Dacia Spring 65 (2023): Neue Topversion bringt mehr Leistung
Wird der Dacia Spring mit 65 PS zum Sprinter?

Der Dacia Spring ist Deutschlands günstigstes E-Auto – und mit bislang 44 PS ziemlich langsam. Jetzt schiebt Dacia den Spring 65 nach. Schafft der Abhilfe?
Bild: Renault Deutschland AG
Klein, blau, clever – nein, die Rede ist nicht von den Schlümpfen, sondern vom Dacia Spring. Denn auch der will diesen drei Attributen gerecht werden. Na gut: Blau ist er nur, wenn ein 650 Euro teures Kreuzchen hinter "Cenote-Blau metallic" gesetzt wurde. Klein fährt er mit 3,73 Metern aber immer umher. Und clever? Ob die neue, auf 65 PS erstarkte Version wirklich Sinn ergibt, hat AUTO BILD gecheckt!
Der Spring hatte bislang einige nicht ganz unerhebliche Schwächen: Als derzeit günstigstes E-Auto Deutschlands musste er sparen. Nicht nur, aber auch an der Leistung. Mit seinen 44 PS beschleunigte er – na ja, wie sagen wir das jetzt nett – ziemlich schlumpfig. 19,1 Sekunden auf Tempo 100 gab Dacia an, wir hatten mal über 20 Sekunden gemessen.

Mit gerade mal 3,73 Meter Länge sortiert sich der Spring ins Sortiment der Kleinstwagen ein. Einziger, elektrischer Konkurrent ist dort der Fiat 500 Elektro – zum fast doppelten Preis.
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Das scheint auch vielen E-Auto-Neueinsteigern zu wenig zu sein. Die Rumänen sagen, für 93 Prozent aller Käufer sei der Spring ihr erstes E-Auto überhaupt.
Der Dacia Spring 45 bleibt im Programm
Nun gibt's also eine neue Variante: Der Spring 65 ergänzt die Modellpalette, der 45er bleibt im Programm. Dacia berichtet mit einem gewissen Stolz, der Kleine könne in nur 3,9 Sekunden auf Tempo 50 beschleunigen anstatt sonst 5,8 Sekunden.

Wer nett ist, nennt das Sandero-Cockpit schlicht; man könnte schon auch spartanisch sagen. Altbackenes Navi (immerhin mit Smartphone-Spiegelung), fast nur Plastik. Aber das ist in dieser Klasse nichts Außergewöhnliches.
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Was spürbar ist, definitiv. Von der Ampel weg zieht der Spring nun vielleicht nicht, als seien gerade Gargamel und seine Katze hinter ihm her, aber die Werksangabe kaufen wir ihm ab. Vor allem ist jetzt auch die etwas merkwürdige Anfahrschwäche auf den ersten Metern passé. Könnte daran liegen, dass Dacia im Zuge der Überarbeitung auch die Getriebeübersetzung verändert hat.
Bei höherem Tempo tut sich der Spring weiterhin schwer
Wo die erhoffte gefühlte Steigerung fast gänzlich ausbleibt, das sind die höheren Geschwindigkeitsbereiche. Obenrum tut sich der Spring weiterhin schwer, auch wenn der Hersteller hier zahlenmäßig ebenfalls Besserung versprochen hat: 13,7 Sekunden auf 100, das werden wir später mal genau nachmessen. Handgestoppt lag der Wert eher bei 17 Sekunden, bei Regen wohlgemerkt.
Von 80 auf 120 soll es nun in 13,5 (statt 26,2) Sekunden gehen, auch dieser Wert kommt uns eher optimistisch vor. Bei 125 km/h ist Schluss.

Wer per CCS (30 kW) laden will, muss zur neuen Topversion greifen. Für die schwächere Version hat Dacia dieses Extra nun gestrichen.
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Dass die Rumänen Fahrwerk und Lenkung noch einmal überarbeitet haben, macht auf Landstraße und Autobahn den größeren Unterschied. Auch wenn die Lenkübersetzung für diese Fahrzeuggröße noch immer indirekt ausfällt. Das Volant liegt nun nicht mehr ganz so tot in der Hand, reagiert um die Mittellage etwas direkter, nimmt mit mehr Rückstellmoment schneller wieder die Geradeaus-Position ein. Die strafferen Dämpfer erwecken mehr Vertrauen, was dem Fahrerlebnis gut zu Gesicht steht.
Die Bereifung ist weiterhin knapp dimensioniert
Nach wie vor erschreckend schlecht fallen bei Nässe die Seitenführungskräfte der Linglong-Bereifung aus. Ohnehin knapp dimensioniert (165/70 R 14) und als Energiesparreifen ausgelegt, lässt sie den eine Tonne leichten Spring schon bei niedrigen Kurvengeschwindigkeiten stur über die Vorderachse schieben.

LED-Tagfahrlicht ist Serie, davon abgesehen leuchtet außen aber ausschließlich Halogentechnik am Spring.
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Was den Stromverbrauch angeht, hat sich übrigens kaum etwas getan. Im Gegensatz zur 44-PS-Version verringert sich die WLTP-Reichweite um 10 auf 220 Kilometer. Im Stadtmix bleiben die 305 Kilometer gleich. Im Test erreichte der schwächere Dacia Spring einen Wert von 16,6 kWh/100 km und damit 180 Kilometer Reichweite.

Die neue Topvariante "Extreme" lässt sich an allerlei bronzefarbenen Akzenten ausmachen – innen und außen.
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Ab sofort stehen zwei neue Ausstattungslinien in der Preisliste: Der "Essential" kommt immer mit 44 PS, lässt Navi und elektrische Fensterheber hinten vermissen. Die bietet die Linie "Extreme" (65 PS) serienmäßig, kostet glatt 1800 Euro mehr. Macht inklusive E-Bonus 17.372,50 Euro. Ein verschlumpft faires Angebot.
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