Dacia Duster Pick-up

Dacia Duster Pick-up: Vorstellung

Dieser Pick-up packt uns!

Ein rumänischer Familienbetrieb entwickelt für Renault einen Dacia Duster mit Ladefläche. Unsere Bitte: Bringt den unbedingt zu uns!
Wenn die Geschichte dir nicht hilft, dann schreib deine eigene. Stelian Ion hat kurz nach der Wende mal rumänische Geländewagen vom Typ Aro in Ostdeutschland verkauft. Mit wenig Erfolg, der Hersteller ging irgendwann pleite. Wie so viele ehemalige Ostblockfirmen. Also machte sich Ion selbstständig. Zusammen mit einem Partner aus Thüringen gründete er Romturingia, eine deutsch-rumänische Manufaktur für Spezialfahrzeuge. Inzwischen gehört sie Ion allein. Und der baut jetzt den Dacia Duster zum Pick-up um, mit Unterstützung von Renault.

Noch ist der Duster mit Ladefläche ein Prototyp

Eigenbau mit Werksunterstützung: Der Duster Pick-up ensteht bei der kleinen Firma Romturingia.

Die Werkshallen von Romturingia liegen rund 40 Kilometer nördlich der Dacia-Fabrik. Die nächste Großstadt ist Kronstadt in Siebenbürgen, das heute Brasov heißt. Stelian Ion spricht ganz passabel Deutsch und fährt ein deutsches Auto: Mercedes-Geländewagen. Daneben steht der Porsche Cayenne seiner Schwiegertochter. Der Laden scheint zu laufen. In den Hallen arbeiten 145 Männer und Frauen. Sie schweißen, schrauben, formen. Bei Monatslöhnen von etwa 500 Euro ist Handarbeit in Rumänien noch bezahlbar. Und so wird auch der Duster ohne Roboterhilfe vom Kompakt-SUV zum Kompakt-Pritschenauto ummodelliert. "60 Prozent macht Dacia, 40 Prozent machen wir hier", sagt Firmenchef Ion. Vom Werk bekommen sie ein halbfertiges Auto. Die hinteren Türen fehlen ebenso wie die Rückbank. Hinter der B-Säule wird ein Stück der Karosserie abgeschnitten. So entsteht eine 1,70 Meter lange Ladefläche. Breite: zwischen 0,99 und 1,37 Meter. Tragkraft: zwischen 450 und 500 Kilogramm.

Für den Pick-up gibt es keine Großserienteile

Handarbeit: Die Kunststoffwanne, die Heckklappe sowie die Seitenteile baut der Umrüster selbst

Die Kunststoffwanne formt Romturingia selbst, ebenso die hinteren Seitenteile und die Heckklappe aus Fiberglas. Schneit's wie hier in den Karpaten (oder regnet's wie in Norddeutschland), fließt das Wasser über zwei Abläufe von der offenen Pritsche. Serienmäßig an Bord sind im Gepäckabteil eine wettergeschützte 12-Volt-Steckdose, ein Schienensystem mit Verzurrösen und LED-Beleuchtung. Vorn ändert sich im Prinzip nichts. Das Cockpit ist Serie, Fahrer- und Beifahrersitz lassen sich wie gewohnt nach hinten schieben. Direkt dahinter befindet sich die Trennwand zur Ladefläche mit eingebauter Scheibe für eine bessere Übersicht. Der Antrieb ist unverändert, im Prototyp werkelt ein 109-PS-Diesel mit Allradantrieb. Und der kommt in der rumänischen Walachei erstaunlich weit. Auf Wunsch gibt es Extras, die den Duster extra geländegängig machen: Unterbodenabdeckungen für Motor, Getriebe und Tank zum Beispiel. Wer will, kann den Duster mit neuen Federn bestellen und so um 330 Millimeter höherlegen.
Ende Gelände? "Wir bieten auch einen außen montierten Überrollbügel an", sagt Ion. Spätestens damit sieht das Kompakt-SUV aus wie ein Großer. Romturingia fährt mit dem Pritschenwagen in eine Lücke, die merkwürdigerweise noch niemand so richtig bemerkt hat. Denn Pick-ups sind, wenn auch auf niedrigem Niveau, ein bemerkenswerter Wachstumsmarkt in Europa. 25.000 wurden 2017 in Deutschland verkauft, im Jahr zuvor waren es noch weniger als 20.000. Im Grunde hinken wir damit dem Trend hinterher. In den USA ist der Ford F-150 seit 30 Jahren das meistverkaufte Auto. Und das ist ein – richtig: Pick-up.

