Feststoff-Akkus für E-Autos: VW meldet erfolgreichen Dauertest
Der neue Feststoff-Akku von VW soll 500.000 km halten

Volkswagen meldet einen Durchbruch bei der Entwicklung eines Feststoff-Akkus: Ein Langzeit-Test ergab, dass die neue solide Batterie für 500.000 km gut ist. Ein enger Partner in den USA hat ihn hergestellt. Wann wird er produziert?
Bild: QuantumScape
Viele große Autohersteller forschen am Feststoff-Akku – von den neuartigen Elektroauto-Batterien wird erwartet, dass Elektroautos damit in sämtlichen Anwendungsfällen den Verbrennern ebenbürtig, wenn nicht sogar überlegen sein werden. Das bedeutet: große Reichweiten bei sehr kurzen Ladezeiten und großer Haltbarkeit.
Jetzt meldet Volkswagen bedeutende Fortschritte bei der Entwicklung eines solchen Super-Akkus. Den ersten Langzeit-Test, den sogenannten A-Muster-Test hat die neue Feststoff-Zelle nach 1000 Ladezyklen erfolgreich ohne Probleme und "nahezu ohne Alterung" überstanden. Denn dabei sank ihre Kapazität um nur 5 Prozent.
Tausend Ladezyklen entsprechen "bei einem Elektroauto mit 500 – 600 Kilometern WLTP-Reichweite rein rechnerisch einer Fahrleistung von mehr als einer halben Million Kilometer", berichtet die VW-Tochter PowerCo. Obwohl diese Reichweite hypothetisch ist, erlaubt sie doch einen Rückschluss darauf, welche Kapazität sich das Unternehmen für den zukünftigen Super-Akku von VW vorstellt.
Der Batterie-Spezialist des Wolfsburger Autokonzerns ist für Beschaffung und Tests neuer Stromspeicher zuständig. Er wurde 2023 gegründet und soll aus dem VW-Motorenwerk Salzgitter das Batterie-Zentrum der Zukunft machen. Die Zelle stammt vom US-Hersteller QuantumScape aus Kalifornien, an dem VW seit 2018 mehrheitlich beteiligt ist.

Jagdeep Singh studierte an der renommierten Hochschule Stanford und gründete 2010 mit dem Kommilitonen Fritz Prinz das Start-up QuantumScape.
Bild: Quantum Scape
Wann fährt der erste VW mit Feststoff-Akku?
Das ist vorläufig noch nicht zu beantworten. Der aktuelle A-Test ist die erste Stufe der Zellentwicklung, es folgen B- und C-Test. Ende 2025 will QuantumScape ein B-Muster vorlegen, das dann wieder im Prüflabor in Salzgitter landet. "Dann wird die Zahl der Zellen deutlich ausgeweitet", so ein Sprecher von PowerCo gegenüber AUTO BILD. Auch andere Eigenschaften wie Ladedauer und Leistungsgewicht würden dann genauer untersucht. Der A-Muster-Test ergab bereits, dass die Zelle auch in der Frage der Schnelllade-Fähigkeit, Sicherheit und Selbstendladung "alle Anforderungen" erfüllte. Mehr Details sind vorläufig nicht bekannt.
Der C-Muster-Test könnte, wenn alle Probleme gelöst werden, in der zweiten Hälfte dieses Jahrzehnts erfolgen. Möglich, dass um 2030 herum dann die ersten Modelle des VW-Konzerns mit Feststoff-Akku beim Händler stehen, eventuell auch früher. Was als sicher gilt: Anfangs wird die neue Technologie, die weiterhin auf Lithium als Anodenmaterial basiert, teurer sein als herkömmliche Akkus. "Wir erwarten, dass sie sich zuerst in höherpreisigen Fahrzeugen etabliert", so der PowerCo-Sprecher. Das klingt nach Audi, Porsche und Bentley.

Blick in das Forschungslabor von Quantum Scape in Kalifornien. Hier entstand der Prototyp für die zukünfige Elektroauto-Akkuzelle QSE-5.
Bild: Quantum Scape
Wo baut VW die Feststoff-Akkus der Zukunft?
Bisher plant VW drei Fabriken, in denen Akkuzellen gebaut werden: in Salzgitter, Valencia und im kanadischen St. Thomas. Dort sollen später prismatische Zellen gebaut werden, die in alle Elektroauto-Modelle der Volkswagen-Group passen. Der Vorteil des prismatischen Zellen-Typs: Auch Feststoff-Batteriezellen können in dieser Form gebaut werden, sodass die Fertigung sich später auf diesen Typ mit geringem Aufwand umstellen lässt. Die Zelle von QuantumScape ist eine Mischform aus prismatischer und Pouch-Zelle.
Die Kalifornier forschen seit 2010 an Feststoff-Akkus. VW hat inzwischen fast eine halbe Milliarde Euro in das Start-up investiert. Die getestete Zelle ist der Prototyp der Standard-Zelle QSE-5, die das erste Produkt von QuantumScape werden soll. Sie soll fünf Amperestunden Leistung bringen. Damit orientiert QSE-5 sich am verbreiteten Standard von konventionellen Lithium-Ionen-Akkuzellen. "Wir kennen keine Lithium-basierte Batterie für Elektroautos, die nach einer vergleichbaren Zahl von Entladezyklen bei Raumtemperatur so wenig Kapazität verliert", teilt QuantumScape in einer Mitteilung seinen Investoren mit.
Auch bei anderen Testkriterien wie Schnelllade-Fähigkeit, Sicherheit und Selbstentladung konnte die Zelle die Anforderungen erfüllen. Feststoffzellen versprechen eine deutlich kürzere Ladezeit, was Elektroautos bei der Energieaufnahme mit Verbrennern gleichziehen ließe. Kürzlich erst hatte Toyota aufsehenerregende Forschungsergebnisse bei der Entwicklung von Feststoff-Akkus mitgeteilt. Hyundai hatte zum Jahresende in den USA ein Patent zum Bau von Feststoff-Akkus angemeldet.
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