Energiesparen macht Mühe: Hier eine LED-Lampe, dort ein Bewegungsmelder, um ein paar Wattstunden weniger zu verbrauchen. Beim E-Auto ist es nicht anders: Bedenkt man, dass z. B. beim Audi Q8 e-tron der Akku mehr als eine halbe Tonne wiegt, macht sich jede Gewichtsersparnis nur geringfügig bemerkbar. Doch viele Wenig machen ein Viel – und das zeigt auch die neueste Entwicklung des Autozulieferers Continental: die "green calipers".

Die zurzeit besten E-Autos

Ausgewählte Produkte in tabellarischer Übersicht
Audi Q4 e-tron
BMW iX
Hyundai Ioniq 5
Kia Niro EV
Kia EV6
Mazda MX-30
Opel Corsa-e
Skoda Enyaq iV
Tesla Model 3
Toyota bZ4X

Diese grünen Bremssättel sind durch ihre spezielle Konstruktion erheblich leichter als konventionelle Bremszangen. In Kombination mit darauf angepassten Bremsscheiben wiegt jede Bremseinheit bis zu fünf Kilogramm weniger. Macht 20 Kilo pro Fahrzeug.
Bleiben wir beim anfangs erwähnten Audi Q8 e-tron, macht diese Einsparung angesichts des Leergewichts von rund 2,5 Tonnen auf den ersten Blick den Kohl nicht fett.

Die grüne Bremse schleift deutlich weniger

Doch das Gewicht ist nur ein Aspekt, um Energie zu sparen und damit die Reichweite zu erhöhen. Die grünen Bremssättel sind nämlich erheblich präziser konstruiert, sodass sie ein deutlich geringeres Restschleifmoment haben.
Mit anderen Worten: Wird die Bremse nicht betätigt, liegt sie weit weniger dicht an, hindert also den Vortrieb weniger. Insgesamt erhöht die Montage der neuen Bremsen die Reichweite um immerhin ein Prozent, hat Conti berechnet.
Elektroautos bremsen anders: Für das "Komfortbremsen" genügt meist die Rekuperation, erst bei Notbremsung wird die Radbremse aktiviert.

Tatsächlich sind Bremsen nicht gleich Bremsen: Im E-Auto werden sie weit weniger häufig betätigt, weil in vielen Fällen die Verzögerung durch die Rekuperation ausreicht. Bis circa 0,3 g Verzögerung – im Bereich der Komfortbremsung – wird sie sehr selten benötigt. Das führt auch dazu, dass Bremsen in E-Autos oft festgehen und rosten, was zu einer signifikanten Mängelquote beim TÜV führt.
Andererseits sind die Anforderungen an sie im E-Auto höher, denn aufgrund des wesentlich höheren Fahrzeuggewichts muss sie im entscheidenden Moment viel mehr leisten als bei einem relativ leichten Verbrenner.

So funktioniert die E-Auto-Bremse von Conti

Der gusseiserne Faustsattel der grünen Bremssättel ist deutlich kompakter als der von konventionellen Teilen. Die Bremsbeläge können kleiner und weniger dick ausfallen, da sie langsamer verschleißen. Das macht den Sattel insgesamt leichter. Weil er auch kleiner ist, kann eine größere Graugussbremsscheibe eingebaut werden.
Wegen der geringeren thermischen Belastung (weniger Dauer-Bremsleistung) kann die Scheibe deutlich dünner sein, was zusätzlich Gewicht einspart. Da die Bremse weiter außen an der größeren Scheibe greift und damit bei gleicher Klemmkraft durch den längeren Hebelarm eine hohe Verzögerungsleistung erzielt, ist die Bremsleistung gleichzeitig optimal.

Von

Roland Wildberg