Ford C-Max/VW Golf Plus: Test
Die klügeren Vans

Sie wollen bequem einsteigen, hoch sitzen, haben viel zu transportieren, aber keine Lust auf Busfahren? Dann können kompakte Multitalente wie Ford C-Max oder VW Golf Plus eine sinnvolle Alternative sein. Ein Vergleich.
Sieben Sitze braucht nicht jeder. Und wenn das zweite Kind im Anmarsch ist, muss es auch noch lange kein VW Bus sein. Manch einem geht es ja nur ums hohe Sitzen oder den bequemen Einstieg. Und – mal ehrlich: Dann tut es meist auch ein Hochdach-Ableger der gewöhnlichen Kompaktklasse. Typen wie Ford C-Max und VW Golf Plus haben noch einen weiteren Vorteil: Sie bleiben preislich auf dem Boden der Realität. Und wenn Papi nach Büroschluss mal gepflegt die Kurve kratzen will, kommt hier auch der Fahrspaß – anders als bei einem echten Pampers-Bomber – nicht zu kurz. Für die flotte Feierabendrunde empfiehlt sich vor allem der Ford C-Max. Im Kreise der Familienkutschen will er so was wie der Brandstifter unter den Biedermännern sein – ein Sportwagen im Tarnkleid quasi.
Überblick: Alle News und Tests zum Ford C-Max

Bild: Uli Sonntag
Überblick: Alle News und Tests zum VW Golf Plus

Bild: Uli Sonntag
Beim Fahrwerk waren den Ford-Entwicklern dynamische Tugenden wie Kurvenfestigkeit und Präzision besonders wichtig. Nichts anderes erwartet ja das Publikum von einem Focus-Ableger. Die Folge: Stöße von Kanaldeckeln und Frostaufbrüchen werden teils recht herb pariert. Auch auf kurzen Bodenwellen spielt der Ford den (manchmal allzu) strammen Max, feinfühligeres Federn überlässt er seinem softer abgestimmten Schiebetüren-Bruder mit dem Namenszusatz Grand. Dennoch erteilt der Ford dem VW eine Lehrstunde in Sachen Komfort. Der Golf, der mit 17-Zoll-Rädern zwangsweise ein Sportfahrwerk besitzt, stelzt spröde über Querrillen hinweg. Erst bei flotter Fahrt verbessert sich das Schluckvermögen. Ein Ärgernis bleiben die lauten Abrollgeräusche, die vor allem auf Pflaster und rauen Straßenbelägen den Reisegenuss trüben. Die Ford-Lenkung hat, obgleich elektrisch arbeitend, die Sympathie aktiver Fahrer auf ihrer Seite. Sie arbeitet direkt und zielgenau, könnte aber einen Tick schwergängiger sein und müsste auch nicht ganz so spitz reagieren, denn die nervöse, manchmal fast mimosenhafte Dienstbeflissenheit schon bei geringsten Ausschlägen trübt nur unnötig den Geradeauslauf.
In Sachen Lenkung verfolgen beide unterschiedliche Philosophien

Bild: Uli Sonntag
Auch in Reihe zwei kommt im VW kein Stress auf. Erwachsene sitzen dort bequemer als im relativ eng geschnittenen Ford, dessen Außenlänge eher dem Kofferraum nutzt. Dessen Volumen (471 bis 1723 Liter) übersteigt das des Golf Plus (395 bis 1450 Liter) erheblich. Wandlungsfähiger ist allerdings der C-Max, auch wenn die Möglichkeit, seine drei Fondsitze einzeln auszubauen, wegen des schwergängigen Ein- und Aushak-Mechanismus oft von Flüchen begleitet wird. Im Alltag genügt es ohnehin meist, die Sitze umzuklappen. Dann bieten die kompakten Hochsitzer die Funktionalität eines Kombis, gewürzt mit der Ladehöhe eines Vans. Ein kluger, für die Praxis meist ausreichender Mix.
Fazit
Der Golf gewinnt, doch dieses Mal ist es kein leichter Sieg. Der C-Max bringt ihn zum Teil ernsthaft in Bedrängnis. Die Antriebs- und Komfortwertung kann der Ford für sich entscheiden. Mit dem EcoBoost-Benziner haben die Kölner ein echtes Ass im Ärmel, doch am Ende lässt sich der VW die Butter nicht vom Brot nehmen. Welchen man auch wählt: Mit ihrem Mix aus Funktionalität und Fahrspaß sind beide Hochsitzer für Van-Verweigerer eine gute Empfehlung.
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