Elektroauto: Ladestationen, öffentliche Ladesäulen, parken
Parken und Laden in der Stadt: Probleme und Herausforderungen

Oft sind sie zugeparkt, kaputt oder unerwartet teuer: Öffentliche Ladesäulen sind rar und begehrt. Die Probleme und Herausforderungen für E-Autofahrer.
Bild: Ralf Timm / Auto Bild
- Jörg Maltzan
Seit vier Monaten fährt Stefan Schmidt (40) aus Hamburg einen BMW iX3 und kann sich nicht mehr vorstellen, zurück zum Verbrenner zu wechseln. "Platzangebot, Fahrkomfort und Reichweite – alles wunderbar", schwärmt er.
Nur bei einem Thema kriegt der IT-Experte einen dicken Hals: dem Laden des Akkus. Zwar besitzt Schmidt ein Eigenheim mit Garage, aber eine Wallbox hat er sich noch nicht installieren lassen.
Wozu auch? Denn in fußläufiger Entfernung gibt es mehrere öffentliche Ladesäulen. Schmidt: "Sogar ein DC-Schnelllader ist dabei." Eine perfekte Situation für den E-Auto-Fan. Theoretisch zumindest.
In der Praxis indes sieht sich Schmidt oft mit nervigen Schwierigkeiten konfrontiert. "Seine" Ladepunkte werden oft von Verbrennern zugestellt. "Manchmal werden sie sogar von Wohnmobilen blockiert", ärgert sich Schmidt. (Stau beim Ladestation-Ausbau hält an)

Selten geworden: freie Parkplätze an Ladestationen. In Großstädten sind sie meist Mangelware.
Bild: AUTO BILD
Und das, obwohl die Stadt Hamburg Ladesäulen-Falschparkern androht, sie sofort abzuschleppen. Denn in der Hansestadt sind Elektro- und Behindertenparkplätze gleichgestellt. "Nur so kann die beabsichtigte Bevorrechtigung für E-Kfz Wirkung entfalten und einen echten Anreiz schaffen, sich mit einem E-Mobil am Verkehr zu beteiligen", heißt es im sperrigen Amtsdeutsch der Polizei Hamburg.
Infrastruktur kann nicht mithalten
Schmidt ist kein Einzelfall. E-Foren im Internet sind voll mit Klagen über unzugängliche Ladeparkplätze, weil sie von Verbrennern missbraucht werden. Zwar zeigen Statistiken, dass der Großteil der E-Fahrer zu Hause an der Wallbox lädt, aber schon längst kann die öffentliche Infrastruktur nicht mehr mit dem Wachstum der E-Mobilität mithalten.
Teilten sich in Holland 2021 nur acht E-Autos eine Ladesäule, buhlten in der Autonation Deutschland 11,2 Stromer um eine E-Zapfstelle. 2020 waren es bundesweit noch 9,2. Anders ausgedrückt: Der Kampf um freie Ladesäulen wird härter. Dass zunehmend Pflegedienste, Carsharer und Pizza-Boten auf E-Mobile setzen, verschärft das Problem weiter. Denn diese Autos werden gern an öffentlichen Ladesäulen mit Strom versorgt.

Diesel- und Benzinerfahrern, die Ladesäulen zuparken, droht der Abschlepper und Bußgeld.
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Immerhin forcieren Mineralölmultis wie Aral und Shell ihre Pläne, Tankstellen mit Schnellladesäulen aufzurüsten. Das schafft an einigen Brennpunkten Entlastung. Vor allem in den Großstädten bleiben für Fahrer von E-Autos aber mehrere Probleme.
Problem 1
Parkraum wird politisch gewollt verknappt. Der Parkdruck steigt weiter und damit die Versuchung, Verbrenner an Ladesäulen abzustellen.
Parkraum wird politisch gewollt verknappt. Der Parkdruck steigt weiter und damit die Versuchung, Verbrenner an Ladesäulen abzustellen.
Problem 2
Genehmigungen für Ladesäulen dauern mit zwei Jahren zu lange. Die Bundesregierung strebt eine Frist-Halbierung an.
Genehmigungen für Ladesäulen dauern mit zwei Jahren zu lange. Die Bundesregierung strebt eine Frist-Halbierung an.
Problem 4
Ladesäulenplätze sind baulich oft eine Herausforderung. Sie beeinträchtigen Radstreifen und Gehwege.
Ladesäulenplätze sind baulich oft eine Herausforderung. Sie beeinträchtigen Radstreifen und Gehwege.
Problem 5
Discounter wie Aldi, Lidl und Kaufland bieten Kunden vielerorts Gratis-Ladepunkte. Missbrauch durch Stromschnorrer, die während des Ladevorgangs nicht einkaufen, könnte dazu führen, dass diese bald kostenpflichtig werden. In den USA hat sich – verursacht durch solche E-Auto-Schwierigkeiten – bereits der Begriff "Charge Rage" etabliert. Das bedeutet Ladewut. Davon ist BMW-Fahrer Schmidt aber zum Glück noch weit entfernt. "Man sollte halt nie seinen Akku komplett leer fahren", empfiehlt er.
Discounter wie Aldi, Lidl und Kaufland bieten Kunden vielerorts Gratis-Ladepunkte. Missbrauch durch Stromschnorrer, die während des Ladevorgangs nicht einkaufen, könnte dazu führen, dass diese bald kostenpflichtig werden. In den USA hat sich – verursacht durch solche E-Auto-Schwierigkeiten – bereits der Begriff "Charge Rage" etabliert. Das bedeutet Ladewut. Davon ist BMW-Fahrer Schmidt aber zum Glück noch weit entfernt. "Man sollte halt nie seinen Akku komplett leer fahren", empfiehlt er.
So lassen Sie abschleppen
Steht ein Auto unberechtigt auf Ihrem Grundstück oder auf der Einfahrt, dürfen Sie abschleppen lassen. Doch Vorsicht! Sie müssen die Kosten zunächst selbst zahlen und sie später vom Täter zurückverlangen. Deshalb: Machen Sie Fotos. Blockiert der Falschparker die Einfahrt längere Zeit, kann das strafbare Nötigung sein, die richtig teuer wird. Verpassen Sie durch die Blockade einen Termin, können Sie Schadensersatz verlangen.
Wer unberechtigt E-Plätze nutzt, riskiert mehr als die üblichen Kosten. Denn es darf grundsätzlich abgeschleppt werden. "Selbst wenn daneben weitere Elektroparkplätze frei sind, müssen Fahrer ohne E-Kennzeichen damit rechnen, dass ihr Fahrzeug entfernt wird", so der Deutsche Anwaltsverein.
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