Kollege Hirschberger nahm sich auf der Detroit Auto Show die amerikanischen Neuheiten zur Brust. Und die bekamen nicht selten ihr Fett weg.
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Tomas Hirschberger
Deutsche Autofans lieben offensichtlich den amerikanischen Schiffsbau. Kaum zwei Stunden nachdem mein Kollege Boris Pieritz das erste Video vom neuen Ford F-150 bei Facebook postete, hatte der Artikel mehr als 50.000 Likes. Doch das bullige Flaggschiff der US-Autobranche schippert nicht nur im Netz in Gewässern, die für unsere Verhältnisse unvorstellbar sind. Der Volks-Pick-up wurde gerade zum 32. Mal in Folge meistverkauftes Auto in den USA. Über 760.000 Stück wurden 2013 verkauft, alle 41 Sekunden unterschreibt irgendwo auf der Welt ein Kunde einen Kaufvertrag. Jetzt stellt Ford die 13. Generation vor – und der F-150 vollzieht damit vollends seine abenteuerliche Transformation vom rustikalen Arbeitstier für Farmer zum luxuriösen Laster für alle Fälle. Optisch ist er stattlich wie eh und je, reichlich behängt mit blitzendem Chrom, aber dank Alukleids jetzt rund 320 Kilo leichter und mit allem erdenklichen elektronischen Schnickschnack an Bord.
Der Dodge Ram "Mossy Oak" ist an Geschmacklosigkeit kaum zu überbieten.
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Für Amerikaner, die sich bei einem Spritpreis von unter 70 Eurocent tatsächlich noch Gedanken über den Verbrauch machen, bietet Ford nun einen 2,7-Liter-EcoBoost-Sechszylinder an, der auf 100 Kilometer nur acht Liter vernaschen soll. Theoretisch jedenfalls. In der Praxis dürfte der Big Mäc mit Ladefläche deutlich größeren Appetit entwickeln. Was den Amis freilich komplett am Allerwertesten vorbeigeht. Sie lieben ihre kauzigen Blechkameraden. Schließlich gibt es einen F-150 schon zum Gegenwert eines Polo Highline (ab 23.000 Dollar), da verzeiht man einiges. Überhaupt haben die Amis ihre American Icons wieder ganz doll lieb. Natürlich auch die Fettbrumme Ram, die bei Dodge steht – in jeder Größe, in jeder Ausprägung. Besonders ans Herz legen möchte ich hier den Pick-up "Mossy Oaks", ein sonderbares Sondermodell mit abenteuerlich hässlichen Camouflage-Applikationen für den hemmungslosen Jäger und Sammler, das an Geschmacklosigkeit kaum zu überbieten ist.
Bääh: Giftgrünes Viper-Exemplar auf der Detroit Auto Show.
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Wenn dann vielleicht von der giftgrünen Viper, die nebenan, umringt von reichlich ausuferndem SUV-Blech, den Grenzbereich des guten Geschmacks längst verlassen hat. Egal. Ikonen dürfen das. Schnöde Mittelklasselimousinen nicht. So kommt der neue Chrysler 200C dann auch relativ unspektakulär daher. Aber gar nicht mal sooo hässlich. Unterm Blech steckt die Technik vom Alfa Giulietta, was die Befürchtung schürt, dass der 200C bei uns eines Tages als Lancia für weitere Missverständnisse und Peinlichkeiten sorgen könnte. Gebaut wird der Chrysler in Stirling Hights, Michigan, und soll in der extrem wichtigen oberen Mittelklasse gegen solche emotionalen Pulsbeschleuniger wie ToyotaCamry, Hyundai Sonata oder Ford Fusion punkten. Los geht's ab April bei 95 PS für 21.700 Dollar.Bevor uns nun endgültig die Füße einschlafen, geben wir Gas. Die derzeit stärkste Corvette Z06 parkt nur einen Steinwurf weiter. Ein endgeiles Teil mit 6,2-Liter-V8, angeblasen von einem 1,7-Liter-Eaton-Kompressor und der bescheidenen Leistung von 635 PS. 861 Newtonmeter Drehmoment attackieren entweder über eine Siebengang-Handschaltung oder eine neue Achtgangautomatik die 20-Zoll-Hinterräder, auf denen sich 335er-Walzen mit dem Asphalt verschmelzen. Wahlweise liefert Chevrolet ein herausnehmbares Dachteil, Anbauteile aus Kohlefaser-Imitat, Sportreifen oder eine Carbon-Keramikbremsanlage. Startfreigabe erhält die Boden-Rakete Anfang 2015, über Preise schweigt das Standpersonal beharrlich.
