelkupplungsgetriebe für die Dieselversion nach. In der zweiten Generation (ab 2018) gab es für Duster-Fahrer wieder gar keine Möglichkeit, schalten zu lassen, bis die Rumänen 2020 erneut einen Doppelkuppler ergänzten. Dieses Mal in Verbindung mit dem starken 150-PS-Benziner.
Der Hybrid spart, braucht aber Gewöhnung
Insofern erfreut es durchaus, dass der Hersteller bei der noch frischen Generation drei von vorneherein eine Automatik-Option anbietet. Nur: Der Duster Hybrid, dessen Schaltarbeit das Renault-Patent "Multi-Mode-Getriebe" übernimmt, stellt mit Preisen ab 25.850 Euro mit Abstand die teuerste Art dar, einen Duster sein Eigen zu nennen.

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Der Antrieb setzt sich dabei folgendermaßen zusammen: Den 1,6-Liter-Benziner mit gemütlichen 94 Sauger-PS ergänzen zwei Elektromotoren. Einer, der mit 47 PS tatsächlich die Vorderräder antreibt. Und einer, der den Benziner auf Touren bringt, wenn dieser zu Hilfe eilen muss. Allrad gibt es hier nicht, dafür müsste stattdessen auf den 1,2-Liter-Turbo zurückgegriffen werden. Umgekehrt funktioniert der zweite E-Motor auch als Generator und speist Bewegungsenergie wieder in den 1,2 kWh großen Akku ein. Die Systemleistung beträgt 141 PS.
Fahrzeugdaten Dacia Duster Hybrid
Motor Bauart/Zylinder | Vierzylinder + 2 E-Motoren |
|---|---|
Einbaulage | vorn quer |
Ventile/Nockenwellen | 4 pro Zylinder/2 |
Nockenwellenantrieb | Kette |
Hubraum | 1598 cm³ |
Systemleistung | 104 kW (141 PS) |
maximales Drehmoment | 148/205 Nm (Verbrenner/E) |
Höchstgeschwindigkeit | 160 km/h |
Getriebe | Multi-Mode-Automatik |
Antrieb | Vorderradantrieb |
Bremsen vorn/hinten | Scheiben/Scheiben |
Testwagenbereifung | 215/60 R 18 H |
Reifentyp | Continental EcoContact 6 |
Radgröße | 7 x 18" |
Abgas CO2 | 114 g/km |
Verbrauch* | 5,1 l |
Tankinhalt | 50 l |
Kraftstoffsorte | Super |
Ottopartikelfilter | Serie |
Vorbeifahrgeräusch | 68 dB(A) |
Anhängelast gebr./ungebr. | 750/725 kg |
Stützlast | 75 kg |
Kofferraumvolumen | 430–1545 l |
Länge/Breite/Höhe | 4343/1813–2069**/1656 mm |
Radstand | 2657 mm |
Grundpreis | 25.850 Euro |
Testwagenpreis (wird gewertet) | 28.440 Euro |
Soweit also die Theorie. In der Praxis fällt auf, dass der Duster vor allem in niedrigeren Geschwindigkeitsbereichen beziehungsweise im Stadtverkehr spart. WLTP-Angabe: 5,1 Liter. Testverbrauch: 5,2 Liter. Das kann sich für ein Kompakt-SUV wirklich sehen lassen. Dabei dürfte helfen, dass der Duster selbst als Hybrid mit gemessenen 1412 Kilogramm Leergewicht verhältnismäßig leicht bleibt. Dazu läuft der Vierzylinder des Duster recht ruhig, was im Kontrast zum rödelnden Turbo-Dreizylinder steht, den Renault etwa – ebenfalls im Hybrid-Paket – in den größeren Modellen Espace und Austral anbietet.
Fahrdynamische Wunder darf man vom Antrieb allerdings nicht erwarten – falls beim Dacia Duster jemals jemand an so was gedacht haben sollte. Das Multi-Mode-Getriebe tut sein Bestes, alle Antriebsteile irgendwie miteinander zu versöhnen, wirkt dabei aber recht träge und verfügt nur über vier Gangstufen für den Verbrennungsmotor. Geht es bei höherem Tempo auf der Autobahn bergauf, kann es passieren, dass der Drehzahlsprung beim Zurückschalten so groß ausfällt, dass der Verbrenner laut aufheult.
Technische Daten
Beschleunigung 0-50 km/h | 4,1 s |
|---|---|
0-100 km/h | 10,6 s |
0-130 km/h | 19,6s |
Zwischenspurt 60-100 km/h | 5,6 s |
80-120 km/h | 7,5 s |
Leergewicht/Zuladung | 1412/458 kg |
Gewichtsverteilung v./h. | 59/41 % |
Wendekreis links/rechts | 11,1/11,1 m |
Sitzhöhe | 665 mm |
Bremsweg aus 100 km/h kalt | 35 |
aus 100 km/h warm | 36,4 |
Innengeräusch bei 50 km/h | 59 dB(A) |
bei 100 km/h | 66 dB(A) |
bei 130 km/h | 71 dB(A) |
Testverbrauch | 5,2 l S/100 km |
Durchschnitt der 155 km-Testrunde (Abweichung zur WLTP-Angabe) | (+2%) |
CO2 (Testverbrauch) | 123 g/km |
Dazu bleibt der Duster mit 10,6 Sekunden auf Tempo 100 eine halbe Sekunde hinter seiner Werksangabe zurück, der Vortrieb endet schon bei 160 km/h. Für den Anhänger-begeisterten Teil der Duster-Klientel dürfte auch die reduzierte Zuglast von maximal 750 Kilogramm schwer hinzunehmen sein. Der Vorgänger konnte mit Doppelkupplungsgetriebe immerhin 1200 Kilogramm an den Haken nehmen. Beim Bremsen war mit Werten zwischen 35,0 Metern (kalt) und 36,4 Metern (warm) alles in Ordnung. Das noch immer weiche Fahrwerk wirkt weniger schaukelig und bietet noch immer den Vorteil, selbst gröberen Schlaglöchern entspannt begegnen zu können.
Fast alles wirkt weniger hemdsärmelig
Davon abgesehen macht Duster-Generation Nummer 3 aber auch vieles deutlich besser als der Vorgänger. Natürlich wirkt vieles nach wie vor eher günstig gemacht. Die vorderen Kopfstützen haben zu viel Spiel in ihren Halterungen, das Fahrerdisplay zeigt etwas ruckelige Animationen, den hinteren Türen fehlt eine Polsterung dort, wo die lieben Kleinen ihre Ärmchen ablegen.

Viel Hartplastik, mehr Displayfläche: Das Cockpit bleibt typisch Dacia.
Bild: Olaf Itrich/AUTO BILD
Fällt das in Anbetracht des noch immer günstigen Preises wirklich ins Gewicht? Wohl kaum. Die Rumänen beherrschen es mittlerweile meisterhaft, in allen möglichen Kategorien des Autobaus genau über der "Ist-doch-eigentlich-voll-in-Ordnung"-Schwelle zu liegen. Ob beim Infotainment, das zwar ohne eigene Sprachsteuerung auskommen muss, dafür ausreichend flott und mit ansehnlicher Benutzeroberfläche sowie Offroad-Anzeigen punktet.

Auch Zwei-Meter-Mann Stefan findet im Duster-Fond Platz.
Bild: Olaf Itrich/AUTO BILD
Die Lenkung wurde präziser, die Türen klappen nun schwergängiger, satter. In den Scheinwerfern vorn leuchtet zwar noch Halogen-Fernlicht, aber immerhin LED-Abblendlicht. Und so wird der Duster in der Summe seiner Eigenschaften ein richtig gutes Auto, das bequem Platz für vier sowie selbst als Hybrid noch ordentliche 430 bis 1545 Liter Kofferraumvolumen bietet.

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Eine interessante Ergänzung ist das U-Clip-System, mit dem sich Zubehör wie ein LED-Licht oder ein Becherhalter an verschiedenen Befestigungspunkten im Innenraum fixieren lassen. Allerdings sind die Befestigungspunkte aus Hartplastik – wie lange das wohl halten mag?
Wertung
Modell | Dacia Duster Hybrid |
|---|---|
Karosserie | Cockpit mit viel Hartplastik, das keine Rätsel aufgibt. Kofferraum beim Hybrid etwas kleiner. |
3,5/5 Punkten | |
Antrieb | Sparsamer, aber müder Hybridantrieb. Bei 160 ist Schluss, maximal 750 Kilo Anhängelast. |
3,5/5 Punkten | |
Fahrdynamik | Der Fokus liegt noch immer klar auf Komfort – gut so! Die Bremswerte gingen in Ordnung. |
3/5 Punkten | |
Connected Car | MyDacia-App verfügbar, vernetzte Assistenzsysteme kann der Duster nicht bieten. |
3/5 Punkten | |
Umwelt | Auch als Hybrid recht leicht, Verbrauch moderat. Ordentliche Rausausnutzung. |
3,5/5 Punkten | |
Komfort | Neu: Extras wie Fernlichtassistent. Erstmals optional ist ein höhenverstellbarer Beifahrersitz. |
3/5 Punkten | |
Kosten | Nicht mehr ganz so günstig wie früher, aber absolut fair eingepreist. Unterhalt ebenfalls günstig. |
4/5 Punkten |
Grobe, herausstechende No-Gos haben wir beim Duster aber insgesamt nicht feststellen können. Nicht nur deshalb behaupten wir: Dieser Duster ist der beste Dacia, den wir je getestet haben. Und subjektiv sogar ein besseres Auto, als die schnöde Endnote 3+ es auszudrücken vermag.
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