Drei sportliche Coupés im Vergleich
Scirocco R fordert TTS und Mégane heraus

Scirocco-Fans glühen – der R mit 265 PS steht bereit zum Losbrennen. Aber das Coupé hat starke Konkurrenz: Renault mit dem Mégane RS und Audi mit dem TTS. AUTO BILD testet, wer seine Gegner abkocht.
Dass der Scirocco (auch) ein warmer Wüstenwind ist, wissen wir längst. Geschenkt. Die hoch temperierte Brise aus Wolfsburg sorgt schließlich seit gut 35 Jahren für innere Hitze bei den Fans. Neuerdings glüht sich das Coupé sogar mit 265 PS in die Herzen. Das besorgt beim Scirocco R ein heftig aufgepusteter 2.0-TSI, unter Volldampf drückt der Vierzylinder satte 350 Newtonmeter auf die Straße. Dicker Turbo, dickes Drehmoment. Deshalb setzen auch andere Marken den Lader als Brandbeschleuniger ein. Audi feuert seinen TT damit an, als S leistet das Zweiliter-Coupé giftige 272 PS. Auch Renault hat die starken Coupés wiederentdeckt: Der Mégane TCe 250 RS bringt kernige 250 PS. Das klingt nach technischem Gleichstand. Allerdings zeigen die drei Coupés jenseits ihrer starken Vierzylinder kaum Gemeinsamkeiten.
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So setzt Audi im #PARSER#STT#PARSER# grundsätzlich auf quattro-Allradantrieb und verzichtet zugunsten eines kompakten Radstands auf vollwertige hintere Sitze. VW baut im Grunde genommen einen platt gedrückten Golf-Dreitürer, verleiht dem Scirocco dadurch sogar praktische Talente und zähmt die vorn angetriebenen Räder per elektronischer Kraftverteilung. Der immerhin fünfsitzige Renault lässt seine 340 Newtonmeter Drehmoment ebenfalls auf die Vorderräder los, zügelt eventuell auftretenden Schlupf dagegen per mechanischer Differenzialsperre. Die Technik aus dem Motorsport liefert Renault zusammen mit härteren Federn und dicken 235er-18-Zoll-Rädern im Cup-Paket für rund 1600 Euro Aufpreis. Dazu noch 2300 Euro für erstklassige Recaro-Sitze – fertig ist ein Renner für 30.540 Euro (Grundpreis: 26.650 Euro). Aus sportlicher Sicht ist das gut angelegtes Geld, aber dazu später mehr. Auch VW kann den Grundpreis nicht halten, wir schlagen rund 2800 Euro für das DSG-Getriebe und verstellbare Stoßdämpfer auf den Basispreis, das macht 36.295 Euro für den R.
Die bockharte Federung des Renault Mégane RS ist eine Zumutung
Ein Schnäppchen im Vergleich zum Audi. Der kostet mindestens 45.700 Euro, plus vernachlässigbare 195 Euro für eine Schaltwegeverkürzung. So steht der Renault als Preisbrecher am Start. Zumal der Franzose ab Werk mit Temporegler und Einparksensoren hinten kommt und der Kofferraum eine vernünftige Größe besitzt. Was allerdings noch lange nicht bedeutet, dass der Mégane den besten Alltagstyp abgibt. Ganz im Gegenteil: Die bockharte Federung ist eine Zumutung. Sperrighakelnd humpelt der Renault, von seinen breiten Reifen und einem verspannenden Differenzial behindert, aus dem Parkhaus. Seine unübersichtliche Form macht jedes Rangieren trotz der serienmäßigen Piep-Hilfe im Stoßfänger zum Geschicklichkeitsspiel. Der Scirocco wäre der bessere Freund für jeden Tag. Mit Sitzheizung, Klimaautomatik und Xenonlicht schon üppig ausgestattet, rollt er geschmeidig ab und federt dank elektronisch kontrollierter Stoßdämpfer weich genug. Wäre nur nicht das ständige Getöse aus dem Untergeschoss. VW lässt die R-Version auf einem eher pubertären Klangteppich toben, speziell bei niedrigen Drehzahlen nervt das künstlich erzeugt Auspuff-Brummen. Nichts gegen eine herzhaft sportliche Tonart – aber das ist für den Hausgebrauch zu viel des Guten.
Wie es perfekt geht, zeigt Audi. Der Maschine des TT hört man die Kraft an, das kernige Laufgeräusch passt bestens zum Charakter. Nie wirkt der TFSI-Motor dagegen gestresst oder störend laut. Auch der #PARSER#STT#PARSER# kommt mit geregeltem Fahrwerk, entsprechend vielseitig arbeiten Federung und Dämpfung: Im Ingolstädter kann man zur Arbeit und zur Rennstrecke fahren. Dort, auf der Piste, werden wir auf die Zehntelsekunde exakt erfassen, wer der beste Sportler ist. Denn die Stammtischwertung (null auf 100, Vmax, Zwischenspurt) spiegelt nur die reinen Leistungswerte wider: Audi vorn, Renault hinten, VW dazwischen. Selbst bei Bremswegen nehmen sich die drei nicht viel, nur der Mégane lässt mit heißen Scheiben in der Leistung nach. Die Stoppuhr zeigt dagegen deutlich, wer was kann.
Auf der Rundstrecke ist gegen den Allrad-Audi kein Stich zu machen

Bild: Toni Bader
Weitere Details zu den drei sportlichen Coupés finden Sie in der Bildergalerie. Den kompletten Artikel mit allen technischen Daten und Tabellen gibt es als Download im Heftarchiv.
Fazit
Klar, dank Traktionsvorteils und Leistungsplus fährt der Allrad-Audi den Konkurrenten mit Frontantrieb davon. Aber nicht weit genug. Der charismatische Renault macht viel über sein agiles Wesen wett, kann auf dem Rundkurs sogar dranbleiben. Den Rest besorgt der rund 15.000 (!) Euro günstigere Preis. Der Scirocco geht im Vergleich zum Audi ebenfalls als Schnäppchen durch, glänzt dazu mit satter Kraft.
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