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Ford Mustang (2015): Preise und Leistungsdaten
Wer Ami-Schlitten mag, wird den neuen Ford Mustang lieben.
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Das gilt auch für die ewig junge Legende Mustang, die sich erneut komplett verjüngt hat. Wer Ami-Karren mag, wird den neuen Mustang lieben. Angeblich jedes Teil sei neu, versichern mir ewig lächelnde How-do-you-do-Menschen mit Ford-Sticker am blütenweißen Hemd. Insgesamt viel niedriger (das Dach wurde um sieben Zentimeter abgesenkt) und mit breiterer Spur (darunter sitzt nun eine komplett neue Einzelradaufhängung) hat sich der Mustang in seinem 50. Produktionsjahr einiges vorgenommen. EcoBoost-Motoren sollen auch bei ihm den Heißhunger auf fossile Brennstoffe stillen. Schließlich kommt der Klassiker Anfang 2015 nun auch offiziell zu uns und soll sich hier benehmen. Sähe nicht wirklich elegant aus, wenn der Mustang hemmungslos unsere Tankstellen leer saufen würde. Denn so etwas quittiert die Fangemeinde umgehend und zu Recht mit Tausenden von Dislikes.
Ford Mustang (2015): Preise und Leistungsdaten
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Lange, lange mussten wir warten. Und ganz allmählich, Stückchen für Stückchen, gibt Ford Einzelheiten zum neuen Ford Mustang bekannt. Jetzt haben die Amis verraten, wie schnell das Pony auf Tempo 100 galoppiert: 5,8 Sekunden braucht es mit dem 2,3-Liter-EcoBoost-Motor mit vier Zylindern, mit Fünfliter-V8 ist es genau eine Sekunde weniger (beide mit manuellem Getriebe). Wie lange ...
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... die Automatik- und Cabrio-Versionen brauchen, werden die Cowboys bestimmt auch noch irgendwann verraten. Wir wissen bereits: Los geht's im Sommer 2015, wenn der Mustang nach Europa kommt. Und das quasi zum Schnäppchenpreis: Los geht es bei 35.000 Euro mit dem 2,3-Liter-Herz, und das Pony mit Fünfliter-V8 ...
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... gibt's als Fastback GT ab 40.000 Euro. Freiluftfans müssen für das Cabrio mindestens 39.000 Euro hinlegen. Es kommt zeitgleich mit dem Coupé, das Dach faltet sich in 15 Sekunden weg. Alle Versionen kommen serienmäßig mit Performance-Paket, das unter anderem dank einer modifizierten Fahrwerksabstimmung inklusive ...
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... angepasster Fahrwerkslager, einer verbesserte Kühlleistung, einer zusätzlichen Strebe zwischen oberer Radaufhängung und Motorraum-Stirnwand, verstärkten Stabilisatoren hinten sowie einer spezielle Abstimmung der Fahrer-Assistenz-Systeme sowie der elektrischen EPAS-Servolenkung noch bessere Handling- und Fahreigenschaften garantieren soll.
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1979 kam die dritte Generation des Mustang als Cobra-Edition mit einem 2,3-Liter-Vierzylinder-Turbo unter der Haube und bescheidenen 116 PS. Der 2,3-Liter-EcoBoost-Turbo im neuen Mustang hat 314 PS und ...
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... stemmt 434 Newtonmeter (Nm) Drehmoment auf die Hinterachse, maximal sind 234 km/h drin. So muss sich der Käufer nicht gleich von jedem GTI an der nächsten Ampel vernaschen lassen, erspart sich aber die Sauf-Eskapaden des ...
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... 5,0-Liter-V8, der mit Automatikgetriebe satte 12, mit Sechsgang-Handschaltung 13,5 Liter Sprit schluckt. Der Achtzylinder leistet 441 PS und 542 Nm, schafft Tempo 250, kommt todsicher mit dem passenden Brabbeln und wird für echte Fans wahrscheinlich der einzig wahre Antrieb sein.
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Ein Mustang ist keine Rennmaschine, sondern ein GT für die flotte Reise. Die Motoren werden mit einer manuellen Sechsgang-Box gekoppelt, auf Wunsch gibt es eine Automatik mit sechs Stufen und Schaltwippen am Lenkrad.
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Insgesamt streckt sich der Mustang auf 4,78 Meter Länge, ist aber nur 1,38 Meter hoch. Ein neuer Mustang muss auch immer irgendwie ein Retro-Mobil bleiben, deshalb hat sich Ford weit von den Irrungen der 80er- und 90er-Jahre auf einen Mix aus Neu und Alt besonnen. Besonders das Heck ...
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... zitiert die Vorfahren der 60er, aber auch hier wurde modernisiert: Wo hinten früher schnöde Glühbirnen die schmalen Streifen hinterleuchteten, erstrahlen mittlerweile sechs vertikale LED-Linien. An der Front ...
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... gelingt Ford eine Mischung aus Retro und aktuellem Ford-Design: Der große Grill ist eingerahmt von schmalen Scheinwerfern statt der runden Leuchten wie beim Vorgänger. Zwei markante Sicken ...
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... prägen die lange Haube und die massigen Flanken.
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Der Kofferraum ist flach, hat eine hohe Ladekante und soll zwei Golfbags schlucken.
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Das Cabrio (kommt zeitgleich) behält die muskulöse Linie des Coupés bei und trägt eine Stoffhaube, ...
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... die in 15 Sekunden unter einer Blechklappe verschwindet.
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Der Rahmen der Windschutzscheibe wird verstärkt und dient als Schutz bei einem Überschlag.
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Der Kofferraum verdient den Namen nicht, dazu ist die Ladekante hoch.
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Das Cockpit übernimmt das Cabrio vom Coupé, ...
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... hinten gibt es weder Platz noch Kopfstützen.
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Mehr als moderner Touch ist dagegen die Mehrlenker-Konstruktion der Hinterachse, die endlich das starre Fahrwerk der Vorgänger-Generationen ablöst. Ein Quantensprung, der das labbrige Fahrwerk älterer Mustang endlich dahin schickt, wohin es gehört: auf den Autofriedhof.
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Hinter mindestens 19 Zoll großen Rädern warten standfeste Bremsen auf Zugriff, im Fall des Achtenders stammen sie von Brembo.
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Über Kippschalter in der Mittelkonsole lassen sich Lenkung und Fahrdynamik beeinflussen, hier bekommt das Musclecar eine Gehirnwäsche mit Hilfe der Elektronik.
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Kleiner Gag am Rande für den großen Auftritt: Die Ingenieure haben in die Außenspiegel Minibeamer integriert, die einen galoppierenden Hengst mit wehender Mähne auf den Boden neben den Türen projektzieren – das braucht kein Mensch, aber es sorgt für zusätzliche Blicke.
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Einem neuen Gaul schaut man durchaus ins Maul – im Fall des Mustang werfen wir einen Blick auf dessen Tauglichkeit für die Zukunft.
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Das Rennpferd erfreut den Betrachter mit modernen Instrumenten, die nicht nur so aussehen, ...
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... als seien sie auf der Höhe der Zeit, sondern sie sind es auch: Rund um die ...
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... zwei klassisch gezeichneten Rundinstrumente geben diverse Anzeigen den Hinweis auf Helfer wie Tempomat, Totwinkelwarnung und andere Assistenzsysteme. Öldruck ...
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... und ähnliche Infos gibt's in Uhren auf der Mittelkonsole.
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Ford-SYNC2 mit Sprachsteuerung und Konnektivität mit medialen Endgeräten hat der neue Mustang locker drauf.
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Die Rücksitze sind wie bisher allenfalls ein Notbehelf, lange Fahrten sind Erwachsenen kaum zuzumuten. Vorne soll's dafür umso gemütlicher werden, sagt Ford: Fahrer und Beifahrer nehmen in ledergepolsterten Sportsitzen Platz. Sie sind sechsfach elektrisch einstellbar und verfügen je über eine justierbare Lendenwirbelstütze, auf Fahrerseite ...
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... ebenfalls elektrisch einstellbar. Lenkrad, Handbremsgriff und – bei Fahrzeugen mit Schaltgetriebe – der Schaltknauf sind mit Leder bezogen. Alu-Pedale zeigen die sportlichen Gene. Wer es noch individueller und komfortabler mag, kann sich für 2500 Euro Aufpreis das Premium-Paket leisten.
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Es umfasst unter anderem Navigationssystem und ein Premium-Sound-System mit zwölf Lautsprechern.
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