Der Anschaffungspreis dürfte erschwinglich sein

Typisch Dacia: Für den ansehnlichen Duster Pick-up dürften 17.000 Euro Einstiegspreis realistisch sein.

Das Geschäft scheint inzwischen so lukrativ, dass sich Mercedes Ende 2017 dazu entschlossen hat, einen Nissan Navara ein bisschen aufzumöbeln, ihm einen Stern zu verpassen – und ihn nun als X-Klasse zu verkaufen. Mit etwas Bling-Bling und großem Motor kostet er 53.490 Euro. Für den Duster-Pick-up steht der Preis noch nicht fest, aber fürs gleiche Geld dürfte es etwa drei Dacia geben. Wir tippen, dass es in der optisch passenden Ausstattungslinie "Prestige" bei 17.000 Euro losgeht. 17-Zoll-Leichtmetallfelgen und der silberne Unterfahrschutz vorne und hinten sind da schon dabei. Das hübsche Taklamakan-Orange kostet 470 Euro Aufpreis (unnützes Wissen: Taklamakan ist die zweitgrößte Sandwüste der Welt). Der Duster-Pick-up ist ein vernünftiger Kompromiss. Macht was her, ist aber keine rollende Schrankwand. Und zum Einparken braucht es keinen Panzerführerschein. Zum Vergleich: Eine X-Klasse ist 5,34 Meter lang, der Duster exakt einen Meter kürzer, er bleibt auch als Pick-up bei 4,34 Meter.

An der Zulassung für Westeuropa wird gearbeitet

Könnte kommen: Nach Anlauf der Serienproduktion ist ein Vertrieb auch in Deutschland durchaus denkbar.

Trotzdem ist auf der Ladefläche des Rumänen genug Platz für alles, was man transportieren will. Größere Wochenendeinkäufe, Blumenerde aus dem Baumarkt, Fahrräder oder ein Fuder Heu für die Zwergkaninchen. Die Idee zu mehr Offenheit ist bei Dacia fast 45 Jahre alt. 1975 entstand der erste Pritschenwagen auf Basis des ewigen und gestrigen Dacia 1300. Vor zehn Jahren kam dann der Logan MCV als Pick-up zu uns nach Deutschland. Ein Lastentier, aber kein Lifestyle-Laster, wie sie heute gefragt sind. Schon vom ersten Duster-Modell hat Romturingia eine Miniserie Pritschenwagen gebaut. Erste Prototypen entstanden 2012, ab 2014 wurden 500 Stück an einen Öl- und Gaskonzern in Rumänien ausgeliefert. Der Chef von Renault Rumänien übergab damals persönlich die ersten Schlüssel. "Es gibt nur wenige, die woanders laufen", sagt Stelian Ion. Einige jedoch in Deutschland. In seinem Büro zeigt er einen mattschwarz lackierten mit Coburger Kennzeichen. Mit dem neuen Modell will Ingenieur Ion nun groß durchstarten. Man arbeite an der Zulassung für Westeuropa, sagt der Anfang 60-Jährige. Auf der Hannover Messe im vergangenen Jahr war der neue Duster-Pritschenwagen zum ersten Mal in Deutschland zu sehen. "Die Resonanz war extrem positiv", sagt Ion. Im März 2019 soll nun die Serienproduktion beginnen.

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