Dacia-Technik im Edel-Look: erste Fahrt im Renault Boreal
Dieser schicke Renault ist eigentlich ein Dacia

Der Renault Boreal mischt als schicker Bruder des Dacia Bigster den südamerikanischen Markt auf. AUTO BILD ist das Mittelklasse-SUV gefahren!
Bild: S. Grundhoff
- Stefan Grundhoff
Brasilien hat in Sachen Automobil seit Jahrzehnten seine ganz eigenen Gesetze. Die Pkw auf dem dortigen Markt, immerhin dem sechstgrößten weltweit, werden zumeist von Bio-Ethanol angetrieben. Gewonnen aus Zuckerrohr, kostet der Liter umgerechnet gerade einmal 70 Cent. Und so ist es kein Wunder, dass die Fahrzeuge dank Flex-Fuel-Technik mit einer beliebigen Mischung aus Benzin und Ethanol betankt werden können.
Das gilt auch für den noch jungen Renault Boreal, lokal in Curitiba produziert und ein Modell, das in Südamerika für so viel Aufsehen sorgt wie lange keines vor ihm. Mit einer Länge von 4,56 Metern ist er als Mittelklasse-SUV nicht nur durch die Dimensionen und sein selbstbewusstes Design ein Blickfang auf Straßen wie in São Paulo oder Brasília. In einem Land, in dem das Pro-Kopf-Einkommen bei unter 600 Euro pro Monat liegt, gilt ein Modell wie der Boreal mit einem Einstiegspreis von 182.990 BR (umgerechnet 31.000 Euro) als echtes Luxus-SUV.
Technisch eng verwandt mit dem Dacia Bigster
Technisch betrachtet ist das betont edel positionierte SUV ein Bruder des Dacia Bigster, der in Zentraleuropa das Dacia-Modellportfolio nach oben abschließt. Einen gut ausgestatteten Dacia Bigster 4x4 mit 150 PS gibt es bei uns bereits ab 33.000 Euro und somit auf ähnlichem Niveau. In Südamerika wird der Bigster nicht angeboten.
Dabei wird der Renault Boreal nicht allein im 1998 eröffneten Ayrton-Senna-Komplex in der Nähe von Curitiba für den südamerikanischen Markt gefertigt, sondern für Länder in Osteuropa und dem Nahen Osten gibt es auch eine Fertigung im türkischen Bursa. Technische Basis ist die RGM-Plattform, die auch für elektrifizierte Antriebe ausgelegt ist und dem Boreal eine Vielzahl von Assistenzsystemen anbietet – vom Spurhalteassistenten bis zu Tempolimiterkennung und Totwinkelwarner.

Der Renault Boreal ist technisch eng mit dem Dacia Bigster verwandt, tritt optisch jedoch deutlich luxuriöser auf.
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In Sachen Auftritt ist man beim Renault Boreal an Modelle von Cupra erinnert, so selbstbewusst präsentieren sich Front, 19-Zoll-Radsatz und Proportionen. Innen bietet der Brasilianer eine Mischung aus Renault-Volumentechnik und netten Details, die den Boreal mit Nähten oder Pianolack auf der Mittelkonsole deutlich vom Bigster abgrenzen.

Zwei 10-Zoll-Displays und hochwertige Details sollen den Boreal vom Dacia-Bruder abheben.
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Durch den 2,70 Meter langen Radstand bietet er dabei nicht allein nach südamerikanischen Maßstäben Platz für vier oder gar fünf Personen, die sich über USB-Ports, viel Beinfreiheit und ausreichend einstellbare Kopfstützen freuen. Das Bedienkonzept mit zwei elementaren 10-Zoll-Bildschirmen kennt man bereits bestens aus aktuellen Renault-Modellen. Hinter der elektrischen Heckklappe stehen 530 Liter zur Verfügung, die sich deutlich vergrößern lassen.
163 PS aus dem Flex-Fuel-Turbo
Aktuell ist der Boreal ausschließlich mit einem Antrieb zu bekommen. Für flotten Vortrieb sorgt ein ebenfalls in Curitiba lokal produzierter 1,3-Liter-Vierzylinder-Turbo, der beim Betrieb mit Ethanol 120 kW/163 PS leistet und an ein sechsstufiges Doppelkupplungsgetriebe gekoppelt ist. Rund 160 PS und 275 Nm bei einem Leergewicht von 1,5 Tonnen sind nicht opulent, doch allemal gut motorisiert, um hier im dichten brasilianischen Verkehr mitzuschwimmen. Leider ist es um die Geräuschdämmung nicht zum Besten bestellt, und so bekommen die Insassen das Turboaggregat ab mittleren Drehzahlen deutlich zu hören.

Der 1,3-Liter-Turbomotor leistet mit Ethanol bis zu 163 PS und 275 Nm Drehmoment.
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Auf den brüchigen Straßen der Millionenmetropole Curitiba präsentiert sich das Fahrwerk – unabhängig vom angewählten Fahrprogramm – mit seinen serienmäßigen 19-Zöllern überraschend straff abgestimmt. Wohl eher kein Zeichen von bemühter Sportlichkeit, sondern eher der Tatsache geschuldet, dass die Straßen selbst in den urbanen brasilianischen Regionen oftmals zerborsten sind. Abseits der Schnellstraßen wartet in Städten und Ortschaften alle paar Hundert Meter eine gewaltige Temposchwelle, die die Insassen heftig durchrüttelt. Ein allzu weiches Fahrwerk würde hier Probleme bereiten.
Doch so groß Schlaglöcher und Tempobrecher auch sind – der Boreal wirkt im Fahrbetrieb mehr als solide verarbeitet, während auf dem 10-Zoll-Display die gleichen Anzeigen informieren wie in Europa.
Allradantrieb fehlt dem Renault Boreal
Für ländliche Regionen würde dem Renault Boreal allenfalls ein Allradantrieb gut stehen, der bei seinem Bruder Dacia Bigster auf Wunsch durchaus verfügbar ist. Vielleicht für die Zukunft eine sinnvolle Erweiterung des Mono-Angebots, das aktuell auch auf eine Elektrifizierung verzichtet.
In der Topausstattung kostet der Renault Boreal Iconic mit Details wie Kunstledersitzen, Panoramadach, elektrischer Heckklappe, 19-Zoll-Alufelgen, LED-Scheinwerfern und einem Soundsystem, dem Synthie-Legende Jean-Michel Jarre den finalen Schliff gegeben hat, umgerechnet über 37.000 Euro.
Technische Daten: Renault Boreal
- Motor: Vierzylinder-Benziner mit Turboaufladung
- Hubraum: 1333 cm³
- Leistung: 120 kW/163 PS (mit Ethanol)
- Max. Drehmoment: 275 Nm bei 1750 U/min
- Höchstgeschwindigkeit: 180 km/h
- Beschleunigung 0–100 km/h: 9,5 Sekunden
- Normverbrauch: 7,4 Liter/100 km
- Getriebe: Doppelkupplung
- Antrieb: Front
- Leergewicht: 1520 kg
- Ladevolumen: 530 Liter
- Preis: ab 182.990 BR
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