Reifenwechsel: die häufigsten Fehler
Sechs teure und gefährliche Fehler beim Reifenwechsel
Wer keine Ganzjahresreifen auf dem Auto fährt, muss zweimal im Jahr die Reifen wechseln. AUTO BILD zeigt sechs Fehler beim Reifenwechsel, die nicht nur teuer, sondern auch gefährlich werden können!
Wer nicht mit Ganzjahresreifen unterwegs ist, der muss zwei Mal im Jahr die Reifen wechseln. Der Rädertausch lässt sich mit etwas Geschick auch in der heimischen Garage erledigen (Anleitung Reifenwechsel). Bei der Arbeit können allerdings einige Fehler passieren, die nicht nur teuer, sondern auch gefährlich werden können!
Fehler 1: Wagenheber falsch ansetzen
Das sollte man wissen: An der Karosserie gibt es bestimmte Punkte, an denen ein Wagenheber angesetzt werden darf. Wo die sich genau befinden, ist von Auto zu Auto unterschiedlich. Deswegen immer in der Bedienungsanleitung nachsehen! Die Punkte sind bei einigen Autos mit einem Dreieck oder Kreis an der Schwellerverkleidung markiert. Wer die falsche Stelle nutzt, riskiert verbogene und verbeulte Schweller. Denn der Wagenhaber stemmt durchaus eine Tonne Gewicht. Dabei können nicht nur Schweller einknicken, sondern auch Antriebsakkus schnell beschädigt werden. Daher gilt: Bei E-Autos ist besondere Vorsicht angebracht!
Außerdem auf den richtigen Untergrund achten, er sollte eben und rutschfest sein. Kopfsteinpflaster oder unbefestigte Böden sind also tabu: Denn wenn der Wagenheber einknickt, ist nicht nur das Auto in Gefahr, sondern auch die Menschen, die daran arbeiten – insbesondere dann, wenn das Rad bereits abmontiert ist. Das Auto sollte zudem stets mit einem Unterstellbock gesichert werden, wenn man unter dem Fahrzeugboden arbeitet (Mehr dazu: Wagenheber im Test).
Fehler 2: keinen Drehmomentschlüssel benutzen
Das Festziehen der Radschrauben mit einem Akku-Schlagschrauber ist tabu, denn dabei kann es schnell zu Schäden kommen. Setzt man einen Radbolzen oder eine Radmutter schief an, dann kann man beim Festschrauben mit einem Schlagschrauber das Gewinde zerstören. Die Folge: Das Rad kann nicht mehr richtig befestigt werden. Daher: Radmuttern erst immer von Hand ansetzen und ein paar Umdrehungen in das Gewinde drehen.

Die Reifen müssen mit dem korrekten Anzugsmoment festgezogen werden.
Bild: AUTO BILD
Außerdem müssen die Schrauben bei der Rädermontage mit einem bestimmten Anzugsmoment festgezogen werden. Zieht man sie zu fest, können die Gewinde überdrehen oder sich die Bremsscheiben verziehen. Stehen die Schrauben unter sehr starker Spannung, können sie unter Belastung (z. B. scharfe Bremsung, Unfall) sogar brechen. Sitzen sie hingegen zu locker, können sich die Schrauben während der Fahrt lösen.
Deswegen zum Festziehen unbedingt einen Drehmomentschlüssel nutzen. Das richtige Anzugsmoment findet man im Fahrzeughandbuch, die Werte liegen meist in einem Bereich zwischen 100 und 180 Newtonmetern. Und: das Nachziehen der Schrauben nach ca. 50 Kilometern nicht vergessen. (Welche Drehmomentschlüssel gut sind, lesen Sie im Test!)
Fehler 3: Sichtprüfung vergessen
Bei der Montage der neuen Räder muss nicht nur die Profiltiefe überprüft werden (idealerweise minimal 2 mm bei Sommer- und 4 mm bei Winterreifen, auch wenn der Gesetzgeber bis 1,6 mm erlaubt). Die Reifen sollten einer umfassenden Sichtprüfung unterzogen werden: Gibt es Beschädigungen? Sind die Reifenflanken porös oder rissig? Ebenfalls wichtig: Ist der Reifen gleichmäßig abgefahren?

