Euro-7-Abgasnorm startbereit, aber die Regeln werden nicht verschärft
Euro 6 für Pkw reicht auch für Euro 7 – strengere Regeln vom Tisch

Die Euro-7-Norm kann kommen. Ein Kompromiss auf EU-Ebene sieht strengere Abgasnormen für Busse und Lkw vor, aber keine neuen für Pkw. Pläne zur Zulassung von E-Fuel-Autos gibt es nicht. Alle Infos zu den EU-Plänen für die neue Abgasnorm Euro 7.
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Inhaltsverzeichnis
- Neue Euro-7-Norm bleibt bei aktuellen Abgasregeln
- Was ist das Ziel von Euro 7?
- Welche neuen Regeln bringt Euro 7?
- Was bedeutet Euro 7 für Pkw?
- Was gilt für Busse und Lkw?
- Wie geht es weiter mit Euro 7?
- Was wird an der neuen Euro-7-Norm kritisiert?
- Was ist mit E-Fuels?
- Welchen Anteil hat der Verkehr an schädlichen Emissionen?
- Kommentar
Die neue Euro-7-Norm für die Abgaswerte von Pkw, Transportern und Lkw in Europa ist so gut wie startbereit. Nach neuesten Plänen wird sie keine deutliche Verschärfung der Abgaswerte für Pkw bringen. Dagegen werden die Regeln zum Ausstoß von Emissionen für Busse und Lastwagen verschärft. Künftig wird auch der Feinstaub, den E-Autos und Wasserstoffautos erzeugen, reguliert.
Das ist der wesentliche Inhalt eines Kompromiss auf EU-Ebene, den Europaparlament und EU-Länder jetzt geschlossen haben. Er bereitet den Weg für die künftige Euro-7-Norm und sieht deutlich geringere Richtwerte für den Schadstoffausstoß von Verbrennerfahrzeugen vor, als die EU-Kommission vorgeschlagen hatte. Die von der FDP geforderten Synthetik-Kraftstoffe, sogenannte E-Fuels, sind in den neuen Vorschriften nicht vorgesehen.
Mit den neuen Regeln soll der Schadstoffausstoß von Fahrzeugen wie Autos, Transportern und Lkw strenger als bislang reguliert werden. Zu solchen Schadstoffen zählen beispielsweise Stickoxide. Ziel ist, den Verkauf von Neuwagen mit Verbrennungsmotoren in der EU ab 2035 zu verbieten. Im Vorfeld des vereinbarten Verbrenner-Aus sollten die Abgasregeln für neue Fahrzeuge als Zwischenschritt eigentlich vorab verschärft werden. Das findet bei Pkw jetzt nicht mehr statt. Durch die Abgasnorm sollen aber die Stickoxid-Emissionen von Bussen und Lkw um mehr als 50 Prozent sinken. Ab 2035 sollen keine Neuwagen mehr zugelassen werden dürfen, die Benzin oder Diesel tanken.

Euro 7: Erstmals gibt es nicht nur Grenzwerte für Auspuffabgase, sondern auch für Emissionen von Bremsen und Reifen.
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Die neue Abgasnorm gilt für alle Fahrzeuge und berücksichtigt erstmals auch Feinstaub und Schadstoffe aus Bremsen und Reifenabrieb sowie Vorschriften für die minimale Lebensdauer von E-Auto-Batterien.
Was gilt für die Batterien von E-Autos?
Künftig müssen die Hersteller für Batterien in Elektroautos eine minimale Lebensdauer garantieren. So müssen Batterien von E-Autos und Hybridfahrzeugen nach acht Jahren beziehungsweise 160.000 Kilometern noch mindestens 72 Prozent ihrer ursprünglichen Ladekapazität haben.
Wie steht es um Grenzwerte für Feinstaub?
Erstmals gibt es nicht nur Grenzwerte für Auspuffabgase, sondern auch für Emissionen von Bremsen und Reifen. Dies würde auch und vor allem Elektroautos betreffen, die wegen ihrer Batterie schwerer sind, dadurch mehr Reifenabrieb verursachen und somit für mehr Feinstaubemissionen sorgen. Bei Bremspartikeln hingegen schneiden E-Autos eher gut ab, weil sie einen Großteil der Verzögerung über das regenerative Bremssystem (Rekuperation) verwirklichen.
An Lösungen wird bereits geforscht: So stellte das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrtechnik (DLR) das Forschungsfahrzeug ZEDU-1 vor, das unter anderem mit einem Absaugsystem Schadstoffemissionen bei Bremsen, Reifen und Fahrbahnoberfläche verhindert.
Für neue Pkw ändert sich nicht viel. Bei den Stickstoffgrenzwerten für Pkw bleiben die neuen Vorschriften auf dem gleichen Niveau wie die geltende Euro-6-Norm. Nach der neuen Norm dürfen Benziner weiter 60 Milligramm Stickoxid pro Kilometer ausstoßen, Diesel-Pkw 80 Milligramm.
Unter Euro 6 waren bislang Stickoxide (NOx), Kohlenmonoxid (CO), Partikel, Kohlenwasserstoffe und Methan sowie Ammoniak für Lastkraftwagen und Busse geregelt. Für Busse und Lkw sollen strengeren Vorgaben greifen, aber erst ab 2030. Auch fallen die neuen Abgaswerte weniger ambitioniert aus als von der EU-Kommission vorgeschlagen.
Wie reagiert die Autoindustrie?
Automobilhersteller haben die Euro-7-Pläne der Europäischen Union ohne deutliche Verschärfungen der Abgaswerte begrüßt. Mit der neuen Norm setze die EU auf "ein angemessenes Kosten-Nutzen-Verhältnis für die Industrie", teilte die Präsidentin des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), Hildegard Müller, mit. Sie sprach dennoch von einem "ambitionierten" Zeitplan. Von Vorteil sei, dass die Einigung für Planungssicherheit bei den Herstellern sorge.
Mit dem Kompromiss liegt der abschließende Gesetzestext vor. Damit ist der Weg frei für die formale Abstimmung zwischen EU-Parlament und den Mitgliedsländern. Nach der Einigung können die neuen Euro-7-Regeln in Kraft treten, wenn die EU-Staaten und das Europaparlament zustimmen. Die Regeln sollen nach Angaben des Parlaments 30 Monate nach ihrem Inkrafttreten für Autos sowie Kleintransporter und 48 Monate nach diesem Zeitpunkt für Busse und Lkw gelten. Das bedeutet: Mit Einführung der Norm wird erst ab 2026 gerechnet.

Bei der Abgasmessung werden alle Schadstoffe am Auspuff registriert.
Bild: Daimler AG
Umweltschützer kritisierten, die geplanten Vorschriften gingen kaum über die geltende Euro-6-Norm hinaus. Tatsächlich könnten die Hersteller heutige Euro-6-Fahrzeuge als grünere Euro-7-Wagen verkaufen, urteilte Lucien Mathieu, zuständig für die Automobilindustrie bei der Organisation Transport & Environment. "Die Auto-Lobby ist zurück", sagte Mathieu und sprach von einer "schamlosen Kapitulation vor der Autoindustrie".
Unzufrieden sind Umweltschützer auch mit den niedriger angesetzten Feinstaub- und Stickstoffgrenzwerten. Der Grünen-nahe Verkehrsverband Transport & Environment (Verkehr und Umwelt) kritisierte zudem das späte Einführen der Norm für Lastwagen, sie würde nach dem Parlamentswillen "frühestens 2030" gelten. Die Bundesregierung hatte sich auf Druck der Grünen zuvor bei den EU-Staaten für strengere Abgaswerte eingesetzt, wurde aber überstimmt.
Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) hatte auf eine Berücksichtigung von E-Fuels gepocht. In dem vorliegenden Kompromiss ist von E-Fuels keine Rede mehr. Nun bleibt die Frage offen, ob sich die Position der deutschen Regierung durchsetzen kann. Sie will ermöglichen, dass nach dem Verbrenner-Verbot nach 2035 auch allein mit E-Fuels betriebene Verbrenner verkauft werden dürfen.
Laut Studien der Europäischen Umweltagentur und der sogenannten Gemeinsamen Forschungsstelle war der Straßenverkehr im Jahr 2018 für 39 Prozent der schädlichen NOx-Emissionen (Stickoxide) verantwortlich. Die Straßenverkehr-Emissionen kommen zu 47 Prozent aus Städten. Für 11 Prozent aller PM10-Emissionen (Feinstaub) ist der Straßenverkehr ebenso verantwortlich.
Kommentar
Soll man sich jetzt freuen oder ärgern? Die neue Euro-7-Norm bedeutet, dass neue Verbrenner-Pkw kaum sauberer sein müssen als bisherige der Euro-Norm-6. Als Zwischenstufe zum Verbrenner-Aus 2035 werden die Normen – anders als geplant – nicht verschärft. Das bedeutet aber auch, dass jetzt neu zugelassene Verbrenner weiterhin den Regeln genügen, das ist eine gute Nachricht für Autokäufer. Doch das dicke Ende kommt: Dass von E-Fuels keine Rede war, könnte bedeuten, dass sie auch nach 2035 keine Rolle spielen sollen.
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