Es gibt leichtere Jobs in der Automobilindustrie als seinen. Matthias Kreimeier ist Vertriebsleiter bei Next.e.Go Mobile. Seit Tag eins ist er dabei. 2016 wurde das Start-up aus der RWTH Aachen heraus gegründet, baute den Elektro-Stadtflitzer e.Go Life.
Nach einer Insolvenz 2020 und dem Einstieg eines Investors soll es nun das Nachfolgemodell e.wave X richten. Vom Vorgänger wurden nur 1500 Stück gebaut. Dabei ist die Kapazität der Produktion in Aachen deutlich größer: "Wir können hier bis zu 30.000 Fahrzeuge im Jahr bauen", sagt Kreimeier.

Zusätzlich sollen "Mikrofabriken" in Nordmazedonien und Bulgarien entstehen. Die dafür notwendigen 130 Millionen Euro werden laut e.Go durch "öffentliche und private Partnerschaften bereitgestellt".
Klingt nach großen Plänen. Zu großen? Kreimeier glaubt nach wie vor an den kleinen E-Flitzer. Die Qualität des neuen e.wave X sei deutlich optimiert. In der höchsten Ausbaustufe gibt es sogar Extras wie Alcantara-Lenkrad und Klavierlack im Innenraum.
Moderne e.Go-Fabrikation in Aachen: Früher baute Philips hier Röhrenfernseher.
Dann kostet der 3,36 Meter kurze Viersitzer allerdings auch knapp 30.000 Euro, abzüglich der Elektro-Prämie. Zum Vergleich: Fürs gleiche Geld bekommt man aktuell einen neuwertigen VW e-Up als Jahreswagen, der Dacia Spring geht bei 22.500 Euro los.

Pfiffiges Konzept: e.Go setzt auf simples Alu-Chassis

Die grundsätzliche Idee von e.Go ist pfiffig: Das Chassis besteht aus simplen Alu-Profilen, komplett von Robotern zusammengeschweißt. "Dadurch brauchen wir für die Produktion keine teuren Werkzeuge", sagt Kreimeier. Daran angeflanscht sind Karosserieteile aus Polymer-Kunststoff. Nicht lackiert, sondern durchgefärbt. "Sehen Sie, es passiert nichts", sagt Kreimeier, und haut gegen die Tür. Keine Beule, kein Kratzer.
Die Batterie sitzt zwischen Vorder- und Hinterachse, der Motor hinten. Die Teile liefern renommierte Firmen zu." Der E-Motor kommt zum Beispiel von Bosch." Besonders das neue Cockpit sieht deutlich hochwertiger aus als beim Vorgänger. Die beiden hinteren Sitze lassen sich umklappen und den Kofferraum auf bis zu 671 Liter anwachsen.
Herzstück des e.Go e.wave X: ein verschweißter Rahmen aus Alu-Profilen, das Dach ist aus Stahl.

Das erste Modell wurde zur Hälfte von Firmen geordert, sogar die Polizei Aachen fährt damit. "Das Fahrzeug ist ein idealer Werbeträger", sagt der Vertriebschef. (Fahrbericht: Unterwegs im Elektro-Stadtflitzer e.Go Life)
Das neue Modell und neue Ideen sollen jetzt den, nun ja, Doppel-Wumms bringen. So werden weitere Vertriebskanäle geprüft, auch unabhängig vom klassischen Automobilverkauf, heißt es bei e.Go.
Bis die ersten e.wave X auf der Straße sind, wird es indes noch ein paar Monate dauern. Aktuell werde die Fabrikationslinie für das neue Modell eingerichtet, sagt Kreimeier. Daher herrscht in der großen Produktionshalle in Aachen gerade Stillstand.
Die letzten e.Go Life warten noch auf die Auslieferung. "Mit der Produktion des Neuen wollen wir Ende 2022 beginnen", sagt Kreimeier. Vorbestellungen gebe es schon aus ganz Europa.

e.wave X: vollelektrischer Cityflitzer ab 24.990 Euro

Rund 90 Prozent der Teile sollen neu sein: Nach dem e.Go Life kommt Ende 2022 der Nachfolger e.wave X. Auf der Messe in Paris wurde es konkret: drei Ausstattungen, Preise von 24.990 bis 29.490 Euro. Immer mit 30,4-kWh-Akku, die Reichweite 163 Kilometer nach WLTP-Norm, in der Stadt sollen es rund 250 km sein.
Den e.wave X gibt es auch in der neuen Farbe "Sage Green". 17- oder 18-Zoll-Felgen stehen zur Auswahl – je nach Ausstattung.
Der Flitzer soll 135 km/h Höchstgeschwindigkeit schaffen, kurzzeitig 117 PS leisten (Dauerleistung: 60 PS). Geladen werden kann mit maximal 11 kW. Leergewicht: rund 1200 Kilo. Serie: beheizbare Frontscheibe, vier Airbags, LED-Licht, E-Parkbremse, Regen- und Lichtsensor, ABS, ESP. Sicherheits-Fahrassistenten: keine.