Das Restprofil lässt sich mit einem Profiltiefenmesser bestimmen.
Bild: AUTO BILD
Einseitiger Verschleiß deutet auf eine falsch eingestellte Spur hin. Ist der Reifen eher mittig oder an den Kanten abgefahren, könnte der Reifendruck zu hoch bzw. zu niedrig gewesen sein. Die vierstellige DOT-Nummer gibt zudem Aufschluss über das Alter. Die Ziffern "4823" bedeuten, dass der Reifen in der 48. Woche im Jahr 2023 produziert wurde, also noch ziemlich neu ist. Entdeckt man beispielsweise eine "1212" ist der Reifen schon über 12 Jahre alt und gehört ausgetauscht.
Fehler 4: mit falschem Reifendruck fahren
Die Relevanz des richtigen Reifendrucks wird von vielen Autofahrern unterschätzt. Wenn der Druck zu hoch oder zu niedrig ist, kommt es schnell zu schwammigem Fahrverhalten, stärkerem Verschleiß oder erhöhtem Verbrauch (zu niedriger Fülldruck). Gerade wenn die Reifen über eine Saison eingelagert wurden, haben sie oft Luft verloren. Deswegen ist es wichtig, direkt nach der Montage den Reifendruck anzupassen. Der richtige Wert für die jeweiligen Reifen steht meist auf einem Aufkleber im Tankdeckel oder innen an der B-Säule. (Mehr zum Thema Reifendruck lesen Sie hier!)
Fehler 5: Laufrichtung nicht beachten
Nicht bei allen Reifen, aber bei vielen ist durch das Profil eine Laufrichtung vorgegeben. Zu erkennen in der Regel an einem Pfeil und dem Wort "Direction" oder "Rotation" an der Reifenflanke. Außerdem ist das Profil meist V- oder U-förmig. Das Profil ist immer so angelegt, dass das Regenwasser optimal abgedrängt wird, um Aquaplaning zu verhindern. Wird das Rad falsch herum montiert, haftet der Reifen nicht so gut auf der Straße. Das führt nicht nur zu einer höheren Geräuschentwicklung, sondern auch zu stärkerem Verschleiß und schlechterer Kraftübertragung. Und: Sind die Reifen falsch montiert, kann die TÜV-Plakette verweigert werden.
Fehler 6: zu früh auf Winterreifen wechseln
Die Faustregel lautet "von O bis O", also von "Oktober bis Ostern". Demnach ist der Oktober der richtige Zeitpunkt für den Wechsel auf Winterreifen. Trotzdem sollte man den Rädertausch nicht allein an der Faustregel festmachen, vielmehr sind die Witterungsbedingungen entscheidend. Erst wenn die Temperaturen Richtung Gefrierpunkt fallen, können Winterreifen ihre Stärken ausspielen. Ist es wärmer, erhöhen sich Spritverbrauch und Verschleiß. Außerdem verschlechtert sich das Bremsverhalten.
Soll man nicht schon bei plus sieben Grad auf Winterreifen umsteigen? Nein, das ist ein Mythos. Was dahintersteckt und dann genau man tatsächlich wechseln sollte, erklären wir hier.
Weitere Tipps zum Reifenwechsel
Die Räder immer an der Seite anfassen
Besonders bei schweren Rädern von SUVs neigt man schnell dazu, den Reifen an der Oberseite und an der Unterseite anzufassen, um ihn von der Radnabe zu ziehen. Das sollte man aber auf gar keinen Fall tun, denn rutscht man ab, fällt der schwere Reifen auf die Hand. Besser ist es, den Reifen immer nur an der Seite anzufassen.
Bessere Reifen nach hinten
Grundsätzlich gehören die weniger abgefahrenen Reifen auf die Hinterachse. Denn sie sorgt für Stabilität beim Fahren. Wer ein Auto mit reinem Vorder- oder Hinterradantrieb fährt, der sollte die Reifen achsweise tauschen, damit sie gleichmäßig abgefahren werden.
Achtung bei RDKS
Wer ein direktes Reifendruck-Kontrollsystem (RDKS) hat, der kann den Rädertausch nicht selbst erledigen. Die Sensoren müssen bei jedem Wechsel gewartet werden. Bei indirektem RDKS muss das System nach der Reifenmontage neu angelernt werden. Wie das geht, steht im Fahrzeughandbuch. (Weitere Infos zum Reifenwechsel mit RDKS gibt es hier!)
Richtig lagern
Reifen müssen dunkel, trocken und kühl gelagert werden. Kompletträder werden am besten auf speziellen Felgenbäumen gelagert oder gestapelt; Reifen ohne Felgen stehend lagern und regelmäßig drehen.
Rost nicht ignorieren
Eine verrostete Radnabe und verrostete Radbolzen sorgen dafür, dass der nächste Rädertausch zum nervigen Kraftakt wird. Deswegen sollte man dem Rost an der Radnabe mit einem Nabenschleifer zu Leibe rücken.

Rostige Radbolzen sollten ausgetauscht werden.
Bild: AUTO BILD
Auch für die Anlagefläche an der Felge gibt es spezielle Schleifaufsätze, die nicht so aggressiv wie eine Drahtbürste sind. Rostigen Radbolzen werden gegen neue getauscht.
Nicht mit Unwucht fahren
Laufen die Reifen unrund, ist das Fahrgeräusch lauter, das Lenkrad flattert, und die Reifen können sich ungleichmäßig abnutzen. In diesem Fall sollte man die Räder beim Profi auswuchten lassen. Sonst können nach einiger Zeit Fahrwerk und Lenkung Schaden nehmen. Alle Infos zum Auswuchten!
Service-Links










