Natürlich wird auch die an diesem Rennwochenende startende Extreme-E-Rennserie mit Elektromotoren und Schwerpunktsetzung auf Nachhaltigkeit nicht alle Petrol-Heads der Rennsportszene begeistern können. Doch die Meisterschaft macht Vieles richtig, wovon sich die Formel 1 eine Scheibe abschneiden sollte. Das zeigt sich an den teilnehmenden Teams.
Die klangvolleren Namen sind zweifelsohne in der Formel 1: Mercedes, Ferrari, Alpine, Alfa Romeo, Aston Martin, Red Bull, dazu Traditionsteams wie Williams und McLaren. Dagegen kennen nur Hardcorefans Rennställe wie Veloce, Ganassi oder Hispano-Suiza, die in der Extreme E an den Start gehen. Erste Hersteller zeigen durchaus Interesse: Die Seat-Marke Cupra ist mit Abt dabei, General Motors durch GMC (betreibt unter anderem die Hummer-Marke) bei Ganassi, Lotus Engineering (gehört inzwischen dem chinesischen Geely-Autogiganten) im Team von Jenson Button. Aber noch fährt die Rennserie mit Einheitstechnik, wodurch noch keine Premiumhersteller aufspringen.
Schon jetzt besteht aber ein Drittel der Teams aus früheren oder aktuellen Formel-1-Weltmeistern. Nico Rosberg, Lewis Hamilton und Jenson Button bringen eigene Rennställe in der Extreme E an den Start. Warum in der Extreme E und nicht in der Formel 1?

Ex-Weltmeister als Teambesitzer dank geringen Kosten

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Lewis Hamiltons Extreme E Team X44
Hamilton begründet den Schritt zum Beispiel so: „In der Extreme E kann ich meine Liebe zum Rennsport mit meiner Liebe zum Planeten Erde verbinden. Das ist einzigartig.“
Das mag stimmen. Die Extreme E spricht den Zeitgeist an: Gesellschaftlicher Wandel hin zu mehr Nachhaltigkeit, Klima- und Umweltschutz sowie Gleichberechtigung. Dafür sind Sponsoren eher zu gewinnen als für konventionellen Rennserien, die als Verschmutzungs-Meisterschaften gelten. Ein Ruf, der bei genauem Hinsehen nicht stimmt (eine Fußball-WM hat einen CO2-Fußabdruck wie zehn F1-Saisons), aber nun mal existiert.
Doch auch ein anderer Grund spielt sicherlich eine Rolle. Und zwar das Geld. Die Extreme E mag eine Rennserie des guten Gewissens sein, doch vor allem ist die Meisterschaft verglichen mit der Formel 1 günstig. Die Königsklasse des Motorsports ist seit 2021 an einen Budgetdeckel von 145 Millionen US-Dollar gebunden, wobei Ausnahmen, etwa für Fahrergehälter, das Budget der Topteams über 200 Millionen Dollar steigen lassen. In der Extreme E operieren die meisten Teams mit einem höheren aber einstelligen Millionen-Betrag.

Sechs Weltmeister schon mit Formel-1-Teams

Unter den zehn Formel-1-Teams ist keines, das einem früheren Weltmeister gehört. Stattdessen haben sich Investment-Gesellschaften wie Dorilton Capital oder MSP Sports Capital riesige Anteile an Traditionsteams wie Williams und McLaren gesichert.
Es gab Jahre, da war das anders. Beim Europa-GP 1999 standen nur Fahrer auf dem Podest, die für Ex-Weltmeister gefahren sind. Johnny Herbert gewann im Stewart-Ford vor Jarno Trulli im Prost-Peugeot und Rubens Barrichello im zweiten Stewart-Ford. 1966 wurde Jack Brabham mit seinem eigenen Formel-1-Flitzer Weltmeister. Mit Jack Brabham, John Surtees, Graham Hill, Emerson Fittipaldi, Jackie Stewart und Alain Prost haben sechs Weltmeister ein Formel-1-Team gegründet. Dazu kommen dutzende Formel-1-Piloten wie Bruce McLaren, Roger Penske oder zuletzt Aguri Suzuki vor 15 Jahren.
Die sechs Weltmeister brachten es als Fahrer auf 15 Titel und 126 Siege, als Teambesitzer aber nur auf vier Titel und 36 Siege. Aber diese Teams waren da. Und sie hatten ein Gesicht, mit dem sich die Fans identifizieren konnten. Wenn die Zuschauer am Wochenende bei der Extreme E einschalten, dann vermutlich auch deshalb, weil sie die Neuauflage des Duells Nico Rosberg versus Lewis Hamilton sehen wollen.

Alonso als Formel-1-Teambesitzer?

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Fernando Alonso
Man stelle sich das mal in der Formel 1 vor: ein Team Schumacher gegen ein Team Häkkinen. Sicherlich ein reizvolleres Duell als jenes zwischen Dorilton Capital und MSP Sports Capital. Es gibt diverse Champions, die in Nachwuchsserien eigene Teams hatten oder haben, aber denen der Schritt in die Formel 1 zu teuer war. Dazu gehört auch Fernando Alonso, der angeblich sogar bei Alpine mehr Teammanager als nur Fahrer ist. „Nein, ich bin nur Pilot“, winkt er beim Bahrain-GP ab. Aber wären die Kosten günstig genug, würden wir zweifelsohne einen Alonso-Rennstall in der Formel 1 sehen. Ein Nachwuchsteam hat er längst.
Natürlich kann die Formel 1 nie so günstig sein wie beispielsweise die Extreme E. Aber dass ein neuer Rennstall zum Beispiel 200 Millionen Dollar bezahlen muss, eher er überhaupt in den elitären Club aufgenommen wird, kann zum Beispiel Eddie Jordan nicht verstehen. Er kam 1991 mit seinem Team in die Formel 1, mit dem Michael Schumacher sein Debüt feierte und das jetzt nach diversen Besitzerwechsel Aston Martin heißt.
Jordan klagt: „Das ist der absolut falsche Weg. Ich sehe den Vorteil für die existierenden Teams, weil Interessenten dadurch eher ein Team kaufen als ein neues zu gründen, aber für den Sport ist das nicht gut. Teams wie Jordan hätten so vor 30 Jahren nicht in die Formel 1 kommen können.“

Formel 1 muss günstiger werden

Alain Prost pflichtet Jordan bei: „Früher waren wir Rennteams, jetzt sieht alles mehr nach Business aus. Und das ist auch ein Grund, wieso wir Fans verlieren. Sie verstehen nicht ganz, wieso ein Getränkehersteller wie Red Bull Automobilmarken und richtige Rennteams besiegen kann.“
Die Extreme E zeigt Möglichkeiten auf, die sich für die Formel 1 ergeben könnten, wenn sie von der aktuellen Geldpolitik abweichen würde. Für die Fans wäre das ein Gewinn.