Fahrbericht VW Race Touareg 2
Wüster Stadtverkehr

Asphaltdschungel statt Wüstenweite: AUTO BILD MOTORSPORT testete VWs Dakar-Renner in Hannover auf seine Alltagstauglichkeit. Mit echt überraschenden Ergebnissen.
- Christian Schön
Die Dame am Autoschalter des amerikanischen Fast-Food-Restaurants traut ihren Augen nicht. "Dafür braucht man einen Lkw-Führerschein, oder?", fragt sie den Fahrer des blauen Ungetüms vor ihrem Fenster. "Nee, eine Rennlizenz", antwortet Dieter Depping grinsend und versucht, irgendwie seine Mahlzeit durch die kleine Schiebeluke in der Kunststoffscheibe des Race-Touareg ins Cockpit zu zirkeln. Dabei wird klar, dass Volkswagens Dakar-Renner für eines mit Sicherheit nicht gebaut wurde, für eine Fahrt zum Drive-in. Möglich ist sie aber. Denn wie alle Rallyeautos besitzt auch der Race-Touareg eine Straßenzulassung. Schließlich wird bei einer Rallye nicht nur auf abgesperrten Wertungsprüfungen, sondern auf den Überführungsetappen auch im normalen Straßenverkehr gefahren. Selbst bei der Rallye Dakar (5. bis 20. Januar 2008) verstecken sich auf den Fahrzeugen irgendwo zwischen Sponsorenaufklebern immer auch Nummernschilder.
Im Sinne der Straßenverkehrszulassungsordnung ist der Race-Touareg dem serienmäßigen VW Touareg R5 TDI gleichgestellt. Was dies in der Praxis bedeutet, hat AUTO BILD MOTORSPORT in Hannover getestet, der Heimat von Volkswagen Motorsport. VW-Sportchef Kris Nissen stellte dazu Werkspilot Dieter Depping zur Verfügung. Der dreimalige Deutsche Rallyemeister und sein Beifahrer Timo Gottschalk sind mit genau der unerschütterlichen Gelassenheit gesegnet, die man für eine derart ungewöhnliche Tour braucht. "Ich bin selber mal gespannt, wie das funktioniert", gab Depping vor der Abfahrt von der VW-Motorsport-Zentrale die Parole aus. Gemütlich haben es der Pilot und sein Beifahrer dabei nicht.
In Breite und Höhe sind Rallye- und Serienvariante nahezu identisch

Legt man das Maßband nicht an der Karosserie, sondern an den Außenspiegeln an, ist der zivile Touareg (2207 mm von Spiegelaußenkante zu Spiegelaußenkante) sogar breiter als die Wüsten-Version (Karosseriebreite vom Reglement auf 2000 mm begrenzt, winzige Spiegel). Außerdem ist Deppings Arbeitsgerät knappe 60 Zentimeter kürzer und fast 400 Kilogramm leichter als der Touareg für jedermann. Das liegt daran, dass der Race-Touareg technisch so gut wie nichts mit dem Straßenpendant gemein hat. Neben einigen vom Reglement vorgegebenen Motorkomponenten (z.B. Block) stammen nur noch ein paar Kleinteile wie die Scheibenwischer und VW-Markenlogos an Front und Heck aus dem Regal mit den Serienteilen.
Die komplette Karosserie ist aus einem Kohlefaser-Kevlar-Verbundwerkstoff gefertigt. Das Rückgrat des Race-Touareg bildet ein sogenannter Gitterrohrrahmen aus Stahl, an dem Motor, Getriebe, Fahrwerk und das Cockpit aufgehängt sind. Der Motor stammt in der Basis vom 2,5-Liter-Turbodiesel des Touareg R5 TDI ab. Ein geänderter Zylinderkopf und eine raffinierte Doppelaufladung mit zwei im Teamwork arbeitenden Turboladern sorgen für den Punch, den man in den Dünenfeldern der Sahara braucht. Allerdings sieht das Reglement einen Luftmengenbegrenzer (Air Restrictor) im Ansaugtrakt vor, im Falle des Race-Touareg eine nur 38 Millimeter dünne Röhre. Diese Kastration sorgt für eine vergleichsweise bescheidene Leistung von etwa 280 PS.
Ein echtes Problem: rückwärts einparken im Berufsverkehr

Nur Tanken ist in der Stadt eine leichte Übung für den Racer

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