Abends in der Kneipe ist die grüne Tonne Theken-Thema. "Womit hab ich dich denn heute gesehen?", will einer wissen. Und der andere plustert sich auf: "Ist dir denn gar nichts mehr peinlich?" Ich so: "Nö!" Die beiden gucken ratlos. Ich so: "Mit über 50 darfste auch mal unter 50 fahren."
Dann wollen sie die ganze Geschichte hören. Ich starte mein Referat mit den Worten "nachhaltige Mobilität", die beiden verschlucken sich kurz am Bier, sie husten und lachen und kippen fast vom Hocker. "Okay", sag ich, "ihr kennt das Autohaus, da, wo früher Opel drin war. Da stehen jetzt 40 von diesen Elektro-Dosen, einige davon heißen Frosch. Ich musste so was einfach mal fahren."
Wir befinden uns in Nordhessen, in der Schwalm. Mark Philipp Pauer (43) ist Kfz-Meister, hat seit 26 Jahren seine Firma "Schwalm-Speed". Jetzt verkauft er in Neukirchen im Knüllgebirge, also in diesem Ex-Autohaus, Elektromobile, die alle nicht schneller fahren als 45. Manche auch nur 25.
Vier Räder, Türen und ein Dach überm Kopf! Pendler, was willst du mehr?

Da stehen Pritschen-Dreiräder für unter 3000 Euro, der Einsitzer-Kastenwagen kostet 4990 Euro, fürs Dreirad mit Campingzelt obendrauf will er 5490 Euro. 250 E-Mobile hat der Meister in den letzten sieben Jahren verkauft. Für AUTO BILD hat Pauer einen rausgepowert: Wir kriegen den Frosch für vier.

Das Auto vom Sandmännchen

Kostet 8990 Euro, hat vorn zwei Sitze mit schwarzem Bezug (Frosch-Leder?), hinten eine Rückbank für zwei sehr kleine, sehr dünne Leute. Pauer schraubt die rote Nummer dran, sagt: "Wegen der vier Sitze braucht er ein großes Kennzeichen, ist aber viel günstiger in Haftpflicht und Steuern als ein Auto." Bei 100 Prozent soll er mit Teilkasko 250 Euro kosten, mit Versicherungskennzeichen wären es fürs ganze Jahr 100 Euro. (Das sind die 14 derzeit besten Elektroautos)
Erster Rundgang ums, sollen wir sagen: Auto? Ja, vier Reifen und ausgestellte Radhäuser, kurze Haube vorn und stylisher Grill darunter. Ehrliche Meinung? So sah früher das Auto vom Sandmännchen aus, und die Räder mit Reifen im Format 145/70 R 12 wirken wie Elefantenrollschuhe.
Sterne im Lenkrad-Logo wie bei Subaru, aber kein Allrad. Dafür Rausch-Radio mit Touch, unten Heizung und Lüftung.

Der Akku ist vollgeladen, und Pauer sagt noch: "Eigentlich 80 Kilometer, bei diesem Wetter eher 70. Also höchstens." Das soll noch wichtig werden, später mehr.
Wir brauchen keine Einweisung, einfach losfahren mit der China-Chaise. Diesen Gangwahlsteller als Drehrädchen unterm Multimedia-Monitor kennen wir von Jaguar, Ford, Kia, die Etablierten kochen auch nur mit Wasser. Der Zündschlüssel sah lange Zeit bei VW genauso aus.

Schon ab 180 cm gibt es Probleme

Das mit der Sitzposition vorn liegt womöglich daran, dass der Chinese durchschnittlich eher klein baut (1,75 Meter), Deutsche mit 1,80 Meter müssen das rechte Bein beim Einsteigen irgendwie an der Lenksäule vorbeimogeln. Wenn du erst mal drinsitzt, fühlst du dich richtig "Mini".
Bitte nicht verwechseln! Das Dicke da unten ist nicht die grüne Tonne, aber der gelbe Container ist fast so groß.

Das Lenkrad liegt so flach in der Hand wie beim englischen Klassiker. Und dieses Amphibienauto ist auch eher straff, ja, sollen wir sagen: gefedert? Stimmt nur teilweise, du hüpfst über die Straße wie der Frosch zur nächsten Seerose, das ist lustig.
Nicht lustig ist der Wendekreis. Der ist riesig, und noch riesiger ist der Frust, weil du wegen fehlender Servo-Unterstützung erst mal in die Muckibude gehen solltest.
Oder Kraft durch Burger? Wir kommen rum beim "Burger-Meister", sollen Essen ausfahren, der Tischler im Nachbarort will achtmal Cheesy, achtmal Fritten. Man hilft ja, wo man kann, also sperrige Thermobox nach hinten auf die Bank hieven, Sitz zurückstellen, per Lehne das Essen festklemmen, denn jetzt geht es auf wilde Fahrt.

45 km/h schneller Frosch

Die Handbremse muss wirklich noch von Hand gelöst werden, so wie früher beim 7,5-Tonner. Knopf mit dem Finger drücken, mit der Hand den Hebel drehen, reindrücken. Jetzt Blinker setzen, es piept innen und außen, was für eine Piep-Show. Wir fahren leicht bergauf, der Frosch müht sich nach Kräften, 25 Sachen, 30, 35, dann zählen wir in 2-km/h-Schritten weiter.
Der Kofferraum? Da kannste vielleicht zwei Sixpacks Bier reinstellen.

Höchstgeschwindigkeit 45 wurde versprochen. Erreichen wir später wirklich. Und wir halten sie auf gerader Strecke dauerhaft. Der E-Motor leistet 4 kW, also 5,4 PS. Und wir kommen kurz ins Grübeln: Ginge auch ein Rasenmähermotor und im Fond, mit Spanngurten festgezurrt, der 40-Liter-Benzintank vom Käfer?
Unser Frosch ist mucksmäuschenstill und riecht nicht nach Sprit, nur nach Essen. Noch sechs Kilometer, also etwa acht Minuten. Es geht bergab, wir drücken das Spaßpedal voll durch, 47 Sachen, 50, die Nadel ist schon längst im roten Bereich, bleibt bei 55 km/h stehen, wir bleiben auf dem Gas, "Pedal to the Metal". Unser wildes Froschleben im Grenzbereich!
Der Rest ist schnell erzählt. Der Frosch ist viel schmaler (1,30 Meter) als hoch (1,60 Meter), wir fahren natürlich IN die Tischlerei und laden direkt neben der Hobelbank aus. Und dann ist es so wie damals mit 18, als du frisch den Führerschein hattest und erstmals ganz allein sinnlos durch die Gegend gefahren bist.
Mark Philipp Pauer aus Nordhessen bringt den Frosch an den Menschen, bietet im Ex-Opel-Autohaus 40 verschiedene Modelle an.

Du tuckerst also über die Landstraße, spielst am Radio (der Monitor zeigt auch das Bild der Rückfahrkamera, welch Luxus!), guckst mal hier und mal da und siehst gar nicht, wie sie alle hinter dir fahren und wegen dieser Frosch-Wanderung völlig genervt den Kopf schütteln. Früher wäre das peinlich, heute, mit über 50, fährst du gern mal unter 50.

Stau ist nur hinten doof, vorn geht's

Ja, die Geschichte hab ich den Jungs abends an der Theke so erzählt. Die Fortsetzung vom Morgen danach kennen sie noch nicht.
Das war so: Wir hätten den Frosch laden können, dauert vier Stunden an der Steckdose. Aber weil wir nur knapp über 60 Kilometer gefahren sind und der Weg zurück zu "Mister Frosch" zehn Kilometer ist, kam der Wim Thoelke in uns durch: RISIKO!
Wir also los mit drei von fünf Balken Batterieanzeige, nach zwei Kilometern noch zwei Balken, nach weiteren vier einer. Der Fotograf hockt hinten und knipst und schwitzt, Frosch fährt nur noch 25 Sachen. Letzter Balken blinkt, noch drei Kilometer und ein Berg. Wir beten, bangen. Mit 15 km/h klettert der Frosch den Berg zur Werkstatt rauf, quaaak! Geschafft!
Auf dem Tacho stehen 73,5 Kilometer, der Strom dafür kostet keine zwei Euro. Was wohl die Jungs in der Kneipe zu diesem Happy End sagen würden? Keine Ahnung. Aber ich würde ihnen einen Tipp geben: "Da stehen auch Dreiräder mit 25 km/h, so was kaufen Spritties mit gelochter Pappe."

Elektrofrosch Bob Four

• MOTOR Elektromotor, vorn
• LEISTUNG 4 kW (5,4 PS) ANTRIEB Vorderrad
• L/B/H 2740/1300/1600 mm
• LEERGEWICHT 425 kg
• ZULADUNG 480 kg
• KOFFERRAUM
kleines Fach im Heck
• RADGRÖSSE 145/70 R 12
• EINGETRAGENE PLÄTZE
4 Personen
• STEIGFÄHIGKEIT 25 %
• HÖCHSTGESCHWINDIGKEIT 45 km/h
• BATTERIE Blei-Gel-Akku
• REICHWEITE 80 km
• LADEDAUER 4 Std. (230 V)
• PREIS 8990 